Alf Poier: „Gibt nichts Absolutes außer Bewusstsein“. Alf Poier im NÖN-Gespräch über kleine Schubser, ein authentisches Leben und schräge Gedanken in glattgebügelten Zeiten.

Von Mario Kern. Erstellt am 01. Februar 2017 (16:03)
DADAismus-Meister Alf Poier
Reinhard Mayr

Alf Poier beehrt am Mittwoch, 1. Februar, um 20 Uhr das VAZ St. Pölten. Die NÖN bat den Kult-Kabarettisten zum Gespräch:

NÖN: Welche Einblicke gewähren Sie im Zuge von „The Making of DADA“ auf Ihre Person?

Alf Poier: Das Programm reicht an die tiefsten Wurzeln meines äußersten Seins heran, da die Bezüge direkt aus meinen ehemaligen Tagebüchern stammen.

Wie sehr wird man den Künstler Poier verstehen, wenn man nach dem Auftritt das VAZ verlässt?

Es kann passieren, dass man mich danach sehr versteht. Aber darum geht es nicht wirklich. Wichtiger ist es mir, geistiger Motivator für all jene zu sein, die nur noch einen kleinen Schubser benötigen um ein Leben zu leben, von dem sie zwar träumen, es aber nicht zu leben wagen.

 „Als Künstler ist es wichtig den gesellschaftlichen Konsens herauszufordern

Welche künstlerische Bilanz ziehen Sie nach 20 Jahren?

Das einzige, was im Leben als Künstler als auch als Privatmensch wirklich zählt, ist, ob man ein authentisches Leben geführt, und das gemacht hat was wirklich seinem Wesen gemäß war. Dies kann ich hiermit bejahen.

Bereuen Sie künstlerisch gesehen irgendetwas in den vergangenen zwei Jahrzehnten?

Ja und nein. Als Künstler ist es wichtig den gesellschaftlichen Konsens herauszufordern und auszuloten. Da kann es dann schon mal passieren dass die Wellen höher schlagen als einem das selber recht ist. Letztlich gibt es nichts Absolutes außer dem Bewusstsein selbst.

Welche Bedeutung mag DADAismus in heutiger Zeit haben?

Zu meinen Anfangszeiten war „schräg“ in gewissen Kreisen gerade angesagt. Mittlerweile leben wir in sehr glattgebügelten Zeiten, wo allerdings der natürliche Fluss des Lebens durch hirnrissige Gesetze und die Regulierungswut unfähiger Politgangster zum Stocken gebracht wurde.Wer zu viel über die Gegebenheiten der momentanen Zeit nachdenkt, läuft Gefahr auf der Stelle durchzudrehen. Dieses Gefühl hat mich bereits vor mehr als zwanzig Jahren erreicht. Nun scheint es in der Massengesellschaft angekommen zu sein.