St. Pölten: Gesundes Miteinander im Verkehr gefragt

Erstellt am 03. August 2022 | 04:49
Lesezeit: 3 Min
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Werner Rosinak, Rudolf Kernstock, Richard Mader, Maria Zögernitz und Josef Schoisengeyer (vorne von links) diskutierten unter der Leitung von Redaktionsleiterin-Stellvertreterin Maria Prchal und Chefredakteur Daniel Lohninger in der Fahrschule Sauer über den Verkehr in St. Pölten.
Foto: Straubinger
Eine der zentralen Aussagen in der zweiten Podiumsdiskussion der Reihe „St. Pölten spricht“ war eine faire Gemeinschaft aller Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer.
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Einen Monat lang beschäftigte sich die St. Pöltner NÖN mit dem Schwerpunkt Verkehr. Die Themen motorisierter Individualverkehr, Öffis, Rad- und Fußverkehr sowie Barrierefreiheit bildeten das Rückgrat der Serie. Zum Abschluss trafen sich Expertinnen und Experten von Radlobby, Transitforum, Club 81, Verkehrsplanung und Wirtschaft in der Fahrschule Sauer zur Veranstaltung „St. Pölten spricht über den Verkehr“.

„Innerstädtisch muss man sicher mehr in Richtung grünen Verkehr gehen. Ganz ohne Fahrzeug wird es aber nicht gehen. Es geht um gesundes Miteinander“, ist Fahrschulbetreiber Richard Mader überzeugt. Und auch davon, dass es künftig mehr Carsharing geben und sich das Parkplatzproblem damit von selbst lösen werde.

Der Planer des Green Loop auf der St. Pöltner Promenade Werner Rosinak von Rosinak und Partner sieht das anders: „Die Städte müssen sich entscheiden, was sie an Mobilität fördern wollen und was sie nicht haben wollen.“ Für Rosinak ist Parken ein „Retrothema“, das ihn aber bei der Umsetzung des Green Loop noch begleiten werde: „Man muss sich entscheiden, ob man Aufenthaltsqualität oder Parkplätze möchte.“ Es sei nicht die Politik, die etwas ändern müsse: „Wir müssen uns ändern.“

Auf politische Unterstützung hofft weiter trotzdem Rudolf Kernstock vom Transitforum. „Denn viele Menschen in der Stadt leiden auch unter dem Lärm.“ Ein 100er auf der Autobahn im Stadtgebiet wäre für ihn dringend notwendig.

Weil Menschen oft bequem sind, müsse mehr getan werden, um sie aufs Rad zu bringen. „Eine Distanz von zehn Kilometern ist optimal mit dem Rad zu bewältigen. Da muss aber das Rad vor der Tür stehen und es am Ziel Radständer geben“, sagt Maria Zögernitz von der Radlobby St. Pölten. Das müsse schon in der Planung der Wohnhausanlagen berücksichtigt werden, was aber noch selten der Fall sei.

Grundsätzlich werde der Radverkehr in der Stadt mehr. „Besonders Lastenräder, Radanhänger und E-Bikes werden immer häufiger, damit steigen Platzbedarf und Geschwindigkeit“, weiß Zögernitz. Umso wichtiger sei die Trennung von Rad- und Gehwegen.

Das ist auch eine Forderung des Club 81. Denn: „Rollstuhlfahrer werden oft übersehen“, weiß Obmann Josef Schoisengeyer. Aber auch die Barrierefreiheit im öffentlichen Verkehr ist ein Anliegen des Verein s für behinderte und nicht-behinderte Menschen. Bei den Öffis in der Stadt und der Umgebung gebe es noch Nachholbedarf. „Richtung Lilienfeld und Krems ist Barrierefreiheit nicht gegeben. Oft scheitert es an den Kosten“, so Schoisengeyer. Er rechnet vor: „21 Prozent benötigen Barrierefreiheit, für 50 Prozent ist sie hilfreich und für 100 Prozent komfortabel.“

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