Traum vom Eigenheim: Bedarf an Baugrund ist groß. Gründe in der Region St. Pölten sind rar und daher teuer. Gemeinden wehren sich gegen groß volumigen Wohnbau mit Widmung.

Von Martin Gruber-Dorninger, Nadja Straubinger und Michael Fusko. Erstellt am 21. Juli 2021 (04:00)
Wohnbau
Symbolbild
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357 Quadratmeter Grund für das erträumte Einfamilienhaus kann sich ein Arbeitnehmer mit dem durchschnittlichen Bruttogehalt von 42.110 Euro im Jahr in der Landeshauptstadt leisten. Mit Pyhra und Wilhelmsburg liegt St. Pölten damit fast erwartungsgemäß an der Spitze der neuen OGM-Statistik zur Leistbarkeit von Baugrund.

Mit kleineren Gemeinden könne man die Hauptstadt aber schwer vergleichen, meint Rathaus-Sprecher Thomas Kainz, dank „guter Arbeit und vorausschauender Planung“ sei Interesse an St. Pöltner Bauland groß. Dennoch sei die Landeshauptstadt verglichen mit anderen Städten im Immobilienpreisspiegel „leistbar“ dargestellt. Ziel ist weiterhin, städtischen Grundbesitz nicht zu reduzieren, um die Entwicklung der Stadt aktiv mitgestalten zu können. Besonders konzentriert sich die Stadt derzeit auf den Westen, wo zuletzt zwei strategisch wichtige Grundstücke erworben werden konnten.

Baugründe NÖ
OGM

Am meisten Grund fürs Jahresgehalt bekommen in der Region die Bewohner von Markersdorf-Haindorf. Dort lag der Durchschnittspreis für einen Quadratmeter im Zeitraum von 2015 bis 2019 bei 51 Euro. „Für mich klingt dieser Durchschnittspreis unrealistisch“, zweifelt Bürgermeister Friedrich Ofenauer allerdings an den Zahlen. Derzeit gebe es lediglich gewidmetes Bauland im Privatbesitz. Die Gemeinde selbst verfüge über keine Grundstücke, neu gewidmet werden soll auch in Zukunft nicht, obwohl „die Nachfrage aber groß ist“.

Auf Verdichtung im Kerngebiet setzt Karlstetten. Bis Jahresende soll ein neuer Flächenwidmungsplan beschlossen werden. Ziel ist es, großvolumigen Wohnbau im Zentrum weiterhin zu erlauben, in den Siedlungsgebieten hingegen zu verhindern. „Künftig dürfen pro Grundstück nur mehr zwei Wohneinheiten errichtet werden“, erklärt Bürgermeister Thomas Kraushofer.

Pyhra als beliebte Wohngegend

Als „Beverly Hills von St. Pölten“, bezeichnet Pyhras Bürgermeister Günter Schaubach gern seine Gemeinde. Viele Pyhringer arbeiten in St. Pölten, schätzen die Gemeinde südöstlich der Landeshauptstadt als beliebte Wohngegend. Das schlägt sich auf den Quadratmeterpreis nieder, der im Durchschnitt 90 Euro beträgt, Tendenz steigend. „Angebot und Nachfrage regelt den Preis auch bei uns und die Nachfrage ist enorm“, so Schaubach. Großvolumigem Wohnbau will die Gemeinde künftig einen Riegel vorschieben, wenn nötig sogar mittels Baustopp. Vielmehr sollen Gründe für Einfamilienhäuser aufgeschlossen werden. Damit soll es gelingen, Familien mit Kindern in der Gemeinde zu halten. „Wir versuchen, möglichst wenig Boden zu versiegeln und Pyhra weiterhin so lebenswert zu erhalten, wie es ist“, so Schaubach.

Eine ähnliche Strategie verfolgt auch die Nachbargemeinde Böheimkirchen. Dort wurden vor drei Jahren 35 Parzellen am Blumenfeld in erster Linie für Jungfamilien angeboten. Die Gründe gingen weg wie die warmen Semmeln. Der Bedarf ist weiterhin groß – bis zu fünf Interessenten melden sich wöchentlich bei Bürgermeister Johann Hell: „Rund 20 Prozent der gewidmeten Flächen in Privatbesitz sind nicht bebaut. Sie wurden in den 70er und 80er Jahren als Wertanlage gekauft“, beklagt Hell. Grundlegendes Problem sei, dass diese alten Widmungen ohne Baulandsicherungsvertrag erfolgten. „Der fehlende Bauzwang blockiert Neuwidmungen“, so Hell.

In Kasten hat der Gemeinderat strenge Richtlinien für Bauwerber beschlossen. Diese bevorzugen vor allem junge Gemeindebürger. Von den über 80 Anfragen für 20 neu erschlossene Gründe, wurden schon im Vorfeld 50 ausgeschieden. Bis jetzt sind sechs Gründe verkauft, 20 Interessenten vorgemerkt. „Wir wollen nicht alle Parzellen gleichzeitig verkaufen, sondern pro Jahr maximal sechs. Nach drei Jahren muss eine Baugenehmigung vorliegen, sonst wird eine Pönale fällig“, so Bürgermeister Josef Denk.

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