Brunnen der Region sprudeln. St. Pölten mit viel und gutem Nass gesegnet. Umland sichert sich mit Reserven und Kooperationen ab.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 17. Juni 2020 (03:34)
Wassermeisterin Doris Negl hat den Wasserhaushalt der Landeshauptstadt ständig im Blick.
Magistrat St. Pölten

19 Millionen Liter Trinkwasser verbraucht die Stadt St. Pölten pro Tag. Damit könnte das Sportbecken des Citysplash zehnmal angefüllt werden. Der Durst der rund 60.000 Einwohner und der Betriebe nach Wasser ist groß. Doch während es in der einen oder anderen Gemeinde Niederösterreichs öfters zu Engpässen kommt, sprudelt das Wasser in der Landeshauptstadt problemlos.

Das Wasser für das Versorgungsgebiet St. Pölten stammt aus dem Begleitstrom der Traisen. Zwei betriebseigene Brunnenfelder mit insgesamt sieben Brunnen fördern 510 Liter pro Sekunde. Das entnommene Grundwasser benötigt keine Aufbereitung und wird in unbehandelter Form in das Rohrsystem eingespeist. Über ein 400 Kilometer langes Versorgungsnetz fließt das Trinkwasser direkt zu den Verbrauchern sowie in vier Hochbehälteranlagen (Völtendorf, Ochsenburg, Kalbling und Pottenbrunn). Damit wird ein gleichmäßiger Druck mit möglichst wenig Schwankungen gewährleistet und gleichzeitig auch ein sofortiger Ausfall bei Störungen verhindert.

„Wir hatten bisher nie Auswirkungen auf die quantitative oder qualitative Versorgung mit Trinkwasser.“ Mirza Sacic, Betriebsleiter der Trinkwasserversorgung

„Wir verfügen in St. Pölten über beste Wasserqualität. Dies ist kein Zufall, sondern den weitsichtigen Entscheidungen meiner Amtsvorgänger geschuldet“, schwärmt Bürgermeister Matthias Stadler vom St. Pöltner Wasser. Das bestätigen auch Wassermeisterin Doris Negl und Mirza Sacic, Betriebsleiter der Trinkwasserversorgung. „Das Wasser wird monatlich chemisch und bakteriologisch untersucht. Die Befunde über das Trinkwasser ergaben aus allen Anlagen einwandfreies Trinkwasser“, erklärt Negl, die die Kenngrößen wie pH-Wert und Wasserhärte ständig im Blick hat.

Poolbefüllungen in St. Pölten kein Problem

Doch nicht nur die Qualität stimmt in St. Pölten, sondern auch die Menge. Obwohl der Beginn des Jahres recht trocken ausfiel, verursachte der Klimawandel in St. Pölten bisher keine Wasserknappheit. Auch nicht bei erhöhtem Wasserbedarf während Hitzeperioden. „Wir hatten bisher nie Auswirkungen auf die quantitative oder qualitative Versorgung mit Trinkwasser. Auch nicht bei den Poolbefüllungen“, so Sacic.

Wenn im Frühjahr die Pools befüllt werden, konnte das in der Vergangenheit in Pyhra zu kleineren Problemen führen. „Damit das Wassermanagement besser funktioniert, haben wir ein neues Regelwerk eingeführt. Wasser für Poolbefüllungen darf nur über unseren Wassermeister genützt werden“, schildert Bürgermeister Günter Schaubach. Zu wirklichen Engpässen kam es in der Gemeinde nicht. Dennoch holte Pyhra zuletzt einen Uraltvertrag aus der Schublade. Seit 1960 ist darin geregelt, dass
Pyhra Wasser aus der Wiener Hochquellwasserleitung nutzen kann. Bis zu 400 m darf die Gemeinde pro Tag abzweigen. „Wir haben damit Reserven geschaffen und werden somit nie am Trockenen sitzen“, ist Schaubach froh. Um in den Genuss der neu aktivierten Leitung zu kommen, wird in den nächsten Monaten das alte Wasserwerk renoviert und ein Viadukt neu errichtet.

Mit versiegenden privaten Brunnen kämpfen einige Bewohner im Gemeindegebiet Böheimkirchens. Die Anfragen für den Anschluss an die öffentliche Wasserversorgung mehren sich. „Private Wasserversorgung wird immer schwieriger“, erklärt Bürgermeister Johann Hell. Die öffentliche Wasserversorgung der Marktgemeinde sei aber kein Problem. Schließlich werde man schon seit Jahrzehnten von der EVN versorgt. 90 Prozent des Böheimkirchner Wassers stammen von der EVN, der Rest von St. Pöltner und Kasten.

Überhaupt kein Problem mit dem Trinkwasser hat laut Bürgermeister Stefan Gratzl Hafnerbach: „Wir hatten vor der Regenphase im Unterschied zu anderen Gemeinden kein Wasserproblem.“ Drei Brunnen versorgen die Gemeinde mit ausreichend Wasser.

Einen Brunnen weniger hat Karlstetten. Aber auch dort ist die Wasserversorgung gesichert. „Sollte es dennoch einmal knapp werden, bekommen wir Wasser von der EVN hinzu“, versichert Bürgermeister Thomas Kraushofer.

Einen niedrigen Grundwasserspiegel durch die Trockenheit zu Beginn des Jahres ortet Ober-Grafendorfs Bürgermeister Rainer Handlfinger. „Trotz des starken Regens hat sich dieser kaum verbessert. Dies ist ein Thema, dem wir uns künftig stärker widmen müssen“, denkt er an die Folgen des Klimawandels vor allem für die Landwirtschaft.

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