Rauchverbot lässt Angst vor Anrainer-Ärger steigen. Ab 1. Mai ist Gastro rauchfrei. Sparten-Obmann fordert auch in Zukunft Raucherräume.

Von Beate Steiner. Erstellt am 18. Oktober 2017 (05:37)
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Ein halbes Jahr noch – dann wird’s für Raucher ungemütlich und in heimischen Lokalen die Luft dünn. Denn ab 1. Mai 2018 wird Österreichs Gastronomie bekannterweise rauchfrei.

Das neue Gesetz soll eine klare Regelung mit Rechtssicherheit für die Gastronomie schaffen und Bedienstete und Nichtraucher vor Qualm schützen.

Wenig erfreut über diese Novelle sind naturgemäß die Wirte, allen voran Mario Pulker, Spartenobmann für Tourismus und Gastronomie.

„Dieses Gesetz widerspricht dem Gleichheitsgrundsatz und macht Raucher zu Menschen zweiter Klasse.“ Mario Pulker, Spartenobmann Tourismus

„Dieses Gesetz macht Raucher zu Menschen zweiter Klasse“, meint der Gastronomie-Chef. Er fordert, dass „abgetrennte Raucherräume in Gastronomiebetrieben weiterhin zulässig sein müssen“.

Immerhin würden in Spitälern und Bahnhöfen Raucherbereiche angeboten, in Gasthäusern aber nicht. „Das widerspricht dem Gleichheitsgrundsatz“, so Pulker, der auch fordert, dass „Einraumlokale, die keine Speisen servieren, auch künftig entscheiden können, ob geraucht werden darf oder nicht“.

Raucherbereiche als Lösung?

Diesen Ideen können natürlich auch St. Pöltner Gastronomen etwas abgewinnen. Ulli Mesner, Eigentümerin der Gaststätte Figl, hat ab Mai schon den Innenhof des Haubenlokals für rauchende Gäste reserviert, aber „wenn wieder ein Raum für Raucher erlaubt sein sollte, werden wir diesen natürlich bereitstellen“.

Seinen Innenhof mit Flugdach wird Otto Schwarz vom Narrnkastl für seine Gäste aktivieren. Dort laufen sie nicht Gefahr, beim Rauchen und nächtlichen Plaudern Anrainer aufzuwecken und zu erzürnen. Das ist nämlich eine große Sorge der Wirte und Beislbetreiber: Dass die gut gelaunten Gäste auf schlecht gelaunte Nachbarn treffen.

Gut gelaunten Gäste treffen auf schlecht gelaunte Nachbarn

„Es hat in den vergangenen Jahren eigentlich alles gut geklappt. Nichtraucher und Raucher waren zufrieden. Jetzt bekommen wir ein Problem, ein Anrainerproblem“, ist Helmut Gschmeidler sicher. Der Vino-Wirt wird die Raucher in die Wiener Straße auf seine Terrasse vor die Heizstrahler und unter die Schirme bitten: „Ich darf dorthin dann aber nicht servieren.“

Im Café im Palais Wellenstein auf der anderen Seite der Wiener Straße wird den Rauchern auch outdoor eingeheizt, „die Strahler hab‘ ich sowieso jetzt auch schon laufen“, sagt Eigentümer Tezcan Soylu.

Den ab Mai ehemaligen Raucherraum in seinem Lokal wird der Wellenstein-Wirt belassen. „Für geschlossene Gesellschaften“, so Soylu. Er ist im Übrigen überzeugt davon, dass alle Lokale, die länger offen haben, Schwierigkeiten mit den Anrainern bekommen werden.

Angst vor Lärmbelästigung steigt bei Wirten

Das sieht auch Wirte-3100-Obmann Leo Graf so, dass es laut werden könnte, „wenn dann um Mitternacht 15 Gäste rauchen gehen.“ Als Hotelier kann der Wirte-Chef allerdings eine Ausnahme im neuen Rauchergesetz nutzen: Hotels dürfen einen Raum für Raucher bereitstellen, „in den ich aber nichts servieren darf“, so Graf. Er überlegt noch, wo im Hotel Graf nach dem 1. Mai 2018 geraucht werden darf, „wir werden sicher eine Möglichkeit schaffen.“

Die wird es auch künftig beim zum Ball der Wirtschaft mutierten Wirteball im eigentlich rauchfreien VAZ geben. „Wir werden ein Zelt aufstellen und das auch beheizen, damit die Damen in den Ballkleidern nicht frieren müssen.“