Überfall in St. Pölten: Jugendliche raubten Dealer aus. Sechs Jugendliche feierten in Rabenstein eine „Drogenparty“. Weil sie nicht genug Geld hatten, raubten drei davon mit Messern einen Dealer in St. Pölten aus. Mit dieser Eskalation will keiner gerechnet haben: Haft- und Bewährungsstrafen.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 03. Juni 2021 (09:53)
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Sechs Angeklagte sitzen im Saal, vor dem Prozess noch übermütig grinsend, jetzt vor dem Richter sehr still und bedrückt. Angeklagt sind sie wegen schweren Raubes und Hehlerei. Sie sind 17, einer 18 Jahre alt. Alle Beteiligten sind geständig. Für sie steht viel auf dem Spiel.

Eigentlich wollten sie ihn nur einschüchtern, ihm die Drogen wegnehmen und davonlaufen, erzählen sie dem Jugendrichter. Gewalt anzuwenden hätten sie nicht geplant. Doch am Ende bleibt: Sie haben einen Dealer ausgeraubt, ein halbes Kilo Cannabis, mehrere Dekagramm Speed, Ecstasy, eine Waage, drei Messer und eine Geldkassette mit 150 Euro. Sie haben dessen Zimmer durchsucht und sie haben ihm mit Messern gedroht, sagten „Willst du noch leben? Sag, wo du noch mehr hast!“

"Drogenparty" nach Raub

In der Wohnung des Viertangeklagten in Rabenstein an der Pielach hatten sie sich zuvor getroffen, getrunken und dann beschlossen zu „kiffen“. Dabei hatten sie weder genug Cannabis, noch genug Geld dabei, Speed wollten die Jugendlichen auch. Die Idee entstand, einen Dealer „abzuziehen“. Einer der Jugendlichen besorgte über einen Freund eine Nummer und eine Adresse in St. Pölten. Während sich drei auf den Weg nach St. Pölten machten, warteten die anderen drei in der Wohnung in Rabenstein und besorgten inzwischen mehr Alkohol und Zigaretten.

Sie rechneten damit, dass sie den Dealer auf der Straße treffen. Doch der 20-Jährige bat sie, mit in seine Wohnung zu kommen, am Tisch lag ein Springermesser, im Raum noch ein großes Army-Dekomesser. Beides hatten der Erst- und Zweitangeklagte in der Hand als der Dealer mit der Ware zurückkommt. Sie drohten ihm, durchsuchten das Zimmer. Einer der drei stand „nur“ dabei, mischte sich nicht ein. Mit ihrer Beute fuhren sie schließlich zurück und konsumierten etwas davon. Als die Polizei kam, versuchten sie noch einen Teil zu verstecken.

Bewährung und Haft

Der Schöffensenat entscheidet schließlich einstimmig. Zwei Jahre bedingt für den Erstangeklagten, zweieinhalb Jahre unbedingt für den Zweitangeklagten, fünf Monate bedingt für den Drittangeklagten, sechs Monate bedingt für den Viertangeklagten, zwei Jahre bedingt für den Fünftangeklagten und zehn Monate bedingt für den Sechstangeklagten.

Der Erst- und Zweitangeklagte müssen dem Dealer 800 Euro Schmerzengeld bezahlen. Der Erstangeklagte erhält eine Weisung für ein Anti-Gewalttraining und eine Suchtberatung, in eine Suchtberatung muss auch der Viertangeklagte. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Bitter ist die Strafe für den Zweitangeklagten. Seine Mutter weint beim Verlassen des Gerichtssaales. Wegen seiner Vorstrafen geht er als einziger ins Gefängnis.