Geist und Körper rundum versorgt in St. Pölten

Erstellt am 26. September 2022 | 05:23
Lesezeit: 4 Min
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Gerade bei Kindern und Jugendlichen sind psychische Probleme in den vergangenen Jahren gestiegen.
Foto: Shutterstock.com/Photographee.eu
Bei den Therapiemöglichkeiten in der Stadt gibt es immer mehr Angebot – aber auch immer mehr Nachfrage.
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Ein Beinbruch ist schnell passiert und schnell eingegipst – danach aber erst fängt der langwierige Prozess der Heilung an. Bei der Rehabilitation helfen Physiotherapeutinnen und -therapeuten. Mit heuer ist das sogar auf Kassenvertrag möglich, allerdings sei das Angebot in St. Pölten noch sehr eingeschränkt, meint die Vorsitzende des Landesverbands Niederösterreich Kristina Seltenheim.

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Seit heuer können Physiotherapeutinnen und -therapeuten auf Kasse praktizieren.
Foto: Shutterstock.com/Tyler Olson

Durchaus auf Kasse ist eine Therapie in verschiedenen Institutionen in St. Pölten möglich. Außerdem gibt es einen neuen Rahmenvertrag seit 1. Jänner, mit dem Patientinnen und Patienten mehr Geld zurückbekommen.

Der Stellenwert von Physiotherapie werde immer größer, meint Seltenheim. „Es gibt mittlerweile eine neue Generation von Ärzten, die uns viel mehr am Schirm hat und schneller überweist.“

Schon ein Jahr vor den Physiotherapeutinnen und -therapeuten bekamen Ergotherapeutinnen und -therapeuten die Möglichkeit, komplett auf Kasse zu praktizieren. Zwei Stellen gibt es momentan in St. Pölten, informiert die Präsidentin des Berufsverbands Marion Hackl. Das seien allerdings viel zu wenige. „Ich habe heute alleine drei Anrufe bekommen, die ich ablehnen musste“, sagt die Ergotherapeutin mit Praxis in St. Pölten.

„Defizite lassen sich nicht mehr aufholen“

Derweil handle es sich meistens um zeitkritische Fälle: „Nach einem Schlaganfall muss ich sofort therapieren, und auch bei Kindern sind das Defizite, die sich nicht mehr aufholen lassen.“ Es brauche mehr Stellen – das Problem: In St. Pölten sind zwar mehr Bewerbungen erfolgt, als Stellen ausgeschrieben waren, als das System umgestellt wurde. In anderen Teilen von Niederösterreich gibt es allerdings immer noch offene Planstellen.

Die Ergotherapie sei ein relativ junges Feld, jetzt erst gehe die erste Generation in Pension, was wiederum Angestellten-Posten eröffnet. Viele Menschen würden derweil immer noch nicht wissen, was Ergotherapeutinnen und -therapeuten eigentlich machen, sagt Hackl. Ergotherapie hilft Menschen, Alltagstätigkeiten (wieder) zu erlernen, die sie aufgrund einer Krankheit, einer Verletzung oder einer Behinderung nicht ausführen können.

Krisen belasten psychische Gesundheit

Kann ich nicht mehr mit Besteck essen, gehe ich zur Ergotherapie. Muss ich meine Mobilität nach einem Kreuzbandriss aufbauen, dann zur Physio. Aber was, wenn meine Probleme nicht körperlich, sondern psychisch sind – was natürlich verschränkt sein kann.

Auch hier steigt die Zahl der Angebote. 28 Psychotherapeutinnen und -therapeuten gab es 2014 in St. Pölten, 2018 schon 36. Allerdings wächst auch die Nachfrage enorm. „Seit dem Zweiten Weltkrieg ist zum ersten Mal die Zahl der psychischen Störungen in allen Bevölkerungsgruppen gestiegen“, schlägt Norman Schmid, Leiter des Berufsverbandes der NÖ Psychologinnen und Psychologen, Alarm.

Durch Covid seien die Belastungen deutlich angestiegen, vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Bei diesen hätten rund 50 Prozent depressive Symptome und Angststörungen entwickelt. Besonders betroffen von psychischen Belastungen sind die Covid-Patientinnen und -Patienten, Beschäftigte im Gesundheitswesen sowie Menschen, die bereits davor an psychischen Erkrankungen litten, zitiert Karin Fidler, Vorsitzende des Landesverbands für Psychotherapie, eine Studie.

Laut Fidler sind die Probleme, die die Covid-Krise verursacht hat, ähnlich wie jene, die die aktuelle Wirtschaftskrise hervorbringt. Die Anzahl der Anfragen ist nach wie vor sehr hoch, die geschilderten Symptome ähnlich: Ängste, depressive Stimmung, Schlafstörungen und Erschöpfungssyndrome.

Kommende Ausgabe geht der Schwerpunkt Gesundheut zu Ende mit Blick auf die Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmersituation in Gesundheitsberufen. Eine Diskussion zur Pflege folgt am Dienstag, 4. Oktober, 19 Uhr.

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