Jeder Dritte arbeitet auswärts. 35 Prozent der St. Pöltner fahren für den Job in andere Gemeinden. In Haunoldstein sind es sogar über 85 Prozent.

Von Marlene Groihofer und Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 10. Dezember 2019 (04:02)
Florian Müller legt täglich den Weg zur Arbeit von Wien nach St. Pölten und wieder retour mit dem Zug zurück. Dabei kann er sich gut entspannen.
Gruber-Dorninger

Für manche liegt der Arbeitsplatz vor der Haustür, andere nehmen täglich eine längere Strecke in Kauf, um ihren Beruf auszuüben. Die aktuelle Auswertung der Recherche-Plattform Addendum gibt Aufschluss über die Pendler-Aktivitäten der Region.

Mit dem Rad bei Wind und Wetter unterwegs ist Manfred Gundacker aus St. Margarethen. Er ist in St. Pölten im Amt der NÖ Landesregierung beschäftigt: „Seit zehn Jahren fahre ich regelmäßig mit dem Rad in die Arbeit“, erzählt er.

Der St. Margarethner Manfred Gundacker legt die Strecke zur Arbeit im Regierungsviertel wann immer es geht mit dem Fahrrad zurück.
privat

Angefangen hat er damit aus sportlichem Ehrgeiz und um Sport, Arbeit und Privatleben bestmöglich unter einen Hut zu bekommen. Früher fuhr er mit dem Bus, davor pendelte er mit dem Auto und öffentlich nach Wien. Nach St. Pölten und retour braucht er mit dem Fahrrad je eine Stunde. Er nutzt die Radwege und wählt aus sportlichen Gründen sogar eine längere Strecke: „Wenn ich in der Früh in die Arbeit komme, bin ich schon ganz frisch und auf Touren. Wenn ich heimkomme, habe ich den Kopf wieder frei“, erzählt der St. Margarethener.

Seine Heimatgemeinde ist eine jener Gemeinden, aus der ein Großteil für die Arbeit auspendelt. Den höchsten Pendleranteil im Bezirk St. Pölten hat Haunoldstein. 2017 arbeiteten 86 Prozent der Bewohner in einer anderen Gemeinde. „Wir sind eine Wohngemeinde. Viele Einwohner nutzen die Ruhe und die gute Anbindung von Haunoldstein, um hier zu wohnen und nicht weit zur Arbeit fahren zu müssen“, findet Bürgermeister Hubert Luger eine Erklärung. Gestiegen ist der Pendleranteil vor allem in den Städten. In Herzogenburg seit 1991 etwa von knapp 48 Prozent auf 66,9 Prozent (+ 19,3).

Flexibler durch Pendeln mit dem Auto

In St. Pölten sind es mittlerweile 35 Prozent (1991 waren es noch 22,3 Prozent). Einer, der seinen Arbeitsplatz nicht in seiner Heimatstadt hat, ist der zum neuen Generaldirektor der Österreichischen Gesundheitskasse bestellte Ex-VP-Stadtrat Bernhard Wurzer: „Ich pendle seit dem Jahr 2000. Eine Stunde in jede Richtung, das entspricht einem zusätzlichen Arbeitstag pro Woche.“ Er sei auf das Auto angewiesen, denn manchmal müsse er bis spät in die Nacht arbeiten, dann seien aber kaum noch Züge unterwegs. „Ich liebe die Stadt St. Pölten aber so sehr, dass ich das Pendeln gerne in Kauf nehme“, so Wurzer.

Ähnliches gilt auch für Managerin Ulrike Mesner: „Man muss sich darauf einstellen, dass das Pendeln mit dem Auto nach Wien auch Verzögerungen mit sich bringen kann.“ Den Staus versucht sie zu entkommen, indem sie häufig schon um 4 Uhr morgens losfährt. Die Witterungsbedingungen spielen dabei eine große Rolle. „Es ist Gewöhnungssache, aber ich muss oft von Wien aus spontan zu einem Termin außerhalb der Stadt. Sollte das in Krems sein, dann geht das am schnellsten mit dem Auto“, so Mesner, die aber auch den Zug nutzt, „wenn es irgendwie geht“.

Ein begeisterter Zugpendler ist Florian Müller, der für die Öffentlichkeitsarbeit im Museum NÖ zuständig ist. Er pendelt täglich von Wien nach St. Pölten. „Ich nutze die Zeit im Zug zur Entspannung. In der Früh verlängere ich aber auch schon einmal den Schlaf“, erzählt Müller. Dennoch gebe es Schöneres. „St. Pölten ist aber sehr privilegiert, was die öffentliche Anbindung betrifft. Eine halbe Stunde im Zug ist eine überschaubare Art des Pendelns“, meint Florian Müller.

Dieser Pendler-Report wurde mit Daten der Rechercheplattform Addendum der Quo Vadis Veritas Redaktions GmbH erstellt.

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