Brutaler Raubüberfall in Wohnung: Mann wird eingewiesen. Nach einem brutalen Raubüberfall in St. Pölten ist ein 21-Jähriger am Dienstag rechtskräftig in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen worden.

Von APA Red. Erstellt am 16. April 2019 (11:42)
NOEN, Hinterndorfer
Symbolbild

Der Mann soll in einer Wohnung eine 79-Jährige zu Boden gestoßen sowie ihre 53-jährige Tochter auf einen Sessel gefesselt und zu vergewaltigen versucht haben. Vor seiner Flucht soll er die Tür von außen zugesperrt haben.

Laut einem Gutachten leidet der Mann an paranoider Schizophrenie und ist nicht zurechnungsfähig. Der Slowake hatte sich der Staatsanwaltschaft zufolge am 6. Juli 2018 in der niederösterreichischen Landeshauptstadt Zutritt zu einem Kellerabteil verschafft und war in Folge in die unversperrte Wohnung der beiden Frauen eingedrungen. Die 53-Jährige - sie ist den Angaben zufolge psychisch beeinträchtigt - soll ihn zur Rede gestellt haben, daraufhin sei der junge Mann "ausgezuckt" und massiv gewalttätig geworden, sagte die Vertreterin der Anklagebehörde. Als die 79-jährige Mutter ins Wohnzimmer kam, soll der Slowake die Pensionistin zusammengeschlagen und ihr den Lendenwirbel gebrochen haben.

Mit einem Messer, das er aus einer Schublade genommen hatte, hatte der Mann die beiden Opfer mit dem Umbringen bedroht, wie er in der Schöffenverhandlung berichtete. "Ich hab mir schon gedacht: Na, das überleben wir nicht", sagte die Pensionistin im Video der kontradiktorischen Einvernahme. Der Mann hatte ihrer Tochter eine Ohrfeige gegeben, eine Stoffschürze zerschnitten und die Frau damit auf einen Sessel gefesselt. Weiters hatte er der 53-Jährigen eine Strumpfhose in den Mund gestopft und um den Kopf gewickelt.

Der 21-Jährige hatte daraufhin die Wohnung durchsucht. "Das ganze Zimmer war verwüstet", schilderte die 53-Jährige im Video der kontradiktorischen Einvernahme. Der Mann habe er "auf äußerst brutale Art und Weise versucht, die Tochter zu vergewaltigen", sagte die Staatsanwältin: "Die Mutter konnte ihrer Tochter nicht helfen, weil sie nicht aufstehen konnte." Der 21-Jährige habe ihr einen Wecker aufs Auge geworfen und mit der Faust auf den Kopf geschlagen, erzählte die Tochter: "Ich habe immer wieder geschrien." Der 53-Jährigen gelang es, eine Vergewaltigung durch heftige Gegenwehr zu verhindern.

Vor seiner Flucht hatte der Slowake ein Kabel des Festnetzanschlusses herausgerissen, den Opfern eingeschärft, nicht die Polizei zu rufen, und sie in der Wohnung eingesperrt. Erbeutet wurden ein Handy, zwei Armbanduhren, eine Geldbörse, mehrere Arm- und Halsketten, ein Autoschlüssel und ein Fotoapparat. Die Frauen konnten das Telefon aktivieren und damit Exekutive und Feuerwehr verständigen.

Der Mann hatte noch am Tag der Überfalls in Wien mit der erbeuteten Bankomatkarte Geld abgehoben. "Der PIN-Code ist dabei gewesen", sagte der 21-Jährige dazu. Anhand der Bilder aus der Überwachungskamera wurde er identifiziert. "Aufgrund exzellenter und sehr engagierter Polizeiarbeit" und dank eines Hinweises sei der Mann ausgeforscht worden, sagte die Staatsanwältin.

"Ich bin auf der Straße gewesen", gab der Slowake laut Dolmetscherin an. Nach dem Vorfall in St. Pölten habe er in einer öffentlichen Unterkunft in seinem Heimatland gewohnt. Als er kein Geld mehr hatte, sei er nach Salzburg gefahren um zu stehlen, "damit ich irgendwie durchkomme". Der per Haftbefehl gesuchte Slowake war wenige Tage nach dem Überfall in St. Pölten in einem Hotel in Salzburg erwischt worden. Der 21-Jährige hatte sich gegen die Festnahme gewehrt, dabei wurden zwei Polizisten verletzt.

In der Haft soll der Slowake auf andere Insassen losgegangen sein, woraufhin er in die Justizanstalt Wien-Josefstadt verlegt wurde. Ein Landsmann berichtete am Dienstag im Zeugenstand, der 21-Jährige habe ihm mit der Faust auf die Nase geschlagen.

Zum Vorfall in der Wohnung der beiden Frauen meinte der Slowake: "Ich wollte ihnen nicht wehtun und sie vergewaltigen, aber ich war nervös." Laut dem psychiatrischen Sachverständigen Werner Brosch leidet der junge Mann an paranoider Schizophrenie. Die "schwere psychische Störung" war demnach kausal für die Taten. Die Krankheitsprognose für den jungen Mann sei trotz Medikation eher ungünstig. Die medizinischen Voraussetzungen für eine Einweisung seien erfüllt.

Der Mann wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen. Wäre er zurechnungsfähig gewesen, wären ihm schwerer Raub, versuchte Vergewaltigung, Freiheitsentziehung, Widerstand gegen die Staatsgewalt und schwere Körperverletzung zuzurechnen gewesen. Der Richter sprach von einem "extremen Martyrium" der beiden Frauen. Die Entscheidung des Landesgerichts St. Pölten ist rechtskräftig.