Viel Emotion bei Tierschutz-Protest. Ermittlungen wegen ominösem Drohanruf gegen die Aktivisten. Auch ein Landwirt erstattete Anzeige.

Von Bernhard Herzberger. Erstellt am 18. Juni 2019 (03:36)
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Zwei VGT-Aktivistinnen protestierten vor einem der Schweinemast-Betriebe in Pyhra, die der Verein als Anschauungsbeispiel für ihre Kampagne gegen „Schweinefabriken mit Vollspaltenböden“ ausgewählt hat.

Zunächst ein unerlaubtes Eindringen und Fotografieren in einem Schweinemastbetrieb durch Unbekannte und dann eine telefonische Morddrohung gegen die Tierschutz-Aktivisten – die Protestaktionen des Vereins gegen Tierfabriken (VGT) vor Schweineställen mit Vollspaltenböden in NÖ haben nun ein Nachspiel.

Die örtliche Polizei begleitete den angemeldeten Protest von elf Personen und einem Kleinkind vor zwei Betrieben im Gemeindegebiet von Pyhra. „Nach unseren Informationen wurde die dritte Aktion in Amstetten dann gar nicht mehr durchgeführt“, erklärte der diensthabende Beamte auf Anfrage der NÖN.

So unscheinbar die friedlichen Demos vor Ort auch waren, im Hintergrund brodelt es: Die Protestaktionen des VGT erfolgten parallel zu einem Antrag der Liste JETZT im Nationalrat zum Verbot von Vollspaltenböden in der Schweinehaltung.

Der Verein habe „Foto- und Filmmaterial aus drei niederösterreichischen Schweinefabriken zugespielt bekommen“, erklärt Obmann Martin Balluch in einer Presseaussendung und wirbt für die Initiative im Parlament. Denn die Bilder zeigten blutige Tiere mit abgebissenen Ohren und Schwänzen, mit entzündeten Augen und geschwollenen Gelenken auf völlig verdreckten Vollspaltenböden: „Kein Mensch mit Herz und Hirn kann da dafür sein“, so Balluch.

„Wenn ihr kommt, bringe ich einen von euch um!“ Anonymer Drohanruf gegen die Tierschutz-Aktivisten

Tatsächlich berichtet ein Landwirt aus Pyhra, dem eine der Protestaktionen vergangene Woche galt, dass vor einiger Zeit jemand unerlaubt in den Stall eingedrungen sei. Unter den Fotos auf der VGT-Website wäre auch eines aus seinem Betrieb – die Schweine im Bild aber in einem guten Zustand. „Ich halte mich an alle Gesetze“, beteuert der Bauer, dessen Betrieb erst fürs AMA-Gütesiegel kontrolliert wurde. Bei der Aktion der Unbekannten wurde auch ein Gerät aus dem Stall gestohlen. Der Landwirt erstattete Anzeige.

Das hat der Verein gegen Tierfabriken auch schon getan: Und zwar gegen einen Anrufer im Wiener Büro, der sich im Hinblick auf die geplanten Protestaktionen als „Schweinebauer aus Österreich“ bezeichnet und dann gemeint habe: „Wenn ihr kommt, bringe ich einen von euch um!“.

Seitens der Polizeidienststelle in der Marktgemeinde heißt es, es gäbe keinen Hinweis, dass der Anruf aus Pyhra gekommen wäre. In der Sache ermittelt nun das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung.