Impfungen: Schutz für sich selbst und andere. Ärztevertreter und Apotheker aus der Region überzeugt: Wer sich impfen lässt, übernimmt Verantwortung – für alle.

Von Martin Gruber-Dorninger, Marlene Groihofer, Birgit Kindler und Beate Steiner. Erstellt am 11. Februar 2020 (04:00)
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Es war im Jahr 1800, als in Österreich die erste Massenimpfung durchgeführt wurde – im Kampf gegen Pocken. In der Folge gelang es, die Krankheit hierzulande auszurotten. „Impfen ist eine der wenigen echten Erfolgsgeschichten in der Medizin“, sagt der Vertreter der Ärzte im Bezirk St. Pölten, Andreas Barnath: „Das ist eine Tatsache.“ Heute schützen Impfungen vor einer Vielzahl von Krankheiten – und finden Anwendung ab der Geburt.

„Wichtig ist es, verletzliche Menschen zu schützen“, betont der Ärztevertreter in der Landeshauptstadt, Florian Fiedler, „Kinder, Frühgeborene, immungeschwächte Personen und ältere Menschen. Um deren Schutz zu gewährleisten, müssen aber auch jene geimpft sein, die mit diesen Menschen in engem Kontakt stehen, also Angehörige, Pflegepersonen und natürlich ärztliches Personal.“

„Einzig richtig ist, sich gegen jede Krankheit zu schützen, wo es möglich ist“

Welche Impfung in welchem Lebensabschnitt empfohlen wird, findet sich im Impfplan Österreich gelistet, herausgegeben vom Gesundheitsministerium und dem Nationalen Impfgremium. „Die Empfehlungen werden von Experten nach dem neuesten Stand der Wissenschaft jedes Jahr neu überarbeitet. Es wird auf den Aufbau eines allgemeinen Impfschutzes für Kinder, Erwachsene und auch Spezialfälle eingegangen“, erläutert Florian Fiedler. Auch Andreas Gentzsch von der St. Pöltner Löwen-Apotheke rät klar, sich an den Impfplan zu halten: „Einzig richtig ist, sich gegen jede Krankheit zu schützen, wo es möglich ist.“ Dabei sei es empfehlenswert, den Impfpass einmal im Jahr zur Kontrolle in die Apotheke oder zum Arzt zu bringen und sich die nächsten Impftermine einzutragen.

Die Impfempfehlung beginnt im Säuglingsalter mit der Schluckimpfung gegen Rotaviren. „Dann geht es weiter mit der Sechsfach-Impfung zum Aufbau des Schutzes gegen Tetanus, Diphterie, Polio, Keuchhusten, Hepatitis B und Hämophilus“, erklärt Bezirksärztevertreter Andreas Barnath.

„Moderne Impfstoffe bestens verträglich“

„Impfen bedeutet, Verantwortung zu übernehmen“, sagt Apotheker Andreas Gentzsch: „Dank einer hohen Durchimpfungsrate der Bevölkerung konnten lebensbedrohliche Krankheiten erfolgreich zurückgedrängt oder sogar ausgerottet werden.“ Moderne Impfstoffe seien bestens verträglich, die „generelle Impfskepsis“ sehe er als „wachsende Gefahr“.

Impfungen dienen sowohl dem Selbstschutz als auch dem Herdenschutz, Kollektivimmunität genannt, betont Florian Fiedler: „Dass es in Österreich noch immer zu Masernfällen aufgrund unzureichender Durchimpfungsraten kommt, halte ich für eine sehr ernstzunehmende Fehlentwicklung.“

Im St. Pöltner Gesundheitsamt bemerkt Amtsarzt Edmund Entinger keinen Wandel bei der Impfmoral: „Bei den Standardimpfungen sind hier seit Jahren keine wesentlichen Änderungen zu bemerken. Die Zunahme der Reiseimpfungen ist durch den Trend zu Fernreisen erklärbar.“

Nach wie vor unumgänglich ist das Impfen für bestimmte Berufsgruppen: Von Mitarbeitern der NÖ Landes- und Universitätsklinken wird vor Dienstantritt ein Impf- und Immunitätsnachweis verlangt, zum Schutz der Patienten. „Für Tätigkeiten in sensiblen Bereichen sind ergänzende Impfungen erforderlich“, erklärt Ramona Ecker vom Universitätsklinikum St. Pölten.

Verstärktes Thema ist das Impfen außerdem in der Grippe-Zeit. „Im Winter führt für mich kein Weg an der Influenza Impfung vorbei“, sagt Bezirksärztevertreter Andreas Barnath. Zusätzlich sieht Apotheker Gentzsch Hygiene derzeit verstärkt im Bewusstsein. „Wir halten die Kinder zum Händewaschen an und desinfizieren Türklinken und Spielzeug“, berichtet Beate Eichinger, Leiterin der Privatvolksschule und des Kindergartens Biku-Villa.

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