Pfarrer geht in Pension: „Kirche ist Berghütte am Weg“. Ernst Bergmann spricht in seinen letzten Berufstagen über seine Zeit in Stattersdorf.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 28. August 2020 (05:26)
Ernst Bergmann wird Ende Augustin Pension gehen.
Martin Gruber-Dorninger

Ende August ist Schluss. Dann wird Pfarrer Ernst Bergmann seine letzte Messe lesen. Bevor er aber sein liturgisches Gewand endgültig auszieht, sprach er mit der NÖN über die 34 Jahre, die er in Stattersdorf gewirkt hat und darüber, dass er als Dechant der Kirche noch erhalten bleibt.

NÖN: Wie würden Sie Ihre Zeit in Stattersdorf zusammenfassen?

Ernst Bergmann: Es war eine besonders schöne Zeit. Ein Höhepunkt war der Neubau der Kirche, da wurde das Leben der Gemeinde weiter vertieft. Besonders gut ist der Kreuzweg gelungen. Ein Bilderbuch der Tiefenpsychologie des Leides.

Was bedeutet die Bibel für Sie?

Die Bibel ist Psychohygiene für mich. Und ist ein Lehrbuch der Therapie. Ein Pfarrer muss auch ein Psychologe sein. Gespräche sind besonders wichtig, es kommen viele Menschen, um Probleme zu besprechen. Da schadet es nicht, psychologisch sattelfest zu sein.

Wohin haben Sie sich gewendet, wenn es Ihnen einmal nicht so gut gegangen ist?

Ich war in einem Priesterkreis. Darin haben wir uns monatlich zu viert getroffen und haben Révision de vie gemacht, haben gegenseitig unsere Leben betrachtet. Die Gruppe hat vor einem halben Jahr aufgehört, weil ein Mitglied verstorben ist.

Was ist Ihnen menschlich besonders nahegegangen?

Wirklich leidvoll ist mir eine Totgeburt in Erinnerung, nach der ich die Eltern begleitet und auch das Begräbnis gehalten habe. Positiv war, dass es gelungen ist, eine Gemeindeleitung im Team aufzustellen. Das zu entwickeln war für mich besonders wichtig.

Wie sieht es mit Ihrem Nachfolger aus?

Das wird der Kaplan der Pfarre Wagram, Paul Przybysz, sein. Er geht gut auf die Leute zu und hat Charisma. Ich habe mich dafür eingesetzt, dass er hierher kommt. Er wollte das auch. Es ist sehr schwer, einen heimischen Pfarrer zu bekommen.

Warum ist das so?

Der Beruf ist nicht mehr so attraktiv, wie er einmal war. Man muss in einer Pfarrgemeinde von der Pike auf erlernen, was wirklich wichtig ist. Das Ziel ist nicht die Kirche, das Ziel ist das Reich Gottes. Die Kirche ist nur eine Berghütte am Weg zum Gipfel. Der Zölibat, das ehelose Leben, ist natürlich auch ein Thema. Man merkt im Alter, dass einem etwas abgeht. Es gibt viele ältere Kollegen, die in der Pension sehr vereinsamen.

Haben Sie auch einmal schwierige Zeiten in der Kirche erlebt?

Ja. Die Bischofsbesetzung von Kurt Krenn hat uns sehr geschadet. Es war nicht so einfach, gegen den Bischof aufzustehen. Aber ich bin froh, dass ich es gemacht habe. Auch die Missbrauchsvorfälle trafen mich sehr. Es ist bei uns wie in allen Berufssparten, dass es schwarze Schafe gibt. Ich bin mir sicher, dass der Großteil ehrlich und gut ist.

Was werden Sie nun in der Pension machen?

Ich hatte vor, viel wandern zu gehen. Ich habe derzeit aber ein wenig Probleme mit den Knien. Ich werde aber viel Zeit in der Natur verbringen. Wohnen werde ich in einer Wohnung in Stattersdorf. Ich will mich auch nicht entfremden. Ich werde auch öfters in die Kirche kommen und ein paar Aushilfen übernehmen und bleibe weiterhin Dechant.