Wohnen in St. Pölten: Größte Preis-Steigerung, trotzdem am billigsten

Erstellt am 19. Juni 2022 | 05:13
Lesezeit: 5 Min
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Viel wird gebaut in St. Pölten, beispielsweise der bereits fertiggestellte Karmeliterhof. Die Preise steigen, im Verhältnis ist die Landeshauptstadt aber immer noch günstig zum Mieten und Kaufen.
Foto: Cornelia Weninghofer
Die Preisentwicklung beim Bauen und Wohnen in der Landeshauptstadt macht klar: „St. Pölten ist im Kommen.“
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Kein abgefragter Themenkomplex wurde bei der Online-Umfrage der St. Pöltner NÖN so schlecht beurteilt wie leistbares Wohnen und die Verfügbarkeit von Grundstücken in der Landeshauptstadt. Nur 5,16 Prozent der Befragten bewerteten leistbares Wohnen in der Stadt als „sehr gut“, 29,37 Prozent finden, dass leistbares Wohnen „eher schlecht“ verfügbar und 23,58 Prozent sogar „schlecht“ verfügbar ist.

Miete günstiger als im NÖ- und Bundesvergleich

Derweil wohnt man zumindest zur Miete durchschnittlich günstiger in St. Pölten als im Rest von Niederösterreich und Österreich. Das zeigt der Mietpreisspiegel des Portals wohnungsboerse.net.

Auf 30 Quadratmeter zahlen Mieterinnen und Mieter in St. Pölten durchschnittlich 12,81 Euro pro Quadratmeter, in Niederösterreich 13,72 und in Österreich 14,59. Bei 60 Quadratmetern sind es dann 10,59 Euro für die Landeshauptstadt, 11,43 für NÖ und 12,08 bundesweit und bei 100 Quadratmetern jeweils 10,62 Euro für die Landeshauptstadt, 10,98 für NÖ und 11,17 im Österreichschnitt.

Wer auf 30 Quadratmeter wohnt, zahlte 2021 mit 10,93 Euro pro Quadratmeter durchschnittlich sogar weniger als noch vor einigen Jahren, 2016 waren es noch 12,20 Euro, 2018 12,24 Euro, 2019 dann aber nur mehr 10,64. Das bezeichnet der St. Pöltner Makler Georg Edlauer, Obmann des Fachverbandes der Immobilien- und Vermögenstreuhänder der WKÖ, als „Nahezu ein Vorzeige-Modell für Marktgegebenheiten und Marktmechanismus“. Ein weitaus größeres Angebot an Mietwohnungen als Nachfrage, hätte zu einem Sinken der Preise „bei einem Ansteigen der Qualität“ geführt.

Bei Baugründen billigste Landeshauptstadt

So weit zu den Mietpreisen. Dann gibt es noch den frisch gedruckten Immobilienpreisspiegel der Wirtschaftskammer. „Der erste Blick zeigt das, was wir alle schon in unserer täglichen Arbeit bemerkt haben“, sagte Edlauer bei der Präsentation. Die Immobilienpreise sind enorm gestiegen.

Um 26,07 Prozent stiegen die Preise für Baugrundstücke in St. Pölten von 2021 auf 2022. Das ist prozentuell nicht nur die höchste Steigerung in ganz Niederösterreich, sondern sogar unter allen Landeshauptstädten bundesweit. Das heißt aber nicht, dass St. Pölten bei den Baugründen die teuerste Landeshauptstadt ist. Ganz im Gegenteil: sogar die günstigste. 174,63 Euro pro Quadratmeter zahlt man in St. Pölten, in Salzburg sind es stolze 1.173,52 und sogar in Eisenstadt 244,74 pro Quadratmeter.

Die Preise werden wohl weitersteigen, schätzt Edlauer, „nachdem St. Pölten in der Wahrnehmung der Bewohner stetig an Attraktivität gewinnt, ein breites kulturelles und Freizeitangebot aufweist und auch der Arbeitsmarkt attraktiv ist sowie die Öffi-Verbindungen in die Bundeshautpstadt.“ Das alles stehe aber in einem komplizierten Konnex mit Konjunktur, Gegebenheiten auf dem Kapitalmarkt etc.

Flächenreserven der Stadt als Steuerungsinstrument

Ob es auch Fläche zum Bauen gibt, steht auf einem anderen Blatt. Bei der Umfrage gaben nur 3,16 Prozent an, dass die Verfügbarkeit von Grundstücken zur Errichtung „sehr gut“ sei. Über die Hälfte schätzt sie „eher schlecht“ und „schlecht“ ein. Derweil wird der „moderate“ Preis in NÖ im Immobilienpreisspiegel der Wirtschaftskammer mit viel vorhandener Fläche erklärt. Sofern sich die Grundstücksreserven im Besitz der öffentlichen Hand befänden, würden diese Reserven durchaus ein Steuerunginstrument darstellen, meint Edlauer. Auf dem privaten Markt sei aber zu bemerken, dass das Angebot eingeschränkt ist.

Im aktuellsten statistischen Jahresbericht für St. Pölten von 2020 sind nur mehr 357 Hektar unbebaute Fläche für Bauland angegeben. Generell dürfen nur 13,5 Prozent der 108 Quadratkilometer großen Stadtfläche verbaut werden.

Wild: Home-Office wird Preise antreiben

Johannes Wild, Fachgruppenobmann der Immobilien- und Vermögenstreuhänder der Wirtschaftskammer Niederösterreich, bei der Präsentation des Immopreisspiegels: „Die Entwicklung zeigt, dass St. Pölten absolut im Kommen ist und die noch niedrigen Preise resultieren natürlich auch aus der Größe der Landeshauptstadt und ihren Flächenreserven.“ Die Entwicklung lässt sich auch an den gestiegenen Preisen für Betriebsgrundstücke ablesen. Mit 14,11 Prozent ist die Landeshauptstadt nicht an erster Stelle, vor St. Pölten liegen allerdings nur Wiener Neustadt Land mit 17,55 Prozent und Gänserndorf mit 23,77 Prozent. Wild: „Es ist zu erwarten, dass in den kommenden Jahren die Preise aufgrund von Home-Office noch weiter steigen werden. Vor allem in den Regionen, die entweder gut angebunden sind an Wien oder die selbst eine entsprechende Wirtschaftskraft haben“, sagt Wild.

Derweil sind in St. Pölten Eigentumswohnungen mit Erstbezug aber noch am zweitbilligsten unter den Landeshauptstädten. Nur Eisenstadt ist günstiger mit 2.001,39 Euro Quadratmeterpreis in mäßiger Lage und 3.406,06 in sehr guter. Mäßige Lage kostet in St. Pölten durchschnittlich 2.206 Euro pro Quadratmeter, sehr gute 3.391.

Bei der Präsentation des Immobilienpreisspiegels kam auch die viel diskutierte Leerstandsabgabe zur Sprache. Dagegen sprachen sich die Makler aus: Das Konzept sei unausgegoren und stelle einen Eingriff ins Eigentumsrecht dar. Bereits vergangene Woche hat sich der NÖN-Schwerpunkt mit dem Thema Leerstand beschäftigt. Laut großen Bauträgern in der Stadt sei er nicht drastisch hoch.

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