Jugendschutzgesetz: „Vorglühen nicht zu verhindern“. Veranstalter wollen stärker kontrollieren. Einfluss darauf, was Teenager trinken, hätten sie aber nur begrenzt.

Von Lisa Röhrer und Beate Riedl. Erstellt am 03. Januar 2019 (04:29)
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„Eine Runde Cappy-Wodka, bitte.“ Diesen Satz haben viele 16- und 17-Jährige in der Region zu Silvester bis zu ihrer Volljährigkeit wohl das letzte Mal gesagt – zumindest wenn sie sich an die verschärften Jugendschutz-Bestimmungen halten. Denn mit 31. Dezember wurden nicht nur das alte Jahr, sondern auch alte Freiheiten verabschiedet. Seither müssen alle bis 18 auf hochprozentigen Alkohol verzichten. Auch Zigaretten und Wasserpfeifen gibt es bis dahin nicht mehr.

Lokal-Betreiber und Vereinsobleute haben sich bereits auf die Änderungen eingestellt. Die meisten setzen auf ein Farbsystem, um verhindern zu können, dass Spirituosen an unter 18-Jährige ausgeschenkt werden. Wer beim Eingang eines Lokales gegen Vorlage seines Ausweises etwa ein grünes Band bekommt, kann weiterhin „harten“ Alkohol bestellen. Für alle mit rotem Band gibt es nur Wein oder Bier.

Betreffen wird das etwa Jugendliche, die bei den „Generation X“-Events im LaBoom feiern. Ein bis zwei Mal im Monat wird dann schon ab 16 Jahren Einlass in die Disco gewährt. „Da haben wir auch im Raucherbereich absolutes Rauchverbot“, erklärt Andreas Brandstetter. Sein Vater, der das Neulengbacher Till Eulenspiegel betreibt, will das genauso handhaben. Viel Verständnis hat er aber für die Jugendschutz-Änderung nicht: „Einerseits darf man mit 16 Jahren wählen, andererseits wird man teilentmündigt.“

Veranstalter: „Haben nur begrenzt Einfluss“

Positiver nimmt Steve Ponta vom Warehouse die Neuerungen auf. „Es ist wichtig, die Kids zu schützen.“ Auch in dem Club im Süden der Stadt soll es ein System mit Bändern oder Stempeln geben. „Der Veranstalter hat trotzdem nicht immer Einfluss darauf, was jemand trinkt. Niemand kann verhindern, dass der ältere Bruder Tequila bestellt. Viele trinken vor dem Club. Wenn sie das wollen, werden sie‘s tun“, meint Ponta.

Auf diese Problematik weist auch Bezirksfeuerwehrkommandant Georg Schröder hin. Auch die Feuerwehr, die im ganzen Land immer wieder Bälle und Feste veranstaltet, werde „die Kontrollmechanismen an das neue Gesetz anpassen.“

Bei Festen soll es, wie es auch in der Vergangenheit schon gemacht wurde, ebenfalls verschiedene Bänder ums Handgelenk geben. „Bisher wurde an unter 16-Jährige nichts Hochprozentiges verkauft. In Zukunft betrifft das eben auch die unter 18-Jährigen. Das sogenannte Vorglühen wird man aber mit keinem Gesetz verhindern können. Hier ist jeder Veranstalter machtlos.“

Auf die leichte Schulter nehmen sollte man die neuen Regeln laut Landespolizeidirektion dennoch nicht. „Wir werden kontrollieren“, meint Raimund Schwaigerlehner. Sollten unter 18-Jährige mit hochprozentigem Alkohol oder Zigaretten angetroffen werden, werde die Polizei ihnen die Flaschen oder Tabakwaren abnehmen und der Behörde übergeben. „Außerdem werden wir hinterfragen, wer ihnen diese verkauft hat.“

Zigaretten: Umstellung der Automaten ist teuer

Gar nicht erst so weit kommen soll es, wenn es nach Otmar Schwarzenbohler geht. Der Bezirksvertrauensmann der Trafikanten kündigt verstärkte Kontrollen beim Verkauf von Zigaretten und Shisha-Tabak in der Region an: „Alle bis 25 brauchen nicht mehr ohne Ausweis in eine Trafik kommen.“ Mit großen Umsatz-Einbußen rechnet der Inhaber der Trafik im Traisenpark durch den verschärften Jugendschutz aber nicht. Der Großteil des Kundenstocks sei zwischen 30 und 60 Jahre alt. Die vom Jugendgesetz betroffene Gruppe mache maximal zehn bis 15 Prozent der Trafik-Kunden aus. „Das sind jene, die Shisha-Tabak oder ab und zu eine Packung Zigaretten kaufen“, weiß Schwarzenbohler.

Eine finanzielle Herausforderung ist die Anhebung des Mindestalters für das Kaufen von Zigaretten für die Trafiken dennoch. Die über 100 Zigaretten-Automaten in der Region mussten laut Schwarzenbohler an die neue Gesetzeslage angepasst werden. Zigaretten gibt es dort weiter nur mit Bankomatkarte. Das Alter des Inhabers prüft nun eine Datenbank im Hintergrund. „Dadurch verliert der Trafikant – neben den Kosten für die Umstellung – auch zehn Prozent der Spanne. Die gehen an die Firma, die die Datenbank erstellt hat“, erklärt Schwarzenbohler.

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