Eigener Raum für barrierefreies Service im Rathaus. Arbeitsplatz im Erdgeschoß erleichtert die Amtsgeschäfte. Stadt arbeitet auch an besserem Zugang zu Sitzungssaal.

Von Mario Kern. Erstellt am 22. Dezember 2017 (03:17)
Rathaus St. Pölten
Josef Vorlaufer

Barrierefreien Zugang zur Sitzungssaal-Tribüne forderte die VP beim Gemeinderatsbeschluss, die Immobilien-Gesellschaft bis März eine Anbindung des Hauses in der Rathausgasse 2 ans Rathaus prüfen soll. VP-Vizebürgermeister Matthias Adl erhielt dabei „Schützenhilfe“ von einer anwesenden Rollstuhlfahrerin, die bemängelte, dass das Rathaus „nicht barrierefrei“ sei.

Adls Zusatzantrag verweigerten SP, FP und Grüne die Zustimmung. Die SP begründete das damit, dass die Anbindung und damit ein barrierefreier Zugang sowieso geplant sei. Dafür sollen die Niveaus des Ganges östlich des Sitzungssaales und des benachbarten Hauses angeglichen werden. Wegen eines Durchbruchs sei die Stadt in Gesprächen mit dem Bundesdenkmalamt, versicherte SP-Bürgermeister Matthias Stadler. „Die Auflagen verhindern im Rathaus eine hundertprozentige Barrierefreiheit, aber wir arbeiten daran, so viel wie möglich umzusetzen.“

„Geht um größtmögliche Gleichbehandlung“

Der Saal sei schon jetzt barrierefrei zugänglich, betont Martina Eigelsreiter vom Büro für Diversität. „An Sitzungen können Personen im Rollstuhl problemlos teilnehmen. Wenn auch nicht auf der üblichen Zuschauer-Tribüne.“ Für die Erfüllung des Gesetzes sei das aber auch nicht zwingend notwendig, erläutert Eigelsreiter. „Es geht darum, durch zumutbare Maßnahmen eine Verbesserung im Sinne einer größtmöglichen Annäherung an eine Gleichbehandlung zu bewirken.“ Ein Beispiel für die Erfüllung des Gesetzes sei ein eigener Raum im Bürgerservicebereich, der in Bälde offiziell in Betrieb genommen wird. Dort können Rollstuhlfahrer ihre Amtsgeschäfte erledigen – die zuständigen Beamten kommen dafür aus ihren Abteilungen ins Erdgeschoß.

Einen Hebelift für den Saal würde sich Josef Schoisengeyer vom Club 81 grundsätzlich wünschen. „Aber wenn der Durchbruch durch die Wand zwischen den beiden Häuser gelingt, ist das ein guter Kompromiss.“ Den barrierefreien Bürgerservice-Raum befürwortet Schoisengeyer. „Natürlich wäre es besser, überall hinzukommen. Aber wichtig ist, dass behinderte Menschen ohne Schranken ihre Amtsgeschäfte erledigen können.“