Letzte Videothek sperrte zu. Filmverleih hat in St. Pölten ausgedient. Netflix & Co. seien daran nicht schuld, meint Romy Pohselt.

Von Beate Steiner. Erstellt am 08. März 2017 (12:05)
Die letzten Videos werden aus dem Film- und Spieleparadies in der Daniel-Gran-Straße abtransportiert.
NOEN, privat

Es ist ein gruseliger Anblick: Karre um Karre wird aus den großen Hallen in der Daniel-Gran-Straße geschoben, beladen mit bunten DVDs und Video-Spielen. Über 10.000 Scheiben werden in Lkw verladen und abtransportiert. Die Scheiben wandern in die Konkursmasse des „Videorings“, einst größte österreichische Videothekenkette mit Sitz in Kärnten und mit 52 Filialen von Wien bis Vorarlberg. Zwei davon gab es auch bis vor Kurzem in St. Pölten. Eine davon verschwand vor rund zehn Jahren aus der Mariazeller Straße.

Die letzte Videothek schloss vor wenigen Wochen für immer ihre Türen. Romy Pohselt war die Betreiberin des Video-Tempels und Teil dieses Rings, der mit 112.000 Euro in die Insolvenz geschlittert ist. Sechs Jahre lang hat sie mit Engagement und vielen Ideen ihre Kunden betreut.

„Zu mir ist sehr unterschiedliches Publikum gekommen“, erzählt sie, „Laufkundschaft genau so wie Stammkunden.“ Ihr Filmwissen und ihr „geordnetes Chaos“ haben Romy Pohselt zur beliebten Anlaufstelle für Filmfreunde gemacht: „Ich hab’ jeden Film sofort gefunden.“ Und auch, dass sich die engagierte Videothek-Betreiberin immer wieder Neues hat einfallen lassen, brachte ihr Anerkennung ein: „Ich habe sogar bei der Cocktailtour mitgemacht — und dabei gewonnen.“

„Viele gestreamten Streifen haben nicht die Qualität der Filme auf DVD.“ Romy Pohselt, Betreiberin von St. Pöltens letzter Videothek

Klar, dass in den sechs Jahren als Videothek-Betreiberin nicht alles leiwand war für Romy Pohselt. Da kam schon öfter die typische Frage unsicherer Kunden: „Entschuldigen S’, haben Sie Filme?“ „Da hab ich dann schon manchmal geantwortet: ‚Heute hab’ ich nur Brötchen, aber die sind schon aus“, lächelt die schlagfertige Romy Pohselt und erzählt, dass ihr öfter Kunden untergekommen sind, bei deren Fragen sie sich überlegt hat, „ob der mich verarscht, weil so dumm kann er nicht sein.“

Hits waren Erotikfilme und Horrorstreifen

Die jetzt ehemalige Videothek-Betreiberin glaubt übrigens nicht, dass Amazon Prime, Sky, Netflix und illegale Downloads für den endgültigen Todesstoß einer sterbenden Branche verantwortlich sind: „Bei Netflix gibt es nur Serien, viele der gestreamten Filme haben nicht die Qualität von DVDs.“

Das Ausleihen der Scheiben ist in St. Pölten also passé, worunter auch die Filmvielfalt leiden könnte. Denn manche Genre- und Independentfilme haben es schwer im Kino, sind teuer zu erwerben. In der St. Pöltner Videothek hat es übrigens klare Favoriten bei den Themen gegeben: „Ein Drittel der ausgeliehenen DVDs waren Erotik-Filme, ein weiteres Drittel Horror-Filme“, verrät die Video-Expertin, die sich künftig in Oberösterreich in der Gastronomie selbstständig machen will.

Ihr persönlicher Film-Favorit ist „Game of Thrones“, und da im Besonderen ein bezeichnender Teil: „Ich mag Jon Snow, vor allem in der Szene ‚My watch has ended‘.“