Filmprojekt über die „Caritas-Kinder“. Portugiesische Pflegefamilien nahmen ab 1947 auch St. Pöltner Kinder auf. Bundespräsident dankte dafür in Lissabon.

Von Beate Steiner. Erstellt am 19. Juli 2019 (14:21)
Peter Lechner
Bundespräsident Alexander Van der Bellen mit Gattin Doris Schmidauer beim Treffen mit den „Caritas-Kindern“ in Lissabon.

„Wir erinnern uns an eines der schönsten Kapitel der Beziehungen zwischen Portugal und Österreich“, sprach Alexander Van der Bellen in Lissabon. Der Bundespräsident traf bei seinem Portugal-Besuch mit ehemaligen österreichischen „Caritas-Kindern“ und deren portugiesischen Gastfamilien zusammen. Mittendrin die St. Pöltnerin Inge Kremsner – „im feinen Zwirn, ich bin mir ganz wichtig vorgekommen“.

Die kleine Inge hatte als Achtjährige in Portugal eine zweite Familie gefunden und seither den Kontakt zu ihrer zweiten Heimat nicht abreißen lassen, wie viele der 5.000 Kinder, die in der Nachkriegszeit aus dem verarmten Österreich nach Portugal und Spanien zum Aufpäppeln gebracht wurden. „Diese bemerkenswerte Geste wird immer in unseren Erinnerungen und Herzen bleiben“, so Alexander Van der Bellen.

„Diese bemerkenswerte Geste wird immer in unseren Erinnerungen und Herzen bleiben“

Inge Kremsner gründete schon vor Jahren mit anderen ehemaligen „Portugal-Kindern“ einen Verein. Der St. Pöltner Zweig trifft sich regelmäßig, hatte nach dem Lissabon-Treffen mit dem Bundespräsidenten Besuch von den oberösterreichischen Kollegen – zum Tratschen und Bilder-Austauschen vom beeindruckenden Nachmittag mit den Schicksalsgenossen, dem Präsidenten und dem österreichischen Botschafter in Portugal.

privat
Inge Kremsner mit dem Filmteam und ihren vielen Bildern und Erinnerungen an Portugal.

Eindrücke gesammelt hat bei diesem Treffen auch Filmemacher Ansgar Schaefer, der gemeinsam mit Regisseurin Susana de Sousa Dias den Film „Reise in die Sonne“ über die „Caritas-Kinder“ produziert: „Diese historische Aktivität kann als Anstoß zur Reflektion dienen, beim Thema Migration und Aufnahme von ‚anderen’“, heißt es in der Beschreibung des Films.

„Diese historische Aktivität kann als Anstoß zur Reflektion dienen, beim Thema Migration und Aufnahme von ‚anderen’“

Die Geschichte des St. Pöltners Alfred Dier ist Teil von „Reise in die Sonne“ – er hatte als Bub strenge Gasteltern erwischt und war eines der wenigen Kinder, das nicht in Portugal bleiben wollten. Auch Inge Kremsner teilte mit dem Filmteam ihre Erinnerungen an ihre Jahre in Portugal und an ihre zweite Familie, mit der sie den Kontakt nie abreißen ließ: „Eine menina austriaca, ein österreichisches Mädchen in Portugal, das bleibe ich mein Leben lang.“