Tschick ab 16 nur noch bis Jänner . Jugendschutzgesetz wird vereinheitlicht. Reine Verbote würden laut St. Pöltner zwar nicht helfen, seien aber ein erster Schritt.

Von Lisa Röhrer und Maria Prchal. Erstellt am 01. Mai 2018 (05:16)
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Beim Fortgehen ein Wodka-Lemon oder Bacardi-Cola zu bestellen, ist für 16-Jährige kein Problem. Das ändert sich im Jänner 2019: Das Jugendschutzgesetz wurde österreichweit – mit Ausnahme von Oberösterreich – vereinheitlicht. Für die St. Pöltner bringt das einige Änderungen: Für hochprozentigen Alkohol lag das Mindestalter bis jetzt bei 16 Jahren, künftig gibt’s Spirituosen – genau wie Zigaretten – erst ab 18 Jahren.

Als sinnvoll erachten die Vereinheitlichung St. Pöltens Jugendgemeinderat Thomas Kainz und Bernhard Zima von der Organisation „Checkpoint“. „Das ist ein guter Schritt, es müssen aber mehrere Dinge ineinander greifen, damit man Jugendliche vor Alkohol oder Drogen schützen kann. Der Griff dazu passiert meist nicht aus Spaß, sondern ist eine Reaktion auf die Herausforderungen, die das Erwachsenwerden mit sich bringt“, meint Zima.

Eine Herausforderung werde, so Kainz, vor allem auch die Exekution der neuen Vorschriften: „Das beste Gesetz ändert nichts, wenn es nicht entsprechend kontrolliert werden kann.“

Dass die Umsetzung schwierig ist, bestätigt auch Stadtpolizeikommandant Franz Bäuchler: „Oft holt eben der 17-jährige Freund für den 15-Jährigen die Getränke.“ Dadurch seien auch die Gastronomen vor große Herausforderungen gestellt. „Das Alter ist oft schwer einzuschätzen. Im Zweifelsfall werden aber Ausweise verlangt, das funktioniert in St. Pölten gut“, berichtet Wirte3100-Obmann Leo Graf.

„Bei Drogen wie Alkohol und Zigaretten helfen Verbote nicht. Wäre es legal, wäre das Interesse vielleicht sogar geringer. Da muss man andere Dinge probieren, um Jugendliche davon abzuhalten.“ Anand Schipany (14 Jahre, Schüler)

Um das noch zu verbessern, will der Stadt-Polizeichef in Zusammenarbeit mit dem Magistrat, sobald die Regelung im Jänner 2019 in Kraft tritt, wie bereits in der Vergangenheit verdeckte Kontrollen der St. Pöltner Lokale durchführen. „Damit soll überprüft werden, ob auch wirklich Ausweise kontrolliert werden. Ich habe aber das Gefühl, dass das schon gut funktioniert. Vor allem im Handel gibt‘s ohne Ausweis gar nix“, meint Bäuchler.

„Man kommt trotz Verbot an Alkohol und Zigaretten. Für die meisten geht es nur um den Reiz des Illegalen. Wenn der Nervenkitzel wegfällt, würden sie vielleicht nicht auf die Idee kommen.“ Tim Juen (14 Jahre, Schüler)

Die Regelungen und Verbote erfüllten aber einen tieferen Sinn: „Im Vordergrund sollte die Bewusstseinsbildung und nicht die Bestrafung stehen“, meint der Polizei-Chef. Anzeigen gab es im Vorjahr weniger als zehn.

Ohne Band geht‘s um 1 Uhr nach Hause

Lockerungen gibt es hingegen bei den Ausgehzeiten: Unter-14-Jährige dürfen ab dem kommenden Jahr bis 23 Uhr statt nur bis 22 Uhr fortbleiben. 14 bis 16-Jährige hingegen weiter bis 1 Uhr. Viele Parties ab 14 gibt es im St. Pöltner Warehouse. Wer über 16 ist, bekommt dabei ein Band. Kurz vor eins werden jene ohne Band gebeten zu gehen. Damit wissen die Kellner auch, wer Alkohol trinken darf. „Das funktioniert eigentlich seit Jahren gut“, sagt Steve Ponta vom Warehouse. Herausfordernd wird die neue Grenze ab 18 bei Spirituosen.

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