Chancengleichheit: Mädchen in der Technik. St. Pöltner Direktoren schildern die Situation an ihren Schulen.

Von Caroline Böhm. Erstellt am 23. Oktober 2020 (03:58)
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Am Internationalen Mädchentag erstrahlte die HTL in Pink. Die Aktion sollte Mädchen motivieren, sich für einen technischen Ausbildungs- und späteren Berufsweg zu entscheiden. „Es ist auch eine Form der Chancengleichheit, wenn Mädchen nicht in klischeehafte Berufsbilder gedrängt werden, sondern die Chance bekommen, sich in vormals typischen Männerberufen ausbilden zu lassen“, erklärt Direktor Martin Pfeffel. An seiner Schule sind von 1.721 Schülern 124 Mädchen. Er ist stolz auf diese Zahl. Letztes Jahr waren es zehn weniger, als er damals zur Schule ging, nur eines.

„Es ist Chancengleichheit, wenn Mädchen nicht in klischeehafte Berufsbilder gedrängt werden, sondern die Chance bekommen, sich in vormals typischen Männerberufen ausbilden zu lassen.“ HTL-Direktor Martin Pfeffel

Bei Schulmessen erlebe er immer wieder Eltern, die ihre Töchter am HTL-Stand mit den Worten „Das ist nichts für dich“ vorbeischleusen. Neben aktiver Elternarbeit setzt man an der HTL daher auf Vorbilder: Am „Tag der offenen Tür“ führen sogenannte „Girls Scouts“ durchs Schulgebäude, um Interessentinnen Ängste zu nehmen. Und in den Werkstätten arbeiten auch Lehrerinnen, um berufliche Optionen aufzuzeigen. Teilnahme am österreichweiten Girls‘ Day, Bewerbungstrainings oder Selbstverteidigungskurse – die vielen Zusatzangebote kommen bei den HTL-Schülerinnen allerdings nicht immer gut an. „Sie wollen keinen Mädchen-Bonus, sondern neutral wahrgenommen werden und keinerlei Bevorzugung“, erzählt Pfeffel.

Wahl scheitert nicht an mangelndem Können

An der Polytechnischen Schule sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache: Nur ein Mädchen besucht aktuell einen technischen Fachbereich. In der Orientierungsphase lernen Schüler zwar alle Optionen kennen und es gibt auch mädchenspezifische Projekte von Wirtschafts- und Arbeiterkammer. Allerdings ist das aus Perspektive von Direktor Georg Spannbruckner zu spät: „Unsere Erfahrung zeigt, dass sich die Mädchen nicht mehr umentscheiden. Sie kommen mit konkreten Wünschen zu uns.“ Hinter ihrer Wahl vermutet er fest verankerte Stereotype und fehlendes Wissen. An mangelndem Können liege es jedenfalls nicht: „Wenn sich ein Mädchen für den technischen Bereich entscheidet, macht es das genauso gut oder besser als ein Bursche.“

Die beiden Mittelschulen Dr. Theodor Körner III und IV sind seit drei Jahren MINT-Pilotschulen. Die sogenannten „MINT-Fächer“ (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) müssen hier alle Schüler besuchen. 30 bis 50 Prozent davon sind Mädchen. „Sie werden weder bevorzugt noch benachteiligt. Alle kriegen die gleiche Ausbildung“, erzählt Direktor Hanspeter Mikesa. Er und sein Team wollen bei den Kindern, egal ob Mädchen oder Buben, Interesse für MINT-Fächer wecken. „In der heutigen Arbeitswelt benötigt man ein gewisses technisches Grundverständnis“, begründet er den Fokus der Pilotschulen. „Wir versuchen, eine Basis zu legen, dass man vor Technik keine Angst haben muss.“