"Prägende Jahre eines Diktators" im Haus der Geschichte. Was es über Adolf Hitler noch zu erfahren gibt, das zeigt die aktuelle Ausstellung im Haus der Geschichte in St. Pölten.

Von Corinna Bergmann. Update am 27. Februar 2020 (18:30)

Man sollte meinen, dass zur Biografie Adolf Hitlers bereits alles Wesentliche gesagt und geschrieben worden ist. Was die Ausstellung über die prägenden Jahre des späteren Diktators, wie wir ihn kennen, zu vermitteln hat, eröffnet allerdings eine neue Sicht auf dessen Jugendzeit: Das Innovative an der von Christian Rapp, Andrea Thuile, Benedikt Vogl und Hannes Leidinger kuratierten Ausstellung findet sich nicht allein in der Präsentation des jungen Hitler, sondern vielmehr in der ausführlichen Darstellung der damaligen Strömungen, die erheblichen Einfluss auf Hitlers Entwicklung hatten und getrennt von den biografischen Details erzählt werden.

Tendenz zu kriegerischen Idealen

Denn die Moderne, die aufgrund der Leistungen ihrer künstlerischen Avantgarde, verschiedener technischer Neuerungen oder etwa der Arbeiterbewegung,  zumeist in einem positiven Licht erscheint, hat auch ihre Schattenseiten: Die Welt um 1900 tendiert stark zu kriegerischen Idealen, der Rassenwahn hatte bereits in den 1870er Jahren seinen Anfang genommen – damit verbunden war der sich lange vor dem Nationalsozialismus entwickelnde Antisemitismus, dessen Anhänger sich zum Teil schon früh zu Gewalt- und Vernichtungsfantasien verstiegen und deutschnationales Gedankengut beherrschte die Köpfe vieler Bürger.

Auswirkungen auf Hitlers Denken und Handeln

All das spielte sich sozusagen vor Hitlers Augen ab, wirkte sich entsprechend auf sein Denken und Handeln aus und festigte seinen Charakter: Zornesausbrüche aus nichtigen Anlässen, die Abneigung gegen das „Andere“ im Zusammenhang mit seinem Selbstbild als „verkanntes Genie“, seine Unfähigkeit, Niederlagen einzugestehen – hier zeigt sich ganz deutlich ein Persönlichkeitsbild, das sich bereits in frühen Jahren manifestiert hatte.

Im Rahmen der Ausstellung finden im Haus der Geschichte noch folgende Veranstaltungen statt:

  • Dienstag, 3. März, 18.30: „Name: Sophie Scholl – Ein Stück über zwei couragierte Frauen“ von Rike Reiniger, Kuratorenführung, Gastspiel und Publikumsgespräch.
  • Mittwoch, 1. April, 18.30: Standup-History: „Hitler – wie alles begann“, mit Florian Graf und Benedikt Vogl.
  • Dienstag, 10. März, 18.30 Uhr: „Der Österreicher Hitler“, mit Christian Rapp und Hannes Leidinger, Moderation Reinhard Linke.
  • Dienstag, 19. Mai, 18.30 Uhr: „1945: Der Krieg ist aus! Wie geht es weiter?“, Moderation: Reinhard Linke