„Batjam“ macht St. Pölten bunt . Künstler durften sich mit Spraydosen und Pinsel an den grauen Flächen der Westbahnbrücke austoben. Dort wo sich sonst nur die Fledermäuse richtig wohl fühlen.

Von Katharina Göber. Erstellt am 06. Juni 2021 (14:53)
Für das "Batjam" ist Käthe Löffelmann extra 60 Kilometer weit nach St. Pölten gereist.
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Brücken sind nicht immer schön. Vor allem die Pfeiler sind oft grau und trostlos. Dagegen unternahm nun das Jugendzentrum Steppenwolf etwas und rief zum „Batjam“ auf. Eine Veranstaltung für Künstler, die das Grau in Bunt verwandeln sollten.

Spraygeräusche und der Geruch frischer Farbe umhüllten zuletzt die Traisenpromenade bei der ÖBB Westbahnbrücke. Passanten staunten nicht schlecht, als sie den Grund dafür bemerkten: Die einst grauen Brückenwände sind seit diesem Wochenende Geschichte. Dort wo sich gewöhnlich nur die Fledermäuse wirklich wohl fühlen, befinden sich nun auf 1.000 Quadratmetern bunte Kunstwerke im Graffiti-Stil. Drei Tage lang schwangen Künstler im Rahmen der „Batjam“ ihre Pinsel und Spraydosen und ließen ihrer Fantasie freien Lauf.

„Wir wollen St. Pölten bunt machen“, schildert der Veranstalter und Leiter des Jugendzentrums Steppenwolf Michael Hogl. Gemeinsam mit dem Verein Freiluft und Kultur und dem Graffitiartist Sert One organisierte er den Batjam. Um einen Schritt in diese Richtung zu setzen, machte er sich gemeinsam mit seinem Team auf die Suche nach potenziellen Künstlern, die dieser Aufgabe gewachsen sind. „Dazu mussten wir über die Grenzen von St. Pölten hinaus gehen“, erzählt er. So kam es nun, dass sogar Teilnehmer aus Vorarlberg den weiten Weg nach St. Pölten auf sich genommen haben. Auch internationale Künstler waren vertreten. „So eine Veranstaltung spricht sich in der Künstlerszene schnell herum“, erklärt Hogl.

Eine davon ist Käthe Löffelmann. Sie hat 60 Kilometer zurückgelegt, um auf den Wänden ihr Selbstporträt zu hinterlassen. Eine blonde Frau, die mit großer Begeisterung ihre Nudeln aus einer Schale isst. „Ich möchte den Menschen damit sagen, dass es in Ordnung ist, wenn man vom Nudelessen einen Bauch bekommt“, scherzt sie. Es geht ihr in diesem Kunstwerk darum, Idealbilder von Menschen zu durchbrechen.

Geht es nach Hogl war „Batjam“ nur der Anfang seiner Mission, St. Pölten bunter zu machen. In den kommenden Jahren will er weitere Jams veranstalten: „St. Pölten hat noch viele graue Brücken, die etwas Farbe vertragen könnten.“ Damit wird St. Pölten nicht nur bunter, es gibt den Graffiti-Künstlern auch die Möglichkeit ihr Hobby legal auszuüben.