Drama um Vergewaltigungsanzeige landete vor Gericht. St. Pölten: 15-Jährige nötigte Freundin zur Zurücknahme einer Vergewaltigungsanzeige. Dazu angestiftet hatte sie der Ex-Lover.

Von Alex Erber. Erstellt am 17. November 2020 (19:57)
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APA (Symbolbild)

Karl, alle Namen sind von der Redaktion geändert, ist 22 Jahre alt. Seit 2014 hat er keinen Job, bezieht 340 Euro Notstandshilfe: „Bis jetzt war nichts Passendes für mich dabei“, bedauert er.

Jedenfalls marschiert Karl zum St. Pöltner Hauptbahnhof, wo er auf Vanessa trifft. Bis zu diesem Zeitpunkt war sie eine „normale, gute Freundin“. „Ich habe dich wegen Vergewaltigung angezeigt“, eröffnet ihm Vanessa.

Da ist Karl baff: „Das stimmt doch nicht, ich bin doch kein Vergewaltiger!“ Der Bursche erinnert sich an seine Ex-Freundin Bianca, die Vanessa kennt. Karl setzt sich mit Bianca in Verbindung und hat ein besonderes Zuckerl im Gepäck: „Setz‘ Vanessa unter Druck. Wenn du sie dazu bringst, dass sie die Anzeige zurückzieht, dann nehme ich die Beziehung zu dir wieder auf!“

Jetzt sitzt Karl bei einem Prozess am Landesgericht St. Pölten wegen Nötigung auf der Anklagebank. Gut beraten von seinem Rechtsanwalt, zeigt er sich letztendlich geständig, ihm wird Diversion angeboten: 50 Stunden ehrenamtliche Sozialarbeit muss er leisten, 150 Euro innerhalb eines halben Jahres bezahlen, dann ist die Angelegenheit für ihn erledigt. Er nimmt an.

Bianca muss sich ebenso vor Gericht verantworten, zur Nötigung kommt noch die Vortäuschung einer mit Strafe bedrohten Handlung. „Ich habe Vanessa nur gedroht, damit Karl wieder zu mir zurückkommt“, erklärt die 15-Jährige. Denn: „Ich war in ihn verschossen.“ Das Ende vom Lied: „Er hat sein Versprechen nicht wahr gemacht“, klagt das Mädchen. „Liebe ist eben meistens nicht käuflich“, schmunzelt Richter Markus Grünberger.

Jetzt muss man wissen: Karl ist der „Beziehungs-Freund“ der 15-Jährigen. Aber es gibt auch noch Leopold. Bei ihm handelt es sich, so die St. Pöltnerin, um den „Rede-Freund“. Ihr Pech war, dass sich Leopold zuletzt zurückgezogen hat: „Ich hatte niemand mehr, mit dem ich meine Probleme besprechen konnte.“ Also erstattete Bianca wegen Vergewaltigung Anzeige gegen unbekannte Täter.

Richter Grünberger: „Drücke alle Augen zu“

Die Vergewaltigung ist frei erfunden. Ihr Kalkül: Wenn Leopold davon erfährt, spricht er wieder mit ihr. „Ich drücke alle Augen zu“, so der Richter. 150 Euro Strafe, in zweijähriger Probezeit darf sie nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommen.