E-Learning funktioniert gut, Sorge wegen Matura. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und Systemüberlastungen kommen Schüler und Lehrer mit E-Learning gut zurecht. Offen bleiben derzeit noch Fragen zur Reifeprüfung.

Von Teresa Lobinger. Erstellt am 26. März 2020 (10:23)
HTL-Direktor Martin Pfeffel bekommt auch von vielen Eltern positives Feedback über die Organisation des E-Learnings.
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Schüler, Lehrer und auch die Eltern sind begeistert, dass der Unterricht zuhause sehr gut funktioniert. Das sollte gerade einer Schule wie der HTL St. Pölten gegeben sein. „Wir als technische Schule haben schon länger auf Glasfaser umgerüstet, große Datenvolumen sind dadurch natürlich besser bewältigbar und ich freue mich über die positiven Rückmeldungen, auch von Seiten der Eltern,“ erklärt HTL-Direktor Martin Pfeffel. Ein Kernteam der Lehrer, in der Schule, kümmert sich um den reibungslosen Ablauf und kann bei Problemen sofort reagieren.

Mehr Disziplin und eigenständiges Arbeiten wird den Schülern abverlangt. „Der Stundenplan geht normal weiter, an unserer Schule ist das eine 36-Stunden Woche, in digitaler Form bedeutet das einen größeren Zeitaufwand, die Aufträge sind teilweise arbeitsintensiver,“ so der Direktor. „Schließlich gibt’s jetzt auch Aufgabenstellungen für den Religionsunterricht“, scherzt Pfeffel.

Die ersten Tage waren für alle Beteiligten etwas chaotisch und damit auch sehr zeitraubend. Nun sind aber die Kapazitäten angepasst worden, kommuniziert wird auf verschiedenen elektronischen Wegen. „Ob Videokonferenzen oder auch auf Instagram, an unserer Schule klappt E-Learning jetzt gut, aber es ist tatsächlich ein Mehraufwand und zwar für Schüler und Lehrer,“ weiß Fritz Gonaus, Direktor der BAfEP/BASOP.

Für Fritz Gonaus, Direktor der BAfEP/BASOP, klappt die Kommunikation mittlerweile gut.
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Viel wurde hier vorbereitet und den Schülern noch ausgehändigt, viel muss jetzt einzeln kommuniziert werden, das sei aufwendiger als Angesicht zu Angesicht in der Klasse unterrichten zu können. „Wir alle mussten Erfahrungswerte sammeln, manche Schüler haben die Aufgabe für gleich drei Stunden in einem erledigt, andere haben das vielleicht auch missverstanden, sich aber überfordert gefühlt,“ erzählt Fritz Gonaus von der Bildungsanstalt für Elementarpädagogik.

Benjamin Koiser, selbst gerade in der Maturaklasse der HAK St. Pölten, richtet als Landesschulsprecher (BHS) an dieser Stelle einen Appell an die Lehrer: „Obwohl sich vieles eingependelt hat, haben Schüler einen größeren Aufwand und viele Lehrer von Nebenfächern geben zu viele Arbeitsaufträge aus, Schüler fühlen sich da zeitweise überfordert.“ Gerade als Maturant bedeute dieser größere Aufwand in Nicht-Matura-Fächern jetzt Stress. Dieses Feedback bekomme er von verschiedenen Seiten zu hören.

Laura Strobl, Schulsprecherin der BASOP, glaubt, dass sich einige Schüler das Lernen von zuhause aus anfangs leichter vorgestellt haben, vor allem die eigene Zeiteinteilung betreffend. Tatsächlich werden aber Besprechungen zu Fixterminen und ganze Diskussionen über Apps abgehalten. „Es stimmt, dass wir in manchen Fächern nun viel mehr arbeiten müssen, aber die Lehrer zeigen auch viel Verständnis und es lässt sich vieles aussprechen.“

„Es wird einfach auch Flexibilität gefragt sein"

Die Frage nach Maturaterminen und Verschiebungen stellt sich für beide Direktoren in der jetzigen Situation, „aber den Kopf werden wir uns darüber zerbrechen, wenn wir wissen wie es weitergeht.“ Klausuren sollten ab dem 19. Mai beginnen, da müssten aber die Schüler mindestens zwei Wochen vorher wieder normalen Schulbetrieb besuchen können. „Es wird einfach auch Flexibilität gefragt sein,“ so Gonaus. Man müsse ja nicht unbedingt mit den Klausuren beginnen, es könnten die mündlichen Prüfungen mit ganz wenigen Leuten im Raum vorgezogen werden.

„Den einzelnen Schuldirektionen könnte in dieser Situation durchaus mehr Hoheit gegeben werden, denn wenn ein externer Vorsitzender, der selbst Matura an seiner Schule hat, dann noch in anderen Schulen sitzen muss, ist das vor allem ein immenser Zeitaufwand,“ spricht Gonaus über verschiedene Möglichkeiten. Entschieden ist mittlerweile, dass es keine Diplomarbeitspräsentationen geben muss. Benjamin Koiser weiß, wie es den Schülern mit dieser Entscheidung des Bundesministeriums geht: „Fünfzig Prozent der Schüler freuen sich, weil einfach etwas wegfällt, für die anderen ist das eine nicht so gute Nachricht, denn sie hätten dabei ihre Beurteilung noch verbessern können.“

Ein singuläres Problem hat die BAfEP/BASOP dennoch: Für die Kolleg-Studierenden an der Schule gibt es bis jetzt noch keine Pläne. Für ihre Diplomprüfungen gelten die selben Bedingungen wie für die Maturanten. „Von der Behörde gibt es keine Informationen, wie wir damit umgehen sollen, trotz Anfragen. Verständlich ist aber, dass unsere Kollegs wissen wollen, wie es weitergeht, und sich auch eine gewisse Planungssicherheit wünschen“, so der Direktor.