Universum History-Filmdreh vor dem Abriss. Anita Lackenberger zeigt Leben von Frauenrechtlerin in Gründerzeit-Haus am Rossmarkt.

Von Mario Kern. Erstellt am 06. September 2017 (12:15)
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Wenige Tage, bevor das Haus am Rossmarkt 1 vor dem Abriss für ein Wohnprojekt ausgeräumt wird, erweckte Regisseurin Anita Lackenberger darin Adelheid Popp zum Leben: Soko-Kitzbühel-Kommissarin und Tatort-Ermittlerin Kristina Sprenger schlüpfte im Haus aus der Gründerzeit in die Rolle der Ikone der proletarischen Frauenbewegung.

Lackenberger zeigte sich während der Dreharbeiten begeistert: „Es ist mir eine Ehre, dass Kristina Sprenger Frauenrechtlerin Adelheid Popp darstellt.“ Als Popp bekommt Sprenger in der Produktion für Universum History „Schicksal in Frauenhand“ von einer Postbotin einen Brief überreicht, der vom Verlust ihres älteren Sohnes Julius berichtet.

Dreharbeiten in St. Pölten

Drei Wochen lang bereitete das Team der Regisseurin für die tragische Szene eine der Wohnungen vor: Fenster und Türen wurden neu eingesetzt, Böden verlegt, die Wohnung wurde ausgemalt und historisch adäquat eingerichtet. Dafür konnte sich Lackenbergers Team im Depot des Stadtmuseums bedienen – eine alte Anrichte, ein Rollstuhl, ein Schreibtisch, ein Bett und Alltagsgegenstände sind die stummen Zeitzeugen in der Film-Doku.

„Wir haben nach einer Szenerie gesucht, die als Arbeiterwohnung während des Ersten Weltkrieges durchgeht“, erklärt Lackenberger. Beraten hat die gebürtige St. Pöltnerin Stadtmuseumsdirektor Thomas Pulle, der das Haus zwischen dem alten Leiner-
Lager und den Häusern an der Heßstraße als idealen Drehort empfahl.

„Es ist mir eine Ehre, dass Kristina Sprenger Frauenrechtlerin Adelheid Popp darstellt.“ Anita Lackenberger

Lackenberger drehte mit Kameramann und Produzent Gerhard Mader in der Vorwoche einen Teil des Films über die Geschichte der Frauen zum Ende des Weltkriegs. Die Geschichte der sozialdemokratischen Frauenrechtlerin Popp und auch die Lebensgeschichte der christlichen Gewerkschafterin Katharina Neumayer sind der rote Faden durch den Universum-Beitrag. Der Ausflug in die Historie der Frauenbewegung in Österreich soll im Jänner fertig sein und rund um den Frauentag am 8. März im ORF ausgestrahlt werden.

Für „Schicksal in Frauenhand“ wird Anita Lackenberger noch einmal in St. Pölten drehen – dann eine Szene aus dem Leben der Großmutter der ehemaligen St. Pöltner Nationalratsabgeordneten Adelheid Praher. „Ihre Oma bat, getrieben vom Hunger, den im Zug durchfahrenden Kaiser Karl um Lebensmittel.“ Denn in St. Pölten habe es ab 1917 laufend Hungerdemonstrationen von Frauen gegeben, die nicht mehr wussten, wie sie ihre Familien ernähren sollen, weiß Lackenberger.

Die Historikerin, deren Firma Kreativlösung in St. Pölten stationiert ist, hat bereits mehrere filmische Erfahrungen in der Landeshauptstadt gemacht: 2009 drehte sie hier „Der Fall Trautmannsdorff“, ein Jahr später stellte sie in Pummersdorf für „Verlorene Leben“ das Leben von Österreicherinnen im sowjetischen Gulag nach.