Vision für St. Pölten: „Schnellbahn statt der S34“ . Mobilitätswoche lenkt Blick auf Alternativen zum Autoverkehr. Initiativen-Netzwerk stellt S-Bahn-Idee vor.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 24. September 2020 (04:21)
Laut klingelnd machte eine Radfahrer-Gruppe auf regionale Umweltprobleme aufmerksam. Die Fahrraddemo von Extinction Rebellion startete am Bahnhofsplatz und endete beim Altoona-Park. Aliena Knappe (Mitte) thematisierte gemeinsam mit Hannes Kößl (links) und Maria Zögernitz von der Radlobby St. Pölten die zunehmende Bodenversiegelung.
Tina Eder

Eine Woche lang stand die Mobilität im Vordergrund. Auch St. Pölten beteiligte sich daran. Gleich mehrere Veranstaltungen machten Zu-Fuß-Gehen, Radfahren, Bus- oder Bahnfahren zum Thema. Neben einer Raddemo von Extinction Rebellion machte das Initiativennetzwerk „St. Pöltner Klimahauptstadt 2024“ Stimmung für weniger Autoverkehr. Im Mittelpunkt stand dabei nicht nur die Verhinderung der umstrittenen S 34, sondern bot auch einen alternativen Blick in die Verkehrszukunft der Landeshauptstadt.

Franz Skala vom Institut für ökologische Stadtentwicklung skizzierte dabei ein Modell einer Regionalstadtbahn auf bestehenden Gleisen von Wilhelmsburg bis Herzogenburg mit einer Straßenbahn-Variante in St. Pölten. Die Josefstraße könnte dann zur „Umweltstraße“ werden. Stadtbahn, Rad- und Fußwege könnten nebeneinander existieren, der Autoverkehr auf die Mariazeller Straße verdrängt werden.

Direkte Verbindung zu den Umland-Gemeinden

„Direkte und umsteigefreie Verbindung von Städten zu den Gemeinden im Umland“, fordert Skala hier. Eine Studie sei auch schon einmal von der Stadt St. Pölten in Auftrag gegeben worden. Im Magistrat weiß man davon jedoch nichts. Vor 30 Jahren hätte es Überlegungen zu einem Schnellbahnnetz gegeben. „Dies wurde aber gegen realistischere Planungen wie den Wiesel-Bus ausgetauscht“, erklärt Alexander Schmidbauer von der Stadtplanung. St. Pölten würde aber den Mobilitätswandel unterstützen. Jüngste Erhebungen zeigten eine deutliche Zunahme des Radverkehrs, während sich der motorisierte Individualverkehr zurückentwickelt.

Für das Initiativennetzwerk nicht schnell genug, zumal auch der Bau der S 34 forciert würde. Die Traisental-Schnellstraße habe nicht nur Auswirkungen auf den Verkehr in der dann „neuen Transitstadt St. Pölten“, sondern auch auf die Natur. Jungbauer Florian Strasser spricht von unumkehrbaren Auswirkungen auf seinen Betrieb. 100 Hektar fruchtbares Land würden insgesamt geopfert werden. Der Koordinator des Initiativennetzwerkes Dieter Schmidradler fordert die Politik auf, bei der S 34 die Notbremse zu ziehen: „Mit unserer Mobilitätsvision sehen wir uns aber als Partner und nicht als Gegner.“