Kult-Café wird wieder zum Wirtshaus. Vor Jahrzehnten wurde aus dem Gasthof zum Brillantengrund am Mühlweg das Kuckucksnest. Die neuen Pächter wollen an die alte Tradition anknüpfen.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 25. Oktober 2017 (05:09)
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Gerhard Bauer (vorne) und Andreas Fill sind gegenwärtig damit beschäftigt, die alte Ausstattung des „Kuckucksnest“ zu entfernen. Bis Mitte November soll das Lokal zum stilechten Wirtshaus werden.
NOEN, Marie Rotheneder

Ein bisschen kurios ist es ja schon: Mit 83 Punkten und einer Tasse wird das Kuckucksnest am Mühlweg als eines der besten Cafés der Stadt im aktuellen Falstaff bewertet. Wer sich von den Qualitäten des Traditionshauses überzeugen will, trifft derzeit aber bestenfalls Bauarbeiter. Der Pulkauer Gerhard Bauer und der Kapruner Andreas Fill haben vor einigen Wochen das Kultlokal übernommen und bauen es derzeit komplett um.

„Wir wollen zurück zum Ursprung“

Kaffee wird es hier in Zukunft natürlich auch geben, das Hauptaugenmerk wollen die beiden erfahrenen Gastronomen aber auf Hausmannskost legen. „Wir wollen zurück zum Ursprung“, erklärt das Duo. Denn, was viele St. Pöltner nicht wissen: Es gab auch eine gastronomische Zeit vor dem Kuckucksnest. Das beweist auch ein Blick auf die auffällige, mit secessionistischem Dekor versehene Fassade: In dem 1912 errichteten Gebäude hieß nämlich jahrzehntelang der Gasthof zum Brillantengrund die Gäste willkommen.

„St. Pölten liegt mitten im Lebensmittel-Paradies.“ Gerhard Bauer, Gastrono

„Wir haben schon lange nach einem passenden Lokal gesucht und sind dann im Internet auf das ‚Kuckucksnest‘ aufmerksam geworden“, berichtet Bauer, warum ein Pulkauer und ein Kapruner ihren Traum vom eigenen Lokal in der Landeshauptstadt verwirklichen. St. Pölten sei eine aufstrebende Stadt, das Einzugsgebiet des Standortes am Mühlweg durch die Nähe zu Universitätsklinikum und Fachhochschule beachtlich.

Wirtshaus-Flair in Vollholz-Optik soll wieder hergestellt werden

Von der ursprünglichen Wirtshaus-Ausstattung ist leider nicht mehr viel geblieben, manches ist aber nur gut hinter Rigipsplatten versteckt. Stilgerecht wollen Bauer und Fill das Wirtshaus-Flair in Vollholz-Optik wiederbeleben und mit ihm auch die traditionelle Küche. „Hier soll gekocht werden wie zu Großmutters Zeiten“, legt sich das Duo fest. Traditionelle Gerichte wie Schweinsbraten, Kaspressknödel oder Majoranfleisch wird es hier auch zum Mitnehmen geben. Verwendet werden sollen fast ausschließlich regionale Zutaten, Wein wird es nur österreichischen geben. „St. Pölten liegt mitten im Lebensmittel-Paradies. Hier gibt es fast alles in der unmittelbaren Umgebung“, betont Bauer.

Gegliedert wird das neue „Kuckucksnest“ in ein Restaurant mit Kleinkunst-Bühne, einen Bar-Bereich und eine Lounge. Der bisherige Parkplatz im Innenhof wird zum Gastgarten umfunktioniert.