Sondersitzung rund um Windzonenplan. PYHRA, KASTEN, MICHELBACH / Kasten schiebt eine Gemeinderatssitzung ein, um die Stellungnahme zur Zonierung fristgerecht abgeben zu können.

Erstellt am 30. Juni 2014 (09:31)
NOEN, Visualisierung: Ziviltechnikerbüro/Krumböck
Diese Darstellung wurde von einem Ziviltechnikerbüro erstellt. Dabei wurden die Koordinaten und die Höhenangaben aus NÖ Atlas der NÖ Landesregierung verwendet. Nach der Realisierung des Windparks könnte das Panorama in der Gemeinde Kasten so aussehen.
Von Manuela Mayerhofer

Das dominierende Thema an den Stammtischen, in den Ballsälen und in den Sitzungsräumen des Gemeinderats ist der vom Verbund geplante Windpark am Amerlingkogel.

Beim vorwöchigen Infoabend wurde auch der Wunsch der Bevölkerung nach einer Bürgerbefragung zu dem Windpark-Projekt laut (die NÖN berichtete). „Wir haben uns gefreut, dass so viele an diesem Infoabend in Pyhra teilgenommen haben. Wir waren natürlich bestrebt, die Emotionen ein wenig herauszunehmen und auf die sachliche Ebene zurückzuführen“, bilanziert Projektleiter Philipp Wieltschnig. Man stehe natürlich weiterhin für Fragen zur Verfügung und bei Interesse könnte beispielsweise auch eine Exkursion zu bereits bestehenden Anlagen angeboten werden. Noch stehe man ganz am Anfang des Projektes. Jetzt heiße es abwarten, ob der vom Land erstellte Zonierungsplan so beibehalten werde.

Landeshauptstadt hat seit 1976 ein Windrad

Weiterhin sind viele Fragen offen – wie beispielsweise die vom Land definierte Abstandsregelung zu solchen Windkraftanlagen. Der Mindestabstand zu verbautem Gebiet muss 1.200 Meter, die Distanz zu landwirtschaftlich genutzten Gebäuden aber nur 750 Meter betragen (Auskunft der zuständigen Abteilung des Landes siehe Infokasten rechts).

Ganz in der Nähe hat man schon Erfahrungen mit Windrädern. In der Landeshauptstadt St. Pölten setzt man seit Jahrzehnten auf Windenergie. Das zweiflügelige Windrad, welches 1976 errichtet wurde, steht direkt am Areal des städtischen Wirtschaftshofes.

„Wir haben nur positive Erfahrungen gemacht“ 

„Wir haben bisher nur positive Erfahrungen gemacht und unsere Erwartungen wurden erfüllt“, berichtet St. Pöltens Vizebürgermeister Franz Gunacker. Bisher habe es keinerlei Probleme gegeben. Deshalb baut man auch weiterhin auf Windkraft. Zu den 16 bestehenden Windrädern werden 2015 vier neue 200 Meter hohe Windräder – so wie sie auch in Pyhra geplant sind – in Pottenbrunn entstehen.

Trotz der positiven Erfahrungen in der Landeshauptstadt regt sich derzeit nicht nur in Pyhra Widerstand, sondern auch in benachbarten Gemeinden wie Kasten. Damit auch die Gemeinde Kasten noch eine Stellungnahme zum aufliegenden Zonierungsplan des Landes für mögliche Windkraftprojekte abgeben kann, wird eine Sitzung eingeschoben. Am Montag, 10. Februar, ab 19.30 Uhr wird sich der Gemeinderat damit beschäftigen.

Abstandsregelung
Wie viel Abstand muss ein Windrad vom nächsten Haus haben?

Klar ist: Zum verbauten Gebiet müssen es 1.200 Meter sein, zu landwirtschaftlich genutzten Gebäuden nur 750 Meter. Warum? Das wollte die NÖN von der NÖ Landesregierung wissen.
Die 11. Novelle zum NÖ Raumordnungsgesetz 1976 wurde mit 26.5.2004 kundgemacht.
„Eine genaue Begründung für die unterschiedlichen Mindestabstände ist darin nicht ausdrücklich zu finden, sie liegt aber im erhöhten Schutzanspruch von (in der Regel für Siedlungen oder zumindest mehrere Wohnbauten vorgesehenem) Wohnbauland, welches bereits bei der entsprechenden Widmung nur außerhalb von Störungseinflüssen angeordnet werden darf, gegenüber (in der Regel vereinzelten) Grünlandbauten, die – mangels öffentlicher Notwendigkeiten meist nicht lenkbar von der Gemeinde – zum Beispiel aufgrund von Zuordnungen zu Landwirtschaften entstehen oder entstanden sind. Auch dieser geringere Abstand wurde allerdings im Hinblick auf das Schutzbedürfnis als fachlich ausreichend erachtet.“

Anna Stellner-Bichler, Bau- und Raumordnungsrecht RU1, Land NÖ