Vergabe trotz Corona: „Tiere haben höheren Stellenwert“. Tierheim St. Pölten erarbeitete spezielles Konzept für Kunden und Mitarbeiter. Covid-Jahr brachte keinen Boom.

Von Nadja Straubinger. Erstellt am 03. Februar 2021 (03:30)
Claudia Vorstandlechner mit einer der 16 Katzen, die derzeit im Tierheim betreut werden.
TSV St. Pölten

Ein schnurrendes Kätzchen liegt im Schoß, ein schwanzwedelnder Hund motiviert zum gemeinsamen Spaziergang und Aquarium sowie Terrarium mit seinen Bewohnern vermitteln ein Gefühl von Ruhe – viele Haustiere wachsen gerade in der jetzigen Zeit von Corona-Pandemie und Lockdown noch stärker mit ihren Besitzern zusammen. Im Tierheim St. Pölten merkt man das auch.

Tierheim-Mitarbeiterin Lea Lipensky kümmert sich auch um die Kaninchen.
Straubinger

„Die Tiere haben wieder einen höheren Stellenwert“, sagt Tierheimleiter Davor Stojanovic. Dieses Jahr gab es zwar keinen Boom an Interessenten, es wurden aber auch nicht mehr Tiere abgegeben als sonst. „Ich fürchte nur, dass die Situation heuer schwierig wird. Wenn die Ersparnisse weg sind und die Situation wirtschaftlich schwierig bleibt“, erklärt Stojanovic.

„Die Tiere haben wieder einen höheren Stellenwert“

Insgesamt 970 Tiere fanden im Vorjahr ein vorübergehendes oder längerfristiges Zuhause im Tierheim St. Pölten – den größten Teil machten 470 Wildtiere, 260 Katzen und 130 Hunde aus. Der Tierschutzverein St. Pölten ist für den Zentralraum und das Mostviertel sowie von Klosterneuburg bis Waidhofen/Ybbs zuständig. Um die Versorgung für die Tiere zu sichern, entwickelte das Tierheim gleich beim ersten Lockdown ein Sicherheitskonzept. Abstandhalten, Händewaschen und Desinfizieren, aber auch die Einteilung in zwei Teams wurde darin festgelegt.

In den Katzenräumen können sich die kleinen Tiger austoben.
TSV St. Pölten

„Wir haben es so eingeteilt, dass wir einander nicht begegnen, und konnten damit die ganze Zeit unsere 24-Stunden-Bereitschaft aufrechterhalten“, führt Stojanovic aus. Auch eine Notversorgung durch eine einzige Person ist in dem Sicherheitskonzept geregelt. „Das war zum Glück nicht nötig“, sagt der Leiter erleichtert.

„Wir haben es so eingeteilt, dass wir einander nicht begegnen. So konnten wir unsere 24-Stunden-Bereitschaft aufrechterhalten.“ Davor Stojanovic, Tierheimleiter

Im Tierheim gibt es wie bundesweit ein Ampelsystem. Grün, Gelb, Rot – je nach aktueller Lage werden unterschiedliche Maßnahmen bei der Vergabe getroffen. „Wir haben ein Schleusenkonzept erstellt“, informiert Alexandra Leitold. Bei Ampelfarbe Rot erfolgt die Vergabe von Tieren nur außerhalb des Geländes, bei Gelb können Interessenten bis vor das Gebäude des Tierheims kommen, bei Grün ist eine Vergabe im Gebäude möglich. Außerdem erfolgt diese nach Vereinbarung. Die Vergabetiere werden auf der Webseite des Tierschutzvereins vorgestellt. Es folgt ein Einzelgespräch mit Abstand. „Da können Interessenten auch das gewünschte Tier kennenlernen“, so Stojanovic.

Einnahmen zum Teil ausgeblieben

Das Corona-Jahr stellt trotz aller Vorkehrungen auch das Tierheim St. Pölten vor wirtschaftliche Herausforderungen. „Trotz strikter Sparsamkeit und vieler freiwilliger Helfer bei den Spaziergängen oder Flohmärkten müssen wir jährlich rund 500.000 Euro für die Versorgung der Tiere aufbringen“, informiert Willi Stiowicek, Obmann des Tierschutzvereines.

Auch Exoten werden im Tierheim betreut: Davor Stojanovic mit einer Bartagame.
TSV St. Pölten

Einnahmequellen wie die Flohmärkte konnten nicht stattfinden. Jetzt hofft das Team auf Unterstützung aus dem NPO-Fonds. „Wir danken den tausenden Tierfreunden, die uns mit Geld- und Futterspenden unterstützt haben. So konnten wir einen Teil des Mindererfolgs wettmachen“, betont Stiowicek.

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