Teuerungen: „Probleme immer mehr in Mittelschicht“

Erstellt am 17. Mai 2022 | 20:01
Lesezeit: 3 Min
440_0008_8358899_stp20_carla.jpg
Leiterin Claudia Buchner behält das Tagesgeschehen im St. Pöltner Carla-Shop im Überblick.
Foto: Maria Prchal
Unsicherheiten und handfeste Not wegen Krieg und Covid machen den Menschen zu schaffen. Die Caritas hilft.
Werbung

Seit 1988 arbeitet die Leiterin der Sozialberatung Beate Schneider für die Caritas. So eine Situation habe sie bisher noch nicht erlebt.

440_0008_8358765_stp20_darueberbeateschneidercaritas_c_f.jpg
Die Leiterin der Sozialberatung der Caritas Beate Schneider schätzt die Situation als schwierig ein.
Foto: Franz Gleiss

„Während der Covid-Hochphase gab es die Unterstützungsleistungen von Bund und Ländern. Aber die Pandemie hat in die Tiefe gewirkt und jetzt kommen mehrere Faktoren zusammen“, berichtet Schneider.

Denn nun fallen die Zahlungen an, die ausgesetzt wurden. Und dazu kommen noch die steigenden Preise durch den Ukraine-Konflikt. „Wir haben vermehrt Kunden, die vorher noch nie bei der Caritas angedockt sind. Die Probleme gehen immer mehr in die Mittelschicht.“

„In den Gesprächen bemerke ich schon, dass die Leute bewusster über das Geld nachdenken.“

Die Schulden steigen, viele können ihre Mieten und Rechnungen nicht mehr zahlen. Die Sozialberatung unterstützt dabei auf verschiedene Art und Weise. Einerseits vermittelt sie an Hilfsangebote weiter, andererseits werden Gutscheine ausgegeben.

Zum Beispiel für den Carla-Shop in der Nähe des Bahnhofs. Dort gibt es Secondhandkleidung, Spielsachen und kleine Haushaltsartikel. Bei Weitem kommen aber nicht nur Personen mit Gutscheinen. „In den letzten Jahren ist Secondhand durch die Bank gesellschaftsfähig geworden“, erzählt Leiterin Claudia Buchner.

Die Klientel ist divers: Schülerinnen, denen es um Nachhaltigkeit geht, Familien mit Gutscheinen, Senioren, die die Beratung schätzen. Aber: „In den Gesprächen bemerke ich schon, dass die Leute bewusster über das Geld nachdenken“, meint Buchner. Das heißt aber nicht, dass wirklich schon alle die Preissteigerungen spüren. Das Thema Teuerung sei einfach sehr präsent.

Spürbar sei die Unsicherheit auch bei den Mitarbeitenden, „Teilnehmende“ genannt, denn sie befinden sich in verschiedenen Programmen zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt.

Der Carla-Shop gehört zur Einrichtung Beschäftigung und Berufsorientierung (BBO) wie der Bügelservice, die Werkstätte oder der Copyshop im selben Haus. Dabei werden über unterschiedliche Programme Menschen mit psychischen Problemen beschäftigt, mit dem Ziel, sie am Arbeitsmarkt zu integrieren.

„Niemand weiß, wie lange Covid noch dauert oder der Krieg, das macht es schwierig.“ Claudia buchner Leitung Carla-Shop St. Pölten

Das Thema Pandemie sei noch sehr präsent für die Teilnehmenden. „Niemand weiß, wie lange Covid noch dauert oder der Krieg, das macht es schwierig“, sagt Buchner.

Gerade für Personen mit psychischen Problemen wie Depressionen oder Angststörungen. Die Preissteigerungen direkt merken die Teilnehmenden derweil vor allem bei den Spritpreisen. Aber: Die Abrechnungen kommen ja oft noch. Davor warnt auch Schneider von der Sozialberatung: „Erst wenn die Energierechnungen kommen, können wir die Situation richtig evaluieren.“

Viele würden gerade begreifen, dass sie nicht alleine ihres Glückes Schmied sind: „Ich kann mein ganzes Leben alles richtig machen und dann kommt ein Krieg oder eine Pandemie und alles ist weg.“ Langfristig sei laut Schneider die einzig nachhaltige und faire Lösung eine Umverteilung von Vermögen.

Weiterlesen nach der Werbung

Umfrage beendet

  • Alles wird teurer: Müsst auch ihr auf etwas verzichten?