Alfred Kellner: „Will Begeisterung für Kultur schüren“. St. Pöltens neuer Kulturamtsleiter Alfred Kellner über seine Pläne für das breit gefächerte Kulturangebot in der Stadt.

Von Beate Steiner. Erstellt am 16. Januar 2021 (03:10)
Alfred Kellner ist neuer Leiter der Kultur-Abteilung.
Vorlaufer

Alfred Kellner leitet seit 1. Jänner als Nachfolger von Thomas Karl die Magistratsabteilung für Kultur und Bildung.

NÖN: Kultur in St. Pölten — was ist das für Sie?
Alfred Kellner
: Kultur ist das Leben in der Kommune, in der Region, in einer Gemeinschaft; ist Brauchtum, Religion, Wirtschaft, Wissenschaft; betrifft alle Künste: bildende, darstellende und angewandte Kunst, Musik und Literatur; bedeutet Zusammenarbeit mit allen Kulturinstitutionen und mit allen Künstlern und Künstlerinnen; beinhaltet alle Formen der Kunst – eben all jene Dinge, die von den Menschen geschaffen und gestaltet werden. Mir gefällt das Zitat der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“: „Die Landwirtschaft pflegt das Feld, die Kultur die Seele. Ohne beide gäbe es kein Leben – körperlich wie geistig-sinnlich.“

Sie sind Musiker, Ihr Vorgänger Thomas Karl Historiker. Werden Sie die Kultur anders pflegen?
Die Vorarbeit von Thomas Karl war hervorragend, die Abteilung ist bestens geführt. Und mit Thomas Pulle, dem Leiter des Stadtmuseums, gibt es nach wie vor einen ausgezeichneten Historiker im Team. Selbstverständlich werde ich neue musikalische Ideen einbringen, es sind mir aber auch alle anderen Künste, alle anderen Bereiche unserer Abteilung sehr wichtig.
Es ist mir auch ein besonderes Anliegen, dass Kunst und Kultur in St. Pölten breit gefördert werden, denn ohne breite Basis gibt es keine Spitze. Ich will Begeisterung schüren, möchte auch die jungen Menschen zu schönen kunstvollen Dingen hinführen. Schon im Kindergarten kann Kunst in offenen Gruppen vermittelt werden. Zweijährige können bereits in der Musikschule mit elementarer Musikerziehung beginnen.

Die Vorarbeit von Thomas Karl war hervorragend, die Abteilung ist bestens geführt.

Was darf sich die junge Kunstszene von der Stadt erwarten?
Wir wollen nicht nur Proberäume anbieten, sondern netzwerken helfen. Ein erster kleiner Schritt, der bereits umgesetzt wird, ist der STP-Sampler von Jugendgemeinderat Gregor Unfried und dem frei: raum. Ein Schwerpunkt wird weiters sein, dass wir Kultur in den Stadtteilen fördern. Mit Kulturvermittlern und Kulturvermittlerinnen, die projektorientiert arbeiten.

Werden Sie die Begeisterung für Kunst und Kultur auch mit neuen Veranstaltungen anfachen?
Wir werden bestehende Formate wie Barock- und Jazzfestival, Musica Sacra, die Meisterkonzerte ausbauen – letztere sind 2021 beinahe ausverkauft – und neue Formate entwickeln. Wir werden heuer „200 Jahre Franz Schubert in St.Pölten feiern“, gemeinsam mit vielen Institutionen in der Stadt. Da ist auch eine Landpartie mit Konzert in Ochsenburg geplant, wo Schubert Teile der Oper „Alfonso und Estrella“ geschriebenhat. Wir werden mit Veranstaltern in der Region kooperieren und es wird eine intensive Zusammenarbeit mit dem Büro 2024 geben, der NÖKU, der Kultur.Region.NÖ und mit Christoph Gurk, dem künstlerischen Leiter für den Kulturschwerpunkt 2024 in der Landeshauptstadt.

Was wünschen Sie sich für das kulturelle St.Pölten?
Dass die Vernetzung zwischen den unzähligen Kulturinstitutionen verstärkt wird, dass angewandte Kultur vor den Vorhang geholt wird, niederösterreichweit. Hier ist ein fruchtbarer Boden für Kultur.