Zum Abheben am Bankomat „überredet“. Zeitungsverkäufer nötigte autistischen Jugendlichen, insgesamt 400 Euro am Bankomat zu beheben. Der Täter ist geständig, das Geld wurde zurückgegeben.

Von Mario Kern. Erstellt am 27. März 2018 (05:03)
NOEN, NÖN
Beim Bankomat der Volksbank-Filiale am Bahnhofplatz wurden dem Jugendlichen 400 Euro abgeluchst.

Teuer zu stehen gekommen wäre fast einem 17-jährigen St. Pöltner sein Heimweg. Als er auf den Bus wartete, wurde der autistische Jugendliche genötigt, am Bahnhofsplatz insgesamt 400 Euro abzuheben. Ein vermeintlicher Zeitungsverkäufer hatte ihn angesprochen.

„Mein Sohn ist sehr selbständig, fährt eigenständig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Als der Mann Geld wollte, wurde er aber immer unsicherer“, erklärt seine Mutter im NÖN-Gespräch.

Der 17-Jährige erklärte dem Verkäufer, er habe kein Geld. Der Mann dürfte daraufhin bemerkt haben, dass der Jugendliche eine Bankomatkarte besitzt und überredete diesen, Geld abzuheben. Beim Bankomat am Bahnhofplatz gesellte sich ein zweiter Mann hinzu – die beiden bedrängten ihr Opfer, noch mehr abzuheben. Im Endeffekt nahmen sie so dem St. Pöltner in mehreren Etappen 400 Euro ab.

Als der Bankomat kein Geld mehr ausspuckte, wollten sie den eingeschüchterten Jugendlichen sogar zum nächsten Bankomaten begleiten, erzählt seine Mutter. „Glücklicherweise gibt es aber ein Tageslimit. Ansonsten hätten sie noch mehr Geld bekommen.“

Kriminaldienst erkannte Täter dank Kamera

Ihr Sohn dürfte ein Black-out gehabt haben. „Er wusste nicht, was er tun soll. Nach dem ersten Bankomaten rannte er aber davon und rief meinen Mann an.“ Die beiden gingen umgehend zur Polizeiinspektion beim Bahnhof und wollten den Vorfall anzeigen. „Anfangs gestalteten sich die Ermittlungen schwierig, da der Jugendliche bei der Einvernahme sehr eingeschüchtert war“, bestätigt Stadtpolizeikommandant Franz Bäuchler, dass der Kriminaldienst später den Fall übernahm.

Durch die Fotos der Bankomat-Kamera konnte mittlerweile ein 26-Jähriger, der sich als Zeitungsverkäufer ausgegeben hatte, ausforscht werden. Laut Polizei soll er Geld für Suchtmittel benötigt haben. Er ist geständig und wurde in die Justizanstalt eingeliefert. Die 400 Euro wurden dem Jugendlichen wieder zurückgegeben. Seine Mutter ist erleichtert: „Gott sei Dank hat die sehr ärgerliche Sache noch ein gutes Ende genommen. Meinem Sohn ist es ein Anliegen, dass andere durch diesen Vorfall sensibilisiert sind und sich nicht derart behandeln lassen.“