Musikschulen im Lockdown: Musizieren vor dem Bildschirm. Region St. Pölten: Seit einem Jahr keine Auftritte wegen Corona. Unterrichtet wird aber trotz der vielen Herausforderungen.

Von Beate Steiner. Erstellt am 14. April 2021 (04:00)
Lernen vorm Bildschirm: Marlies Thürauer mit Geigenlehrerin Gertrud Stecher.
Musik- und Kunstschule St. Pölten

Die Anfangsschwierigkeiten mit diversen Softwares und die didaktische Adaptierung an einen Online-Unterricht sind überwunden, der Wechsel zwischen Distance Learning und analogem Unterricht ist mittlerweile Alltag in der Musik- und Kunstschule St. Pölten, erklärt der pädagogische Fachgruppenleiter Lukas Schönsgibl. „Obwohl Corona unseren Arbeitsalltag noch immer fest im Griff hat, ist der Wille der Musikschullehrer ungebrochen, mit viel Flexibilität den bestmöglichen Unterricht zu bieten“, betont Schönsgibl.

Jakob Bonigl in der Online-Gitarrenstunde mit seinem Lehrer Daniel Thürauer am Bildschirm. 
Musik- und Kunstschule St. Pölten

Nicht möglich beim Distance Learning ist zum Beispiel die direkte Interaktion der Lehrer und Lehrerinnen mit den Musikschülern und -schülerinnen. „Seit März 2020 sehen wir uns mit der Herausforderung konfrontiert, dass im Distance-Learning-Betrieb ein gemeinsames Musizieren faktisch unmöglich ist“, bedauert der Musikpädagoge. Dazu machen es Verzögerungen bei den Videos schwierig zu kontrollieren, ob der Schüler beim Vorspielen den richtigen Rhythmus erwischt hat. Abhilfe schaffen hier Telefonanrufe oder auch Videoaufnahmen, die über die Smartphones der Eltern versendet werden. „Hier zeigt sich auch, dass man ohne die großartige Unterstützung der Eltern bei Weitem nicht so adäquat unterrichten könnte“, so Schönsgibl.

„Die Vorbereitung auf ein Konzert ist eine wichtige Zeit.“ Lukas Schönsgibl

Nicht nur die Eltern finden kreative Lösungen, um die Kinder zu unterstützen. Auch die Lehrer lassen sich einiges einfallen, um ihre Schüler zu motivieren, von kleinen Videoserien bis zu eingescannten Notenmaterialien, die mit persönlichen Bemerkungen versehen wurden, reichen die Ideen der Musikschulpädagogen im Online-Unterricht.

Derzeit gibt es an der Musik- und Kunstschule abwechselnd Präsenz- und Onlineunterricht. „Natürlich merken wir, wie erfreut alle nach einer Online-Unterrichtsphase sind, wieder in die Musikschule gehen zu dürfen und mit der Lehrkraft musizieren zu können“, bestätigt Lukas Schönsgibl, der die Flexibilität der Schüler und Schülerinnen lobt, „vor allem, wenn man sich vor Augen führt, mit welchem Druck viele in ihrem familiären Umfeld konfrontiert sind.“

Musikschüler haben unter Corona-Bedingungen auch keine Möglichkeit mehr, ihr Können bei Auftritten und Konzerten zu zeigen. Eine der wenigen Gelegenheiten war der Wettbewerb „Prima la Musica“, für den Videobeiträge aufgenommen wurden und bei dem die St. Pöltner Musikschule hervorragend abgeschnitten hat: Sechs Talente erreichten einen 1. Preis mit Auszeichnung und Berechtigung zur Teilnahme am Bundeswettbewerb, für den sie sich jetzt bereit machen.

„Die Vorbereitung auf einen Konzerttag ist eine wichtige Zeit, in der die Schüler und Schülerinnen große Entwicklungssprünge machen können“, weiß Lukas Schönsgibl. Denn zu erfahren, was man leisten kann, wenn man ein Ziel vor Augen sowie eine fundierte Hilfestellung durch die Pädagogen hat, schaffe motivierende Erinnerungen, die noch mehr Freude am künstlerischen Ausdruck ermöglichen. Daher wären Klassenabende, die derzeit nicht möglich sind, ein wichtiger Bestandteil des Musikschuljahres.

„Natürlich merken wir, wie erfreut alle nach einer Online-Unterrichtsphase sind, wieder in die Musikschule gehen zu dürfen und mit der Lehrkraft musizieren zu können“

Aber Lukas Schönsgibl und seine Kollegen und Kolleginnen blicken vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Die Anmeldungen für das breit gefächerte Angebot auf musik-kunst-schule.at kommen in großer Zahl. „Wir hoffen daher, dass uns unsere Schützlinge trotz dieser schwierigen Unterrichtsbedingungen weiterhin die Treue halten.

Umfrage beendet

  • Beherrscht ihr ein Instrument?