FH präsentiert digitales Museum im Stift Admont. Smartphones und Touchscreens könnten Museumsbesuche zum digitalen und multimedialen Erlebnis werden lassen.

Von Redaktion noen.at. Erstellt am 24. April 2018 (15:41)

Ein Beispiel dafür ist in den nächsten Monaten im Stift Admont zu sehen: In einer Sonderausstellung präsentiert das Stift Fragmente des „Admonter Abrogans“, eines lateinisch-deutschen Wörterbuchs aus der Zeit um 800. Auf einem Touchscreen können Besucherinnen und Besucher die Fragmente gewissermaßen berühren und erhalten Informationen zu dem Ausstellungsstück.

Es war ein Sensationsfund, als im Jahr 2012 die Fragmente des 1.200 Jahre alten Pergaments in einem Karton wiederentdeckt wurden: Das Original wurde im 18. Jahrhundert zerschnitten und als Einband für andere Bücher verwendet. Vor sechs Jahren fand man die Fragmente in der Klosterbibliothek des Stifts Admont und erkannte deren Wert.

Derzeit werden die Fragmente des Admonter Abrogans in einer Sonderausstellung des Stifts präsentiert. Durch eine Multi-Media-Präsentation, die MitarbeiterInnen des Instituts für Creative\Media/Technologies der FH St. Pölten gestaltet haben, werden die Kulturschätze zugänglich gemacht. Besucherinnen und Besucher können in die hochaufgelösten Aufnahmen der Fragmente hineinzoomen, erhalten Hintergrundinformationen zu Details der Fundstücke, können sich Übersetzungen ins Neuhochdeutsche anzeigen lassen oder vorab raten, welcher aktuelle Begriff zu welchem althochdeutschen Original passt.

Medientechniker entwickeln Ansätze für Digitales Museum

Die Präsentation des Abrogans ist ein erster Prototyp aus dem von der FH St. Pölten koordinierten Forschungsprojekt MEETeUX (Multi-Device Ecologies Towards Elaborate User Experience). Es entwickelt Ansätze für digitale Formen der Ausstellungsgestaltung. So könnten etwa auf Tablets Bücher durchgeblättert werden, die aus Schutzgründen von Besucherinnen und Besuchern nicht berührt werden dürfen. Oder auf das Skelett eines Dinosauriers ließen sich mit Virtual und Augmented Reality Fleisch und Haut projizieren.

„Für eine zukünftige sinnvolle und integrierende Verwendung von Smartphones, Tablets und Touchscreens oder moderner Medientechnik wie Augmented und Virtual Reality in halböffentlichen Bereichen wie etwa Ausstellungen und Museen fehlen derzeit noch erprobte Konzepte für das Gestalten der Interaktionen und das Nutzungserlebnis für Anwenderinnen und Anwender“, erklärt Markus Seidl, Leiter des Projekts MEETeUX sowie des Instituts für Creative\Media/Technologies der FH St. Pölten. Dieses Wissen sei jedoch wichtig, um die Technologien möglichst niederschwellig und für alle zugänglich einsetzen zu können.

Im Zentrum steht Interaktion und Erlebnis für Nutzer

Genau hier setzt das Projekt MEETeUX an. Im Zentrum steht Forschung an der Schnittstelle von Mensch und Maschine zum Interaktionsdesign und dem Erlebnis für Nutzer. „Smartphones könnten etwa als ‚Magic Lens‘ wie eine Lupe benutzt werden, bestimmte Informationen könnten – auch als 360-Grad-Video oder -Audio-Vorführung – automatisch abgespielt werden, sobald man sich in der Nähe einer Station befindet. Oder Ausstellungsbesucher können mit gesammelten Gegenständen und Informationen gemeinsam an der Lösung eines Rätsels arbeiten“, sagt Seidl.

Partner im Projekt MEETeUX sind mehr als zehn Museen sowie Anbieter von Museumsinstallationen. Ziel des Projekts, das noch bis Ende 2019 läuft, ist ein eigener Prototyp für kreative, digitale Ausstellungspräsentationen. Derzeit laufen dazu konzeptionelle und technische Vorarbeiten.