300 Kids in St. Pölten bereits in „Deutschklassen“. Heiß diskutiertes Modell ist an elf Schulen in St. Pölten bereits teilweise Realität.

Erstellt am 20. Juni 2018 (05:32)
APA (dpa)

298 der 3.890 Schüler der Landeshauptstadt sprachen zu Beginn des Schuljahres nicht ausreichend Deutsch, um den Lehrer verstehen und dem Unterricht folgen zu können. Sie haben damit den Status „außerordentlicher Schüler“, bekommen bis zu zwei Jahre keine Noten und zusätzliche Sprachförderung. Nach dem vom Bildungsministerium beschlossenen Modell würden diese 7,7 Prozent der St. Pöltner Pflichtschüler ab Herbst in „Deutschklassen“ unterrichtet werden. Landesweit schlägt diesem Modell rauer Wind entgegen.

Schüler werden in kleinen Gruppen gefördert

Dem St. Pöltner Lehrervertreter und Pottenbrunner Direktor Michael Lahnsteiner kostet das nur ein Kopfschütteln. Denn das Modell sei – wenn auch nicht unter diesem Namen – in NÖ bereits teilweise Realität und funktioniere ausgezeichnet. In St. Pölten gibt es seit Februar für elf Volksschulen fünf zusätzliche Sprachförder-Lehrer. Diese unterrichten vorwiegend in den Bildungseinrichtungen, in denen der Anteil der Kinder, die nicht ausreichend Deutsch beherrschen, über 15 Prozent liegt. „Wir reden nicht davon, dass wir die Kinder 20 Stunden in ein Kammerl setzen und mit Deutsch-Vokabeln quälen“, stellt Lahnsteiner klar. Vielmehr werden die Schüler in kleinen Gruppen gefördert. Zeichnen, Musik und Sport werden im Klassenverband unterrichtet.

„Der Bildungsminister plant, die Initiative des Landes zu übernehmen“, meint VP-Stadtrat Markus Krempl-Spörk. Neu wäre nach den aktuellen Plänen des Ministeriums jedoch der Sprachstandstest, der jedes Semester durchgeführt werden soll, um zu prüfen, ob der Status „außerordentlicher Schüler“ weiter notwendig ist. Bisher entschied darüber der Direktor. Zusätzlichen Sprachförder-Unterricht gibt es seit vielen Jahren auch in den Neuen Mittelschulen. „Bei uns funktioniert das einwandfrei“, berichtet Reinhard Binder, Direktor der Theodor-Körner-Sport-Mittelschule.

„Wir reden nicht davon, dass wir die Kinder 20 Stunden in ein Kammerl setzen und mit Deutsch-Vokabeln quälen.“ Michael Lahnsteiner, St. Pöltner Lehrervertreter

Auch den vielfach geäußerten Vorwurf, dass dafür geschultes Personal fehle, kann der Schulleiter nicht bestätigen: „Das ist eine Frage des Engagements. Meine Lehrer sind motiviert und in der Lage, den Deutsch-Förderunterricht durchzuführen.“ Zwiespältig sieht die Deutschklassen Eduard Gugenberger, der im „Biku!“ Deutsch-Kurse leitet.

„Meine Erfahrung zeigt, dass eine große Streuung der Muttersprachen beim Sprachlernen von Vorteil ist.“ Nur so könnten die Schüler voneinander lernen. „Das ist aber logistisch schwer umzusetzen. Außerdem – so ehrlich muss man sein – auch nicht immer gewünscht.“ Es gebe immer wieder Gruppen, die sich intern absondern oder abgesondert werden. Dieses Problem könnte sich durch getrennte Gruppen verstärken. Das Wichtigste sei es, den Schülern Perspektiven aufzeigen. „Dann funktioniert auch das Sprachenlernen“, meint Gugenberger.