S 34-Trasse abgefahren: Ahorn und Bankerl für Gewessler. Umweltministerin Leonore Gewessler war vor Ort und hörte sich die Sorgen der Projekt-Gegner an.

Von Nadja Straubinger. Erstellt am 23. Juli 2021 (05:34)
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Umweltministerin Leonore Gewessler (rechts) hörte sich in Nadelbach die Sorgen und Nöte der S 34-Gegner an.
Straubinger, Straubinger

Groß war das Aufatmen bei den Gegnern der S 34, als Umweltministerin Leonore Gewessler die Evaluierung aller Asfinag-Projekte ankündigte. Als die St. Georgener Bäuerin Anna Götzinger dann auch noch die Zusage für einen Besuch der Ministerin erhielt, war die Freude riesig. Am Wochenende war es dann so weit. Gewessler kam, angereist mit Zug und Taxi. Landwirt und Ex-Bezirksbauernkammer-Obmann Anton Hieger fuhr mit ihr die geplante Trasse ab und berichtete von den Sorgen der Landwirte. Am Jochrisihof in Nadelbach bereiteten ihr die S 34-Gegner mit rund 300 Teilnehmern einen großen Empfang.

„Gerechnet habe ich mit ein paar Menschen, mit denen ich auf der Trasse spazieren gehe. Jetzt sehe ich hier deutlich mehr als ein paar Menschen, denen das Projekt am Herzen liegt“, zeigt sich Gewessler überwältigt. Sie betonte besonders, dass es für den Klimaschutz Menschen brauche, die sich für die Zukunft engagieren. Schon vor einigen Monaten sei die Entscheidung für die Evaluierung der Projekte gefallen. „Die Infrastruktur, die wir heute bauen, bestimmt unsere Mobilität für die nächsten Jahrzehnte“, ist die Umweltministerin überzeugt. Deswegen sei es nötig zu schauen, „was heißt das Projekt für den Bodenverbrauch, was heißt es für die nächste Generation und was heißt es für den Klimaschutz“.

„Die Infrastruktur, die wir heute bauen, bestimmt unsere Mobilität für die nächsten Jahrzehnte.“ Leonore Gewessler, Umweltministerin

In den nächsten Monaten werden die Bauprojekte der Asfinag, so auch die S 34, genau unter die Lupe genommen. Die Ministerin erwartet die Ergebnisse bis Herbst. „Daraus werden wir die nächsten Schritte ableiten“, sagt Gewessler, die die Sorgen und Anliegen zum Projekt an die Diskussionstische mitnehmen möchte. „Ich nehme eure Klimaschutz-Sorgen sehr, sehr ernst.“

Bestens auf den Besuch der Ministerin vorbereitet, überreichten die Initiativen gegen den Bau der S 34 Unterschriftenlisten, Ober-Grafendorfs Bürgermeister Rainer Handlfinger händigte den einstimmigen Gemeinderatsbeschluss (SPÖ, ÖVP, FPÖ und Grüne) gegen das Projekt aus und Gemeinderat Josef Brader verschenkte ein Ahorn-Bäumchen, das er für die Umweltministerin auf der geplanten Trasse pflanzen will. Thomas Prochaska, Landesleiter der Berg- und Naturwacht, möchte darunter ein Bankerl aufstellen – für jeden, der dort vorbeispaziert. „Es ist unser Ziel, diese Straße zu verhindern. Wir stehen voll hinter Ihnen, wo auch immer Sie uns brauchen, wir sind hinter Ihnen“, betont Brader. Auch Bäuerin Anna Götzinger gibt zu bedenken, dass es um ihre Existenz und die Jugend gehe, die den Betrieb später übernehmen möchte. „Wir versorgen die Leute hier. Wir sind die Bauern der Landeshauptstadt. Die Frage ist: Wollen wir darauf stolz sein oder könnten wir lieber darauf verzichten?“

Wind in die Segel der S 34-Gegner bringt nun auch ein offener Brief des Verkehrsexperten Hermann Knoflacher. Er ruft darin auf, beteiligte Personen, verwendete Daten, die Methode und das Wertsystem offenzulegen. „Damit die Evaluierung nicht zur Farce wird“, wie Knoflacher erläutert. Denn das Projekt der S 34 sei nur ein Beispiel dafür, dass die „Umsetzung der notwendigen und dringenden klimapolitischen Verlagerungen von der Straße auf die Schiene nicht gelingen kann, wenn man parallele Eisenbahnlinien einstellt, anstatt sie zu revitalisieren.“

Befürworter erhielten keine Antwort

Einen Besuch der Ministerin strebte auch die Gruppe der Befürworter an. „Wir sind sehr enttäuscht, wir haben nicht einmal eine Rückmeldung bekommen“, betont Sprecher und Ex-Nationalrat Anton Heinzl. Er hätte Gewessler gerne in die Salcherstraße und zur B39 mitgenommen. „Das ist für mich eine eindeutige politische Aktion, die sie hier setzt“, so Heinzl. Als Ministerin habe sie einen Öffentlichkeitsauftrag und damit die Pflicht, sich beide Seiten anzuhören. „Die Rechnung Straße gleich Verkehr ist nicht richtig. Es geht darum, welche Fahrzeuge nutzen die Straße“, so Heinzl.