Corona treibt die Radler an. Bezirk St. Pölten: Geschäfte haben derzeit viel zu schrauben. Radlobby will Schwung für Verbesserungen nutzen.

Von Martin Gruber-Dorninger, Beate Steiner und Inge Moser. Erstellt am 24. Juni 2020 (04:00)
Problemstellen für den Radverkehr besichtigten Stadtrat Klaus Otzelberger, Maria Zögernitz von der Radlobby, Gemeinderat Markus Hippmann, Stadträtin Renate Gamsjäger, Werner Hrabak von der Radlobby, Stadtrat Peter Krammer und Vizebürgermeister Harald Ludwig.
Gruber-Dorninger

Viele sind in der Coronakrise auf den Drahtesel gekommen. Egal ob elektrisch oder mit Muskelkraft betrieben, das Fahrrad erlebt einen Boom. Das freut nicht nur die Fahrradfirmen, sondern auch die Fahrradlobby, die durch das neue Interesse auf mehr Unterstützer hofft.

Gute zwei Wochen dauert es aktuell in St. Pölten, um sein Fahrrad bei der Firma Strobl fachmännisch auf Vordermann bringen zu lassen. „Wir schaffen acht bis zwölf Räder täglich“, kommt Martin Strobl derzeit ins Schwitzen. Die Nachfrage nach neuen Fahrrädern sei ebenfalls enorm. Die Firmen kämen gar nicht mit den Lieferungen nach. In Wilhelmsburg ist das nicht anders. 15 Prozent mehr Fahrräder hat Wolfgang Denk verkauft. Vor allem E-Bikes würden verstärkt nachgefragt. Trotz des Stresses „versuchen wir, für jeden das richtige Fahrrad zu finden“, so Denk.

„Das Potenzial von St. Pölten wäre groß. Vor allem auf den Landesstraßen.“ Maria Zögernitz, Radlobby

Wehmütig blickt derweil Bezirkshauptmann Josef Kronister aus seinem Bürofenster. Anstatt im Frühjahr mit seinem Rennrad Runden zu ziehen und so seinem liebsten Hobby nachzugehen, geht seine gesamte Freizeit aktuell für die Coronakrise drauf. „In den letzten Wochen und Monaten bin ich leider nicht dazu gekommen. Ich werde aber versuchen, das wieder aufzuholen“, so Kronister. Er selbst habe aber dennoch den ansteigenden Trend beim Radsport mitbekommen.

Zu den Profi-Radsportlern der Region zählt der Prinzersdorfer Florian König, Obmann des Radrennteams Pielachtal. Der 34-Jähriger kann bereits auf Medaillen bei Meisterschaftsrennen auf der Bahn verweisen. „Wir überlegen, wie wir die vielen Freizeitsportler für einen Einstieg in den sportlichen Bereich begeistern könnten“, erzählt König.

Begeistern möchte auch die Radlobby die neuen Radler. Den Ankündigungen der Stadt- und Landespolitik könnten so endlich Taten folgen, hofft Maria Zögernitz von der St. Pöltner Radlobby. Mehr Bewusstsein für den Radverkehr könne eventuell so manche Türen öffnen. „Das Potenzial von St. Pölten wäre groß. Vor allem auf den Landesstraßen“, sieht Zögernitz viele Möglichkeiten. Manche Maßnahmen seien leicht umzusetzen. Die Radlobby lud deshalb Politiker zur Radtour zu Problemstellen im St. Pöltner Verkehr. „Vieles ließe sich lösen, wenn Stadt und Land beim Radverkehr besser zusammenarbeiten würden“, so Zögernitz. Besserung sei schon in Sicht, zumindest habe man mittlerweile einen Platz am Planungstisch.

In der Landeshauptstadt wird das Radl sogar zum Kultur-Vehikel: Das Cinema Paradiso hat für das Open-Air-Kino am Rathausplatz das „Fahrradkino“ organisiert. Jeden Dienstag vor Filmbeginn können die Besucher ihre Fahrräder von der Fahrradschneiderei inspizieren und reparieren lassen.

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