Aufregung um Camper bei Ratzersdorfer See. In Zeiten der Coronakrise orteten Anrainer ein Gesundheitsrisiko. Roma-Wohnwagen wurden in Süden umgeleitet.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 25. März 2020 (03:49)
Einmal im Jahr trifft das fahrende Volk der Roma und Sinti in St. Pölten zusammen. Die Stadt übersiedelte die Volksgruppe aufgrund der Coronakrise von Ratzersdorf in denSüden der Stadt.
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Einmal jährlich macht das fahrende Volk der Roma mehrere Wochen in St. Pölten Station. Die Stadt stellt ihnen dafür seit Jahren den Parkplatz am Ratzersdorfer See zur Verfügung. In Zeiten der Coronakrise und den Maßnahmen der Bundesregierung reagierten einige St. Pöltner Anwohner sowie FP-Stadtrat Klaus Otzelberger mit Unverständnis. Sie orten ein „erhöhtes Gesundheitsrisiko“. Die städtische Behörde reagierte mit einer Übersiedelung zur Fläche bei Güterzugumfahrung und Stadtsportanlage im Süden der Stadt. „Dort gibt es Infrastruktur wie Wasser und Strom“, heißt es vom Magistrat. Das Treffen generell zu verbieten, sei jedoch nicht möglich, da es sich um einen Sonderfall handle.

Behörde schreitet erst bei Verdachtsfall ein

Bislang habe es keine Verdachtsmomente bezüglich einer Viruserkrankung gegeben, weshalb ein Einschreiten der Gesundheitsbehörde nicht erforderlich war. Das würde sich jedoch bei einem Verdachtsfall ändern. „Als Hintergrund muss man verstehen, dass ein Roma/ Sinti-Lager quasi die Wohnung, das Zuhause und das Wohnzimmer für das fahrende Volk darstellt. Alles was dort passiert, passiert in den eigenen vier Wänden“, erklärt ein Sprecher des Rathauses. Bisher hätte St. Pölten stets eine gute Lösung gefunden, um den ziehenden Menschen eine Rastmöglichkeit zu geben und die Anrainer nicht über Gebühr zu belasten.