Funktionärskrise im Fußball: Zwischen Zweifel und Zuversicht

Erstellt am 06. Juli 2022 | 04:59
Lesezeit: 3 Min
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Unter Frenkie Schinkels schnappte sich der SC St. Pölten den Titel in der 2. Klasse. Alles eitel Wonne beim Sportclub? Nicht wirklich. Die beengten Platzverhältnisse auf der heimischen Anlage stellen eine Herausforderung dar.
Foto: Claus Stumpfer
Sturm 19 war der letzte St. Pöltner Klub, der w.o. geben musste. Die restliche Fußballszene behauptet sich noch.
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Dieser Kelch ist an der Landeshauptstadt vorübergegangen. In und um St. Pölten herum wütete das Vereinssterben nicht – ganz anders als im landesweiten Trend (Seiten 2/3). Sämtliche Bezirksklubs spielen weiter. Als letzter Traditionsklub aus der Stadt musste Sturm 19 aufgeben.

Im Herbst 2016 stellte der Verein nach mehr als hundert Jahren St. Pöltner Sporthistorie den Betrieb ein. Die einst berühmte Bimbo-Binder-Sportanlage mutiert derzeit zum „Sturm 19-Park“. Zumindest im Namen lebt ein Stück St. Pöltner Fußballgeschichte weiter. Auch wenn‘s in den vergangenen Jahren – trotz schwieriger Zeiten während der Corona-Pandemie – keinen weiteren Klub erwischt hat, kämpfen auch die gut aufgestellten Vereine in der Region mit Nachwuchsproblemen.

Der Fußball in der „Ego-Falle“?

„Die neuen Herausforderungen lassen sich nur gemeinsam bewältigen“, weiß Herzogenburgs Obmann Kurt Schirmer. Speziell um die jungen Kicker müsse man sich bemühen: „Am Sportplatz können sie nicht nur sinnvoll ihre Freizeit gestalten, sondern auch das Miteinander erleben.“ Nicht unwichtig in Zeiten, wo das Ego oftmals in den Vordergrund gerückt ist.

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SKN-Frauenboss Wilfried Schmaus.
Foto: zVg

Das spürt auch der Fußball. „Heute gibt‘s viel mehr Ich als Wir“, findet Wilfried Schmaus. Der Rohrbacher ist der Motor des St. Pöltner Frauenfußballwunders. Er weiß, wovon er spricht. Von der Landesliga führte er binnen eines Jahrzehnts die SKN-Ladies bis in die Women‘s Champions League. Als erster Frauenklub stellten die Wölfinnen auf einen Profibetrieb um, setzen seit Anfang Juli auch auf eine professionell besetzte Geschäftsstelle. Ob er heute noch einmal als Vereinschef anfangen würde?

„Ich glaube nicht“, räumt Schmaus ein. Was würde er einem jungen Funktionär raten? „Sich genau informieren, was ihn erwartet, Fortbildungsmöglichkeiten wie etwa die Funktionärsschulungen nutzen!“ Wilfried Schmaus hält es auch für eine gute Option, erst einmal als Stellvertreter in eine Funktion „hineinzuschnuppern“. Und: „Eine Rechts- und Haftpflichtversicherung sollte sich jeder Verein zulegen.“ Und die Klubs? „Die müssen sich rechtzeitig um Funktionärsnachwuchs umschauen. Keiner will zum Einstieg gleich Krisenmanager spielen“, gibt Schmaus zu bedenken.

Zusammenhalt als Schlüsselfaktor

Es gelte, sagt Schmaus, am Klima im Klub zu arbeiten: „Wenn es gut läuft, wenn man sich im Verein wohlfühlen kann, geht vieles einfacher.“

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2016 stellte Sturm 19 den Betrieb ein. Aus der Bimbo-Binder-Sportanlage soll ein Park werden – der wenigstens den Namen des verblichenen Fußballvereins trägt.
Foto: Raumposition/E. Winkler

Dass der Zeitgeist gegen das Ehrenamt im Fußball spielt, ist dem St. Pöltner Frauenboss bewusst. „Viele wollen heute nicht mehr ihre Freizeit opfern und schon gar nicht an fixe Termine gebunden sein.“

Es geht aber auch anders. „Überhaupt keine Nachwuchssorgen“ verzeichnet Obmann Herbert Stöger vom ASV Statzendorf. „Vor allem im Nachwuchs schaut es sehr gut aus. Wie toll der Zusammenhalt ist, zeigt, dass unser Kampfmannschaftsspieler Lukas Schimany im Sommer eine neue sportliche Herausforderung in Würmla sucht, bei uns aber weiter Trainer eines Nachwuchsteams bleibt. Bei uns wird wirklich an einem Strang gezogen.“

Ein Erfolgsrezept, das auch in Rabenstein seit Jahren gelebt wird. „Wir leben vom Zusammenhalt“, ist sich Trainer Andreas Gutlederer bewusst. „Jeder leistet seinen Beitrag.“ Auf und abseits des Platzes. Vorne Obmann Hubert Grünbichler und der Coach. Dahinter „20, 30 Leute. Was hier mitgewirkt wird, ist unwahrscheinlich.“

 

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