NÖN-Interview: Vergangenheit und Vision. Intendantin Brigitte Fürle im Gespräch über 20 Jahre Festspielhaus, Service am Publikum und an den Künstlern, Gastfreundschaft und die Kulturhauptstadt.

Von Mario Kern. Erstellt am 07. Juni 2017 (05:13)
Hält Programm und Service an Publikum und Künstlern hoch: Intendantin Brigitte Fürle.
NOEN, Martina Siebenhandl

Mit einem großen Fest inklusive Tanz und Musik, feiert das Festspielhaus am Freitag, 9. Juni, ab 19.30 Uhr sein 20-jähriges Bestehen. Danach wir in einem Pop-up-Garden vor dem Haus weitergefeiert zu den visuellen Ergüssen von US-Fotograf David Michalek. Die NÖN bat Intendantin Brigitte Fürle zum Gespräch.

NÖN: Vor 20 Jahren haben die Tonkünstler das Haus musikalisch eröffnet, beim Jubiläumsfest sind sie wieder mit dabei. Ist das Orchester so etwas wie der künstlerische rote Faden durch zwei Jahrzehnte Festspielhaus?

Brigitte Fürle: Ja, das ist es. Die Tonkünstler sind das programmatische Rückgrat des Hauses und werden es immer sein. Zum Saisonfinale wird das Orchester mit der Compagnie Marie Chouinard den Indoor-Part bilden, ein zweiter Teil zeigt David Michalek mit seiner Projektion „Slow Dancing“ an der Fassade des Festspielhauses. Wenn das Wetter mitspielt, sehe ich einer unvergesslichen Nacht nichts in den Weg gelegt. Es wird wie ein richtiges Geburtstags-Stadtfest werden mit Kunst, Food-Trucks und Programm für Kinder.

Was hat sich seit 1997 verändert?

Fürle: Das Festspielhaus war sehr ambitioniert konzipiert, mit 1.000 Plätzen in einer 50.000- Einwohner-Stadt. Dass sich das Haus so grandios entwickelt hat, ist international bemerkenswert. Nicht nur spricht das hochkarätige Programm für sich, sondern auch die „gestiegene Temperatur“. Damit meine ich, dass das Haus viel einladender geworden ist. In Sachen Gastfreundschaft galt es, einiges neu zu justieren.

Wie zeigt sich dieser „Anstieg der Temperatur“?

Fürle: Zum einen erkennt man das am Publikum, das nach den Events bleibt und Zeit hier verbringt, das mich auch gerne anspricht oder einfach nur gratuliert. Zum anderen an den Künstlern, die sich sehr wohl fühlen und vom Haus wie auch vom Publikum sehr begeistert sind. Oft kommen weltbekannte Tanzkompanien und sind beeindruckt, dass ich sie persönlich begrüße und dass wir uns bei ihnen mit herzlichen Premierenfeiern bedanken. Für mich ist das aber selbstverständlich.

Wie wichtig ist die Vergangenheit für Ihre Vision für das Haus?

Fürle: Ich habe zu Beginn ausgeleuchtet, was von den Vorgängern her gut funktioniert hat. Das Ballett, den zeitgenössischen Tanz und die Kulturvermittlungsschwerpunkte sowie den Tanz insgesamt habe ich fortgesetzt und vieles ausgebaut. Das Festspielhaus ist mit seiner Vielspartigkeit wirklich einzigartig. Der Erfolg gibt uns recht. Mein Fokus liegt aber nicht nur auf der Programmgestaltung, sondern auch auf der Dienstleistung für Gäste und Künstler.

Welche Visionen gibt es noch?

Fürle: Zum einen, den jetzigen Kurs beizubehalten, und zum anderen, das Festspielhaus auch in der Aufmerksamkeit weiter zu einem einzigartigen Leuchtturm in der internationalen Kulturlandschaft aufzubauen. Viele Festivals stecken über wenige Wochen viel Budget in Kampagnen, wir leisten diese Werbearbeit ein ganzes Jahr durch unser gutes Programm.

Könnte eine Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt da nicht noch nachhelfen?

Fürle: Natürlich, damit könnte St. Pölten seinen Dornröschenschlaf vollständig beenden. Noch wichtiger als der Status als Kulturhauptstadt per se ist allerdings der Weg dorthin. St. Pöltens Image ist wesentlich besser geworden und das Festspielhaus ist ein wichtiger Träger der kulturellen Vielfalt in der Stadt.

Interview von Mario Kern