Erstellt am 19. Januar 2017, 05:57

von Birgit Kindler

Spitalsbesuch kam Briten teuer zu stehen. Für zwei Besuche der HNO-Ambulanz wurden 1.154 Euro in Rechnung gestellt. Jetzt liegt der Fall beim Landesverwaltungsgericht.

   |  NOEN, Archiv

Der Besuch eines englischen Patienten in der HNO-Ambulanz im Universitätsklinikum St. Pölten liegt jetzt beim Landesverwaltungsgericht. Es geht um 1.154 Euro. Diesen Betrag soll der Brite bezahlen, weil er am 14. und 15. August 2015 für je 15 Minuten wegen einer eitrigen Mittelohrentzündung behandelt wurde.

Zwei Mal wurde versucht, diesen Betrag über das britische Gesundheitssystem zu bekommen, was abgelehnt wurde. Karl Kellner, der den Engländer in Österreich vertritt, brachte daraufhin eine Beschwerde beim Magistrat ein. Sie ist die zuständige Bezirksverwaltungsbehörde für behördliche Überprüfungen in Gebührenangelegenheiten.

Er könne diese „Abzocke an Privatpatienten“ nicht nachvollziehen, so Kellner: „Denn der Patient ist weder über die Kosten vorab informiert worden, noch hat es eine Möglichkeit gegeben, einen Facharzt aufzusuchen.“ Nach einem krankenanstaltenbehördlichen Beschwerdeverfahren, das über ein Jahr dauerte, wurde die Gebühr vom Magistrat als gerechtfertigt bestätigt. „Obwohl das Krankenhaus den Rechnungsbetrag bereits halbiert hat“, ärgert sich Kellner.

„Rechnung wurde zu Recht ausgestellt“

Andreas Brunner, zuständiger Sachbearbeiter im Magistrat, betont: „Die Rechnung wurde zu Recht ausgestellt, da die medizinischen Leistungen erbracht und auch mangels Deckung durch eine Versicherung an die Selbstzahler verrechnet wurde.“ Die Gesetzmäßigkeit der Vorschreibung wurde mittels eines Bescheids bestätigt. Die Rechnung sei zu bezahlen, da der Patient keinen sozialversicherungsrechtlichen Schutz in Österreich habe. Außerdem sei offensichtlich keine Reiseversicherung abgeschlossen worden.

Der Vergleichsvorschlag über die Hälfte des Betrages sei von Kellner abgelehnt worden, erklärt Brunner. „Wir haben einen Vorschlag von 185 Euro vorgelegt – das ist der Maximalbetrag für zwei Behandlungen durch einen Facharzt. Darauf wurde aber nicht eingegangen“, kontert Kellner. Er hat jetzt als nächsten Schritt eine Beschwerde beim Landesverwaltungsgericht eingebracht.

Seitens des Universitätsklinikums St. Pölten verweist Sprecher Thomas Wallner darauf, dass es sich um ein laufendes Verfahren handelt und man keine Auskunft geben könne. Grundsätzlich sei eine Kostenaufschlüsselung noch vor der Behandlung schwierig, da die Diagnose nicht feststeht. Sollte das Landesverwaltungsgericht entscheiden, dass der Bescheid falsch ist, ist die Rechnung hinfällig.