Wiener Naschmarkt kein Vorbild für Domplatz. Mehr Markt, weniger Parkplätze. Darin waren sich die Diskutanten beim „Runden Tisch“ in der NÖN-Stadtredaktion einig.

Erstellt am 14. Mai 2015 (06:05)
NOEN, Nadja Straubinger
Im NÖN-Stadtbüro am Rathausplatz diskutierten über die Zukunft des Domplatzes Hauben-Gastronom Robert Langeneder, Marktfahrer-Sprecher Erich Schaberger, NV-Immobilien-Chef Manfred Wohlmetzberger, Plattform-2020-Obmann Josef Wildburger, Optikermeister Harald Bacik und Diözesanbauamtsleiter Wolfgang Pfoser unter der Moderation von NÖN-Chef vom Dienst Daniel Lohninger (von rechts). Fotos: Nadja Straubinger

Das Ende der archäologischen Grabungen ist jetzt doch erst 2018. Wie sehen Sie die aktuelle Situation am Domplatz?
Erich Schaberger: Mich stört, dass die Domplatz-Debatte so negativ geführt wird – das schadet auch uns Marktfahrern. Meiner Meinung nach wird zu wenig kommuniziert, welche besonderen Funde hier gemacht werden. Und natürlich muss man sagen, dass uns 2007 versprochen wurde, dass der neue Domplatz 2010 fertig sein wird. Insgesamt ist die Situation aber erträglich – eine Verlegung der Stände, damit schneller gegraben werden kann, kommt für uns nicht in Frage. Erfahrungsgemäß kostet uns bereits eine Verlegung des Standes innerhalb des Domplatzes dreißig bis vierzig Prozent des Umsatzes.
Manfred Wohlmetzberger: Mit der jetzigen Situation ist keiner zufrieden. Da heißt es Augen zu und durch – und nachher das Beste daraus machen.
Josef Wildburger: Man kann den Domplatz auch zu Tode reden. Ein Beschleunigungsprozess bringt wenig, wenn die Marktstandler mit anderen Stellplätzen Probleme haben. Jetzt beginnt der Partizipationsprozess aller Beteiligten mit dem Ziel, den Domplatz zum Zentrum der Kulturachse zu machen.

Robert Langeneder: Der Ist-Zustand ist unbefriedigend. Klar ist aber, dass Leben dort entsteht, wo sich Menschen bewegen.
Harald Bacik: Der Ist-Zustand ist ein Horror für uns. Unverständlich für mich ist auch das Arbeitstempo bei den Ausgrabungen – da wird nur ein Bruchteil der Zeit für die tatsächliche Arbeit verwendet. Und wenn es regnet, steht alles. Warum wird hier nicht, wie es am Rathausplatz war, ein Zelt aufgestellt? Dann könnte auch bei Regen gearbeitet werden und die Ausgrabungen würden schneller vorankommen.
Wolfgang Pfoser: Der Platz ist historisch gewachsen und ich bin froh, wenn hier Neues entsteht. Die archäologischen Ausgrabungen sind ein Gebot der Stunde und wir entdecken hier auch viele Dinge, von denen wir nichts wussten, dass es sie gab.

NOEN, Nadja Straubinger
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Viel wird über die Parkplatz-Frage diskutiert. Wie wichtig sind sie bei der Neugestaltung?
Bacik:
Ohne Parkplätze ist mein Geschäft tot, vor allem ältere Menschen treibt man so in die Einkaufszentren in den Randbezirken. Wir brauchen weiter Parkplätze – mindestens 60.
Wildburger: Ein autofreier Domplatz ist ein Schwachsinn – natürlich muss der Domplatz befahrbar sein. Aber: Der parkende Kunde muss umgeleitet werden – in eine der Parkgaragen, von denen es ja in kurzer Entfernung mehrere gibt. Als Parkplatz ist mir der Domplatz zu schade: Ich stell‘ mir ja auch das Auto nicht ins Wohnzimmer.
Pfoser: Die Kirche wünscht sich, dass die Gläubigen an Sonntagen und Feiertagen mit dem Auto kommen können. Dafür brauchen wir aber keine 150 Stellplätze, es reichen wahrscheinlich auch 60.
Langeneder: Der Domplatz ist ein wunderbarer Platz, der als Parkplatz zu schade ist. Wenn man hier nicht mehr parken kann, werden sich die Menschen sehr schnell daran gewöhnen – das ist ein Lern- und ein Lenkungsprozess.
Wohlmetzberger: Flexibilität ist wichtig – auch zeitlich. Man könnte zum Beispiel eine Regelung finden, dass nur in der Nacht hier geparkt werden darf.
Bacik: Ich gebe aber zu bedenken, dass es Menschen gibt – vor allem ältere – die eine gewisse Scheu vor Tiefgaragen haben. Die werden wir dann als Kunden in der Innenstadt verlieren.

„Der Platz muss die Leute anziehen und das
tut eine Ansammlung von Autos nicht“
Manfred Wohlmetzberger, NV-Immobilien

Wie sieht für Sie der Domplatz der Zukunft aus?
Schaberger:
Unser Markt ist einer der wenigen Märkte, an dem die Produzenten selbst ihre Waren verkaufen. In dieser Qualität ist ein täglicher Markt nicht möglich und ich will keinen Naschmarkt in St. Pölten. Über einen Tag mehr kann man reden – alles andere heißt, dass wir uns aber Zuständen wie am Naschmarkt annähern.
Wildburger: Ich will auch keine Zustände wie am Naschmarkt in St. Pölten. Aber von Donnerstag bis Samstag am Markt das Beste aus der Region zu finden und dazu eine hochwertige Veranstaltungsszenerie zu etablieren – das halte ich für umsetzbar.
Wohlmetzberger: Der Platz muss die Leute anziehen und das tut eine Ansammlung von Autos nicht. Mir ist wichtig, dass der Domplatz vielseitig nutzbar ist.
Pfoser: Das Konzept von Jabornegg und Palffy ist prämiert, weil es reduziert ist und funktionsoffen. Der Domplatz wird wie ein großes Wohnzimmer, in dem man Veranstaltungen und den Markt abhalten kann. Jeder Platz lebt aber von der Funktion, die die Häuser rundum bieten und da wird die Kirche ihren Beitrag leisten. Wichtig für uns ist, dass es bei den Veranstaltungen ein Miteinander gibt – also auch auf Anforderungen der Kirche Rücksicht genommen wird.
Langeneder: Wichtig ist, dass der Platz belebt wird und der Markt in seiner Qualität erhalten bleibt. Ich hoffe, dass die Stadt genug Geld in die Hand nimmt, damit wirklich was Gescheites draus wird.
Bacik: Wichtig ist, dass die Grabungsarbeiten so schnell wie möglich abgeschlossen sind und man bei der Gestaltung des Platzes auf die Bedürfnisse des Handels Rücksicht nimmt.


Zur Diskussion: Stadt sagte ab

Bei der Einladung zum „Runden Tisch“ verzichtete die NÖN bewusst auf die Stadtpolitik, lud stattdessen Vertreter der Domplatz-Anrainer ein.

Die Stadtverwaltung wäre auch eingeladen gewesen – um die Teilnahme zu ermöglichen, wurde der „Runde Tisch“ sogar verschoben. Dennoch kam dann aus dem Rathaus eine Absage.

Die Begründung: „Aus Termingründen und weil derzeit intensiv an großen Projekten gearbeitet wird“ könne niemand am „Runden Tisch“ teilnehmen.

Lesen Sie auf Seite 2: Stellungnahme der Dompfarre und Zitate der Diskussion

Zitiert:

„Wichtig für uns ist, dass an dem Tag, an dem die Grabungen enden, mit den Bauarbeiten für die Neugestaltung des Domplatzes begonnen wird.“
Erich Schaberger, Marktfahrer

„Spätestens Ende des Jahres muss die Domplatz-Planung fertig sein.“
Manfred Wohlmetzberger, NV-Immobilien

„Das Markt-Erlebnis soll im Vordergrund stehen.“
Robert Langeneder, Gastronom

„Wir überlegen, dass wir den Eingang des Diözesanmuseums auf den Domplatz verlegen.“
Wolfgang Pfoser, Diözese

„Der Ist-Zustand ist ein Horror für uns.“
Harald Bacik, Optikermeister

„Man kann den Domplatz auch zu Tode reden.“
Josef Wildburger, Plattform 2020


Stellungnahme der Dompfarre:

Die Neugestaltung des Domplatzes sehen wir als wesentliche Verbesserung, wir geben aber einige Punkte zu bedenken:
  • Die Nutzung des Domplatzes für „Events“ möge auf ein Mindestmaß beschränkt bleiben.

  • Die Domkirche ist Zentrum und spiritueller Brennpunkt für viele Gläubige aus der Region und darum sollten Parkplätze während Messzeiten, Hochfesten etc. in ausreichender Zahl vorhanden sein.

  • Die Domkirche spielt eine wesentliche Rolle durch die liturgischen Feiern, die Messbesucher und den historischen Aspekt. Der Domplatz soll ein zentraler Platz sein, der sowohl weltlichen als auch geistlichen Bedürfnissen der Menschen der Stadt entgegen kommt.

Dompfarrer Norbert Burmettler (im Namen des Pfarrvorstandes)