„Man muss die Städte wieder reparieren“: Aichberger im Interview

Vor drei Jahren zog der gebürtige St. Pöltner Andreas Aichberger zurück in seine Heimatstadt. Nun plante er das neue PVZ.

Erstellt am 04. November 2021 | 06:14
Lesezeit: 2 Min
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Der Entwurf seines Architekturbüros überzeugte. Andreas Aichberger plante das neue PVZ St. Pölten.
Foto: Martin Gruber-Dorninger

Bis zum Herbst 2023 sollen im erweiterten PVZ St. Pölten auf 12.000 Quadratmetern etwa 40 Ordinationen, ein großes Facharzt-Labor, eine Apotheke und ein Seminarzentrum zur Verfügung stehen. All das plante der St. Pöltner Architekt Andreas Aichberger.

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Wie es dazu kam und wie er die Bautätigkeiten in der Landeshauptstadt einschätzt, bespricht er mit der NÖN.

NÖN: Wie kam es dazu, dass Sie das neue PVZ planten?

Andreas Aichberger: Wir bewarben uns für den geladenen Wettbewerb, neben vier weiteren Architektur-Büros. Das Gesundheitszentrum wurde vom „Primary Health Care (PHC)“- Logistik-Manager Franz Holler und Bauherrenvertreter M.O.O.CON als Bedarfsplanung vorentwickelt. Unser eingereichter Entwurf konnte dabei überzeugen.

„Ich predige schon seit 15 Jahren Planung mit ökologischen Grundsätzen.“

Wie plant man so ein Projekt?

Die Aufenthaltsqualität für Besucher, Patienten und auch für Mitarbeiter spielte eine wesentliche Rolle. Viel Tageslicht, optimierte Handlungsabläufe und ein gut durchdachtes Erschließungssystem prägen den Charakter des modernen Gebäudes. Eine Herausforderung war, eine entsprechende Gestaltung für das Konzept mit diesen vielen unterschiedlichen Fachbereichen zu finden. Wir entwickelten dafür dunkelgraue umlaufende Fensterbänder, die sich auch immer wieder zwischen den Geschoßen bewegen, als verbindendes Element in einer weißen Metallfassade.

Welches andere Bauprojekt halten Sie für sehr reizvoll?

Ich bin gebürtiger St. Pöltner. Ich bin vor drei Jahren aus Wien wieder in meine Heimatstadt gezogen. Ich hatte das Gefühl, viele Maßnahmen greifen und aus St. Pölten wird eine richtig attraktive Stadt. Ich würde das aber nun nicht auf ein einzelnes Projekt reduzieren wollen. Ich befasse mich nun schon seit 20 Jahren mit Architektur und Städtebau. Dabei ist aber immer eine gewisse Dichte im Stadtraum wichtig. St. Pölten gehört zu den weniger dicht verbauten Städten.

„Wenn man eine „Stadt der kurzen Wege“ anstrebt, dann ist es erforderlich, dichter zu bauen.“

Wie wichtig sind Grünflächen?

Ich predige schon seit 15 Jahren Planung mit ökologischen Grundsätzen. Warum wird vor einem Supermarkt eine riesige Fläche für die Parkplätze versiegelt? Besser wäre ein Wohnbau mit Supermarkt im Erdgeschoß und die Autos in einer Tiefgarage darunter. Denn es war lange Zeit angesagt, mit dem Auto nach draußen zu fahren und dort einkaufen zu gehen. Besser wäre es jedoch, zu Fuß einkaufen gehen zu können.

Wohin wird der Bau-Boom in St. Pölten führen?

Wenn man eine „Stadt der kurzen Wege“ anstrebt, dann ist es erforderlich, dichter zu bauen. Derzeit werden die Brachflächen in der Innenstadt widmungsgemäß ausgebaut. Dicht verbaut mit viel Grün, das macht meiner Meinung nach eben eine lebenswerte und lebendige Stadt aus.