Gastro-Öffnung: Viele Fragen sind ungeklärt. Ankündigung der Bundesregierung sorgt für Stirnrunzeln bei Gastro-Vertretern.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 03. März 2021 (03:32)
Ob sich die Schanigärten zu Ostern mit Gästen füllen, ist noch nicht klar. Die Bundesregierung verschaffte der Gastronomie vorerst eine Perspektive.
Max Steiner

Zu Ostern zurück ins Gasthaus, wenn auch nur in die Gast- oder Schanigärten. Das sind die Pläne der Bundesregierung. Für St. Pöltens Gastronomie-Vertreter ist der Gedanke zwar „nett“, der Plan, das in die Tat umzusetzen, jedoch unrealistisch.

Viele Fragen sind für Gastro-Vertrauensobmann Leo Graf ungeklärt.
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„Das wird schwer durchzuführen sein“, sagt der Gastro-Vertrauensobmann des Bezirks St. Pölten Leo Graf. Er legt seine Stirn in tiefe Falten, wenn er an die angekündigten Regelungen denkt. „Es ist sicher noch nicht aller Tage Abend. Das ist noch nicht gut durchüberlegt“, sagt Graf. Er begrüße es zwar, dass daran gedacht wird, die Gastronomie wieder zu öffnen, er könne sich aber noch nicht so recht vorstellen, wie das gehen soll. Viele Betriebe verfügen nicht einmal über einen Gastgarten. Dabei denkt Graf an die Lokale in den Einkaufszentren. Manche wiederum haben nur einen kleinen Schanigarten, wo es sich nicht auszahlt, für ein paar Besucher zu öffnen, die obendrein auf Abstand gehalten werden müssen. „Es wird sich nicht lohnen, für zehn Gäste ganz zu öffnen und noch Mitarbeiter dafür zu beschäftigen“, glaubt Graf.

„Wir leben in Österreich, da kann es sein, dass wir Ende März dann bei Schnee oder Nieselregen im Freien sitzen.“

Für unrealistisch hält STP-Gastro-Obmann Georg Loichtl die Pläne der Bundesregierung.
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Die Gedankengänge der Bundesregierung hält STP-Gastro-Obmann Georg Loichtl für nicht nachvollziehbar. „Wir leben in Österreich, da kann es sein, dass wir Ende März dann bei Schnee oder bei fünf Grad und Nieselregen im Freien sitzen.“

Warm anziehen heißt es dann also nicht nur für die Gäste, sondern auch für das Personal. Generell sei Loichtl das Infektionsgeschehen derzeit auch zu unsicher für eine Öffnung. Die Zahlen steigen konstant und auch die Mutationen machen eine Prognose unrealistisch. Eine Öffnung für wenige Wochen sei für viele Wirte auch finanziell mit einem hohen Risiko verbunden.
Ein großes Fragezeichen steht für die Gastronomenvertreter auch hinter den Schnelltests, die zum Besuch eines Gasthauses berechtigen. Darüber herrscht nach der Ankündigung der Bundesregierung große Unsicherheit. „Wer muss testen? Wer kontrolliert? Wie alt darf das Testergebnis sein? Das sind nur einige Fragen, die da aufkommen“, so Graf. Man stelle sich vor, es ist gerade Mittagszeit und der Gastgarten ist gut gefüllt, natürlich mit Abstand. Der Kellner hat ein Tablett voll mit Essen und es kommt eine Gruppe von hungrigen Arbeitskollegen. Ein gewissenhaftes Überprüfen der Testergebnisse sei nicht möglich.

Kontrolle der Tests für Gastro nicht machbar

„Wir haben drei Eingänge. Die können nicht die ganze Zeit über im Auge behalten werden. Was passiert, wenn tatsächlich jemand Corona-positiv ist und es nicht bemerkt wird?“, fragt sich Graf. Auch die Pflicht- und Schuldfrage der Gastronomen sei noch überhaupt nicht geklärt. Loichtl ist generell dagegen, selbst testen zu müssen: „Wie kommen wir dazu, Menschen zu kontrollieren? Gewissenhaft können wir keine Tests durchführen.“

In der Zwischenzeit bastelt Georg Loichtl aber an einer Aktion, zu der alle Gastronomen eingeladen sind. Viel verrät er jedoch nicht. „Es soll zeigen, dass es uns noch gibt und wir wollen damit gute Stimmung verbreiten“, so Loichtl. Mitte März werden dann aber alle St. Pöltner von der Überraschung erfahren.