Windpark Schildberg: Viel Wind um große Räder. Dimension der Verhandlung um Erhöhung des EVN-Projekts sprengte Verhandlung: Vertagt.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 04. Mai 2021 (17:20)
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Drei Windräder baut die EVN am Schildberg zwischen Böheimkirchen und Pottenbrunn, die ersten Vorbereitungen haben schon begonnen. Welche Dimension die Windräder haben werden, klärt noch das Bundesverwaltungsgericht (BVwG). 13 Beschwerden waren gegen den positiven UVP-Bescheid des Landes für das „Update“ des Projekts eingegangen. Der erste T ag reichte nicht einmal für die Hälfte der beanstandeten Bereiche.

Das bereits 2017 bewilligte Projekt will der Betreiber auf den „neuesten Stand der Technik bringen“, so EVN-Sprecher Stefan Zach. Die Rotorblätter der neuen Anlagen sollen 226 Meter statt 212 Meter hoch in den Himmel ragen. Die EVN erwartet sich dadurch eine Leistungssteigerung des Windparks von 10,35 auf 12,6 Megawatt.

Anrainer, Landwirte, Fischereiverein und die Umweltorganisation „Alliance for Nature“ fürchten eine Minderung ihres Besitzes oder ihrer Lebensqualität sowie die Zerstörung der Natur im Schildberger Wald. Zehn Sachverständige waren zur mündlichen Verhandlung geladen, um zu den Fachgebieten Stellung zu beziehen. Rechtsanwalt Georg Lugert lehnte zu Beginn der Verhandlung gleich alle Gutachter ab. Die EVN sei ein Tochterunternehmen des Landes NÖ und die beauftragten Gutachter daher weisungsgebunden. EVN-Anwalt Berthold Lindner verneinte: „Sachverständige sind weisungsfrei gestellt.“ Auch sonst zog sich die Verhandlung, sie wurde nach nicht einmal der Hälfte der Fachbereiche vertagt.

Gutachter schließt Lärm-Belästigung aus

Das Thema Lärm kam bereits zur Sprache. Die Beschwerdeführer fürchten höhere Lärmpegel durch größere Rotorblätter. „Wenn der Schall an den Windrädern vorbeistreift, fühle ich mich bei meiner Arbeit schon bedroht“, so Landwirt Jakob Primixl. Der Sachverständige für Lärmschutztechnik führt aus, dass der Lärm eines Windrades ab einer bestimmten Windgeschwindigkeit nicht mehr zunimmt. Zudem sei dabei entstehender Infraschall geringer als jener von Naturgeräuschen. Eine Überschreitung des von der WHO festgelegten Grenzwertes von 45 Dezibel erfolge keinesfalls. „Belästigung ist ein subjektiver Begriff, die Wahrnehmbarkeit von Geräuschen nicht ausgeschlossen“, so Umwelthygiene-Gutachter Michael Jungwirth. Eine „erhebliche Belästigung“ schließt er aber aus.

Fragen gab es auch zum Schattenwurf und Eisabwurf. Hauseigentümer Manfred Hartl fürchtet stroboskopartige Effekte durch die Windräder auf seinem Mittagstisch. Der Gutachter bewertet die Veränderungen durch die neuen Windkraftanlagen als geringfügig. Der Fachbereich Brandschutz wurde nur kurz angeschnitten, dann war der erste Verhandlungstag beendet.

Fortsetzung wohl erst in einem Monat

„Dass sich das an einem einzigen Verhandlungstag nicht ausgehen wird“, war Christian Schuhböck von Alliance for Nature klar. Ende Mai oder Anfang Juni wird mit einer Fortsetzung der Verhandlung gerechnet.