Sorgen in der Linzer Straße. Während Architekt rosige Zukunft sieht, äußern Mieter und Nachbar von Bürgerspitalfonds-Haus Ängste.

Erstellt am 21. September 2016 (17:41)
NOEN, Kern
Erich Kubetz‘ Haus (rechts im Bild: der östliche Teil davon) liegt an zwei Stellen Mauer an Mauer mit dem „Bürgerspitalfonds-Haus“. Er fürchtet eine massive Beeinträchtigung durch die Bauarbeiten.

Ob der neue Grätzlplan der Linzer Straße eine schönere Zukunft bringt, steht noch in den Sternen. Uneins sind auch die NÖN.at-User: 46,9 Prozent meinen, dass die Quartiersentwicklung Früchte tragen wird, 41,6 Prozent hingegen sind überzeugt, dass der Straßenzug ein schwieriges Pflaster bleiben wird. Und immerhin 11,5 Prozent haben keine Änderungswünsche.

Zuversichtlich ist jedenfalls der St. Pöltner Architekt Andreas Aichberger, dessen Büro die Potenzialanalyse für die Liegenschaftseigentümer erarbeiten wird. Erst wenn diese fertig ist, könne man Ideen nennen, betont Aichberger: „Die Linzer Straße hat aber großes Potenzial.“ Erstens gebe es bereits Impulsprojekte, die in Zukunft viel bewirken können. Andererseits habe die Linzer Straße bereits in der Vergangenheit gezeigt, dass sie ein herzeigbarer Zubringer zur Innenstadt sei.

„Bauarbeiter bessern an der Fassade aus, irgendwelche Herren gehen mit dem Zollstab durchs Haus. Aber niemand sagt uns etwas.“ Ingrid Pehofer, Mieterin

Generell müsse man bei einer Blocksanierung an vielen verschiedenen Rädchen drehen, erläutert der Planer. „Bei den einzelnen Liegenschaften, aber auch im öffentlichen Raum.“ Aus diesem Grund ist auch ein Landschaftsarchitekt eingebunden, der den öffentlichen und den privaten Freiraum analysieren soll.

Zunächst ermitteln Aichberger und sein Team, woran es im Straßenzug hapert. „Das muss fundiert sein und wissenschaftlich begleitet werden“. Die Linzer Straße könnte theoretisch wieder als Einkaufs- und Wohnstraße boomen.

Befürchtungen wegen Haus-Sanierung

Weitaus weniger optimistisch sind Nachbarn und Mieter des „Bürgerspitalfonds-Haus“ in der Linzer Straße 10-12. Hier sorgen sich etwa Ingrid Pehofer und Friedrich Müller um ihre Zukunft ihres Heimes, das dem Bürgerspitalfonds und der Diözese gehört und von der städtischen Immobilien-Gesellschaft verwaltet wird. „Bauarbeiter bessern an der Fassade aus, irgendwelche Herren gehen mit dem Zollstab durchs Gebäude. Aber niemand sagt uns etwas.“

Pehofer und Müller fühlen sich im Unklaren darüber, ob ihre Mieten gleich bleiben oder aber erhöht werden. Auch darüber, ob die von ihnen betreute Wiese im zweiten Innenhof erhalten bleibt, können die beiden Mieter nur raten. „Dass hier zum Löwenhof durchgebrochen wird, darüber haben wir in der NÖN gelesen. Warum muss das sein, wo doch südlich und nördlich nur ein paar Meter weiter Durchgänge vorhanden sind.“

Warum nicht jetzt schon informiert wird, leuchtet den Mietern nicht ein. „Warum werden wir eigentlich im Unklaren gelassen?“

Sorgenvoll blickt auch Erich Kubetz mit seiner Familie auf die geplante Sanierung des Nachbargebäudes. Zwei Dächer seiner Liegenschaft grenzen an die beiden südlichen Feuerwände des „Bürgerspitalfonds-Hauses“, die Kubetz‘ Gebäude um zwölf Meter überragen. „Dass hier für die Renovierung eingerüstet werden muss ist klar“, schildert Kubetz, der auf langjährige Berufserfahrung im Bauwesen zurückblickt. „Auf meine Dächer kann aber kein Gerüst kommen, schließlich reichen Elemente ins 16. und 18. Jahrhundert zurück. Sie würden einem Gerüst nicht standhalten, hat mir ein Statiker versichert.“ Eine Überbauung des Dachs sei aufgrund der Einfahrtsmöglichkeiten ins benachbarte Gebäude nur schwer möglich.

„Hier wird über ungelegte Eier geschrieben."

Kubetz befürchtet auch eine Beschädigung seines Notkamins, den nur eine 40 Zentimeter breite Ichse von der an sein Grundstück angrenzenden Feuerwand trennt. Und: „Ich sorge mich auch um die Lebensqualität meiner Familie während der monatelangen Bauarbeiten.“

Immo-Geschäftsführer Martin Sadler will auf NÖN-Nachfrage nicht näher auf die Kritik eingehen. Er stellt nur knapp fest: „Hier wird über ungelegte Eier geschrieben. Herr Kubetz wurde von mir persönlich informiert, dass er umgehend verständigt wird, wenn wir wissen, was genau gemacht werden soll.“