St. Pölten

Erstellt am 09. November 2018, 05:07

von Beate Steiner

Nachhaltigkeit: Nicht alles landet im Mund. Einzelhändler haben mehr Möglichkeiten im Umgang mit Lebensmitteln als Supermarkt-Filialen.

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Apferl, Weintrauben, Zwetschken und Bananen liegen in einem Körberl neben der Kassa, ein Zettel daneben. „Nimm mich bitte mit, du musst auch nichts dafür bezahlen – ich habe es verdient, gegessen zu werden.“ Seit einem Jahr verschenkt der Wagramer Spar-Kaufmann Johann Mohr nicht mehr taufrisches, aber noch genießbares Obst an seine Kunden, über zwei Tonnen hat er so schon verteilt. „Es ist immer wieder schön, wenn jemand in unseren Obstkorb greift und sich über die Gratisvitamine freut. Da profitiert auch die Umwelt davon“, erzählt der selbstständige Kaufmann.

Abgelaufene Ware nehmen die Mitarbeiter mit, Brot und Gebäck vom Vortag gibt es verbilligt, „den Rest holt sich eine Bäuerin für ihre Hendl und Schafe“, so Johann Mohr. „Nur Schimmeliges wird weggeworfen.“

„Die angebotene Ware muss in Ordnung sein.“ Hannes Glavanovits, Spar-Pressesprecher

Ähnlich geht Elvira Bachinger in ihrem Laden „Gutding“ in der Schreinergasse mit übrig gebliebenen Lebensmitteln um: „Bei mir wird nichts weggeworfen. Ich verwerte Milchprodukte, deren Mindesthaltbarkeit überschritten wurde. Altes Brot sowie welkes Obst und Gemüse verfüttere ich an meine Lauf-
enten und Hühner.“ Sollten einmal größere Mengen im Gutding nicht vor dem Wochenende verkauft werden, spendiert Elvira Bachinger die Lebensmittel an die Emmaus-Gemeinschaft.

Nicht ganz so einfach wie bei Kaufleuten funktioniert der nachhaltige Umgang mit Obst, Gemüse, Backwaren und Milchprodukten bei größeren Supermarktketten, die Konzernvorgaben folgen müssen. „Spar ist verantwortlich dafür, was die Kunden bekommen. Die angebotene Ware muss also in Ordnung sein“, erklärt Spar-Pressesprecher Hannes Glavanovits, warum in den Filialen der großen Supermarktketten schnell aussortiert wird, was den Konsumenten nicht gefallen könnte – einzelne runzelige Apferl, braune Bananen und runzelige Radieschen verschwinden so schnell aus dem Regal.

Größere Mengen nicht verkaufsfähiger Ware landen allerdings auf dem Teller bedürftiger Menschen. Denn sowohl Spar als auch Rewe haben Abkommen mit karitativen Organisationen wie der Caritas, dem Roten Kreuz und Sozialmärkten, wohin Übriggebliebenes geliefert wird. „Weiters haben wir in vielen Filialen auch die Möglichkeit, Obst und Gemüse zu Smoothies oder Obstsalat weiterzuverarbeiten“, verweist Paul Pöttschacher, Pressesprecher von Rewe International, auch darauf, dass Rewe der erste österreichische Lebensmittelhändler war, der geschmacklich einwandfreies Obst und Gemüse mit optischen Mängeln als „Wunderlinge“ angeboten hat.