Vogelzählen ist Hit bei St. Pöltnern. So viele Teilnehmer wie nie zählten so wenige Siedlungsvögel wie nie.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 04. Februar 2021 (03:25)
In St. Pöltens Gärten tummelten sich heuer bei der Stunde der Wintervögel hauptsächlich Haussperlinge, besser bekannt als Spatzen.
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So viele wie noch nie zuvor beteiligten sich in St. Pölten an der Stunde der Wintervögel. Freiwillige beobachten dabei eine Stunde lang ein Futterhaus und zählen die ankommenden Vögel. 448 Teilnehmer machten das heuer in der Landeshauptstadt, gleich um 94 mehr als im Vorjahr. Am häufigsten wurde der Haussperling, besser als Spatz bekannt, gezählt. Damit überholte diese Vogelart den Vorjahresgewinner, die Kohlmeise, die es heuer nur auf den dritten Rang schaffte.

„Es macht uns sehr stolz, dass wir deutlich mehr Naturbegeisterte gewinnen konnten“

Der Lockdown dürfte der Grund dafür sein, dass sich so viele Leute an der Stunde der Wintervögel beteiligten, glaubt Susanne Schreiner von Bird Life. Menschen hätten dadurch mehr Gelegenheit, die Natur vor der eigenen Haustür zu erforschen. Fast 9.000 Vögel wurden in 374 Gärten beobachtet. „Es macht uns sehr stolz, dass wir deutlich mehr Naturbegeisterte gewinnen konnten“, so Schreiner.

Wermutstropfen ist hingegen, dass trotz der vielen Teilnehmer weniger Vögel pro Garten gezählt wurden. Die Zahl nehme laut Bird Life in den letzten Jahren österreichweit kontinuierlich ab. Im Vergleich zum Vorjahr sei noch ein weiterer Rückgang festzustellen. 2020 wurden in St. Pöltens Gärten noch rund 29 Vögel gezählt, 2021 nur noch rund 24. „Ein Hauptfaktor dafür ist wohl der milde Dezember und deutlich weniger Eis- und Frosttage“, analysiert Schreiner. Die Vögel finden genug Nahrung im natürlichen Gebiet und sind nicht auf Nahrung aus den Futterstellen angewiesen.

Das schlägt sich heuer auch in der Wertung der Vogelarten nieder. Der Vorjahressieger Kohlmeise wurde von Spatz und Feldsperling auf den dritten Platz verdrängt. „2020 war ein starkes Mastjahr der Buchen, Tannen, Eichen und Fichten. Durch die hohe Verfügbarkeit an Baumsamen verschmähten besonders die Meisen die Futterhäuschen“, sieht Schreiner hier die Ursache.

Ein weiterer Grund für den Rückgang ist die Versiegelung von freien Flächen und der zunehmende Verlust alter Bäume. Ebenso spiele naturferne Gartengestaltung eine Rolle. Dabei wäre es einfach, Vögel im Winter in seinen Garten zu locken: Wilde Ecken schaffen und Kräuter stehen lassen. Schreiner warnt: „Wenn jedes Beikraut sofort entfernt wird, haben diese Vögel keine Chance.“