Homeschooling: Aktuelle Lösung mit Abstrichen. Schulleiter, Lehrer, Eltern und Schüler aus St. Pölten berichten von Herausforderungen und Vorzügen ihres momentanen Schulalltags.

Von Caroline Böhm und Nadja Straubinger. Erstellt am 20. Januar 2021 (03:29)
Der Maturant Moritz Stubhan teilt sich seinen Schultag weitgehend selbst ein.
Stubhan

Nach der Verlängerung des Lockdowns büffeln St. Pöltner Schulkinder mindestens bis zu den Semesterferien zuhause. Manche sehen Vorteile im Distance Learning, andere zweifeln am Lernerfolg.

Maturant Moritz Stubhan schätzt die Möglichkeit, sich seinen Schultag selbstständig einteilen zu können. In der Selbstorganisation sieht der Schulsprecher des Gymnasiums Josefstraße eine Chance: „Es ist eine gute Vorbereitung auf solche Situationen im Leben.“ Langes Ausschlafen gibt es bei ihm trotzdem nicht. Er versuche, einen Schultag einzuhalten. Grundstruktur bieten ihm dabei die Videokonferenzen, die vormittags laut Stundenplan stattfinden. Drohe schlechtes Wetter, könne er die letzten Sonnenstrahlen für Spaziergänge nutzen.

„Bei uns funktioniert das Homeschooling super. Aber uns fehlt auch nichts und wir sind gewöhnt, dass wir parallel arbeiten“, erzählt HAK-Elternsprecherin Irene Bamberger vom Alltag mit ihren beiden Töchtern. Trotz Homeoffice unterstützt sie bei Schulaufgaben und verschiebt liegengebliebene Arbeit für den NÖ Familienbund auf später. „Das stört mich eigentlich nicht. Das ist meine Verantwortung als Elternteil“, findet sie.

Durch die ständige Verfügbarkeit verschwimmen bei BORGL-Lehrer Gotthard Gansch ebenfalls die Grenzen zwischen Freizeit und Beruf. Trotzdem ist er froh, wenn sich seine Schüler bei Fragen und Problemen melden: „Mir ist lieber, wir reden mehr als gar nicht.“ Erst ab 21 Uhr antworte er nicht mehr. Um böse Überraschungen zu vermeiden, habe sich seine Schule auf das Distance Learning vorbereitet: Schon im Präsenzunterricht mussten alle Schüler einen Account für die Plattform besitzen und ihre Hausübungen hochladen.

„Mir ist lieber, wir reden mehr als gar nicht.“

Auch Bambergers jüngere Tochter hat den Umgang mit der Lern-Plattform ab September geübt. Die 10-Jährige besucht seit diesem Schuljahr ein Gymnasium. Der zusätzliche Unterricht am Nachmittag sei eine Herausforderung gewesen. „Ich war überrascht, wie intensiv das war. Aber im Nachhinein bin ich sehr dankbar für die Mühe“, erzählt die Elternsprecherin. Zudem profitiere ihre Familie davon, dass beide Schwestern zufällig dieselbe Plattform nutzen. Ihre ältere Tochter schätze an der aktuellen Unterrichtsform besonders den fehlenden Lärmpegel. Auf diese Weise erziele sie mit weniger Zeitaufwand einen intensiveren Lernerfolg als in der Klasse.

Geteilte Meinungen zum Leistungsniveau

Unter Lehrpersonen und Schulleitungen scheiden sich jedoch die Geister, was den Lernfortschritt angeht. „Der Stoff bleibt hängen und wird bei den meisten verstanden“, berichtet Mathe- und Deutschlehrer Gansch. Außerdem würden sich die Schüler zusätzliche Kompetenzen wie IT-Wissen aneignen. Ganz anders ist der Eindruck bei Friedrich Gonaus, Direktor der BASOP/BAfEP. „Unter den gegebenen Umständen holen wir das Beste raus. Aber es ist sicher nicht so gut wie normaler Präsenzunterricht.“ Seine Lehrkräfte beobachten, dass zwar alle ihre Aufgaben brav erledigen, die Inhalte jedoch nicht abrufbar seien. „In Summe wird einiges verloren gehen“, ist er sich sicher. Schichtbetrieb wünschen sich beide nicht zurück.

Um Kinder mit Lernschwächen oder Migrationshintergrund macht sich Brunhilde Frühwirth, Direktorin der Volksschule Hofstetten-Grünau, derzeit besondere Sorgen. „Wir haben diese Kinder daher bewusst in die Betreuung hereingeholt“, erklärt sie. Sie befürwortet den Vorschlag des NÖ Bildungsdirektors Johann Heuras, für Volksschüler temporär zwei bis drei zusätzliche Wochenstunden einzuführen. Von der Zeit für Wiederholung und Festigung würden ihrer Meinung nach alle Kinder profitieren.

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