Enttäuschung über Betreutes Wohnen. St. Pöltner hätte mehr Unterstützung erwartet. Es gebe immer wieder Missverständnisse über Leistungen, betont Rotes Kreuz.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 17. August 2018 (06:04)
Symbolbild
Shutterstock/Alexander Raths

Damit er an seinem Lebensabend nicht auf sich allein gestellt sein wird, zog ein St. Pöltner nach dem Tod seiner Frau in eine Anlage für Betreutes Wohnen. Die Begeisterung für sein neues Zuhause hält sich nach drei Jahren am Siegfried-Ludwig-Platz aber in Grenzen. „Ich hätte mir etwas anderes vorgestellt“, klagt der 70-Jährige.

Die Gänge des sechsstöckigen Gebäudes seien schmal und die Türen zu schwer, um in den Müllraum zu gelangen, müsse man zwei schwere Brandschutztüren öffnen. „Das ist für jemanden mit Rollstuhl kaum möglich“, meint der NÖN-Leser. Betreuung gebe es nur von Montag bis Freitag und auch da nur vormittags. „Meine Wohnung stand schon drei Mal unter Wasser, weil mein dementer Nachbar vergessen hat, die Dusche abzudrehen. Es müsste jemanden geben, der darauf aufpasst.“

„Meine Wohnung stand schon drei Mal unter Wasser, weil mein dementer Nachbar vergessen hat, die Dusche abzudrehen.“

Mieter Betreutes Wohnen

Man dürfe keine Rundum-Betreuung erwarten, betont Werner Schlögl vom Roten Kreuz, das im Alpenland-Wohnbau für die Betreuung zuständig ist. Das werde immer wieder missverstanden. „Wahrscheinlich auch, weil der Name ‚Betreutes Wohnen‘ falsche Erwartungen weckt“, meint Schlögl. Das Rote Kreuz – oder eine andere vom Bauträger beauftragte Organisation – sorge nur für Ansprechpersonen vor Ort, die bei Alltäglichem helfen. Zudem würden Events wie Spieleabende organisiert. Eine medizinische Versorgung oder Pflege müsse extra gebucht werden. „Das steht im Vertrag der Klienten. Die Fakten liegen auf dem Tisch“, sagt Schlögl.

Nicht anders funktioniert das bei weiteren Betreutes-Wohnen-Angeboten in der Stadt. „Es soll ein paar Stunden pro Woche jemand vor Ort sein, damit die Menschen nicht vereinsamen“, bestätigt etwa Susanne Erhart von „Heimat Österreich“. Die Genossenschaft hat gerade erst eine ähnliche Wohnhausanlage in der Karl-Renner-Promenade eröffnet.

Prinzipiell barrierefrei seien die Gebäude aber, heißt es von Alpenland: „Die Vorgaben diesbezüglich wurden am Siegfried-Ludwig-Platz alle eingehalten. Wir werden trotzdem Augen und Ohren offen halten. Wenn es Probleme gibt, kann man sich jederzeit an die Hausverwaltung wenden.“