Flüssiges Gold für heiße Sommertage in St. Pölten. Jahrhunderte alt und trotzdem kein bisschen schal. Seit dem Jahr 1572 kämpfen die Braumeister der Stadt gegen den Durst.

Von Lukas Kalteis. Erstellt am 04. August 2021 (04:12)
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1907 wurde die Brauerei geschlossen. Ein Jahr darauf wurde der Keller ausgeräumt und die letzten Fässer wurden feierlich geleert.
Stadtarchiv

Wenn sengende Hitze über der Stadt liegt und der Schweiß auf der Stirn steht, darf eine kühle Erfrischung am Rathausplatz nicht fehlen. Zum Internationalen Tag des Bieres am 6. August feiert die Welt den beliebten Gerstensaft, der auch in St. Pölten seit Jahrhunderten hergestellt und genossen wird.

Brauereien sind in St. Pölten bereits seit dem 16. Jahrhundert belegt, da der erste Braumeister schon um 1572 seinen ersten Kessel in der Traisenstadt erhitzte. „Um 1700 bestanden nachweislich drei Brauereien: Das ehemals städtische Bräuhaus in der Franziskanergasse 3, das ehemalige Klosterbräuhaus in der Klostergasse 21 und ein privates Brauhaus in der Fuhrmannsgasse“, ist dazu in den angestaubten Büchern des Stadtarchivs vermerkt.

St. Pölten hat eine lebendige Brautradition

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Diese Aufnahme zeigt den Jagdpavillon über dem Hofkeller, bevor er nach dem Krieg weggerissen wurde. Der Keller darunter ist bis heute bestehen geblieben.
Stadtarchiv

Heute ist die Egger-Brauerei in Unterradlberg die größte Privatbrauerei Österreichs und somit das Schwergewicht, wenn es um die Herstellung des kühlen Gerstensafts geht. Seit 1978 brodeln dort die modernsten Sudpfannen, während das fertige Bier vollautomatisch im Akkord abgefüllt wird.

Derzeit lässt sich ein eindeutiger Trend zu Klein- und Hausbrauereien erkennen, bei dem auch St. Pölten mit dem Spitzenbier oder dem Hausbier des Fliegerbräus mithalten kann. Doch bereits zuvor gab es kleinere Betriebe, wie zum Beispiel die Pirko’sche Dampfbrauerei in Pottenbrunn, die verhinderte, dass die Stadt und ihre umliegenden Gemeinden nicht auf dem Trockenen sitzen mussten.

Der Pottenbrunner Schlossherr und Politiker Franz von Pirko gründete die Dampfbrauerei 1882 an der Pottenbrunner Hauptstraße, wo sich heute das „Betreute Wohnen“ befindet. Der Versuch, dort eine Brauerei zu etablieren, misslang allerdings. Franz von Pirko, der auch die Molkereigenossenschaft NÖM gegründet hatte, musste die Brauerei schon nach 15 Jahren wieder verkaufen und das Gebäude wurde 1907 in eine Tierfutterfabrik und anschließend in eine Biskuit-Bäckerei umgewandelt.

Zur damaligen Brauerei gehörte für die kühle Lagerung des Bieres auch der sogenannte Hofkeller unter einem Jagdhaus aus der Zeit Maria Theresias, das einst mit Kunstwerken von Daniel Gran verziert war.

Keller für Bier, Pilze und Gefangene

„Das Jagdhaus wurde circa in den 1950er-Jahren abgerissen, der Keller existiert heute noch am Ende des Hofkellerwegs, geriet aber nahezu völlig in Vergessenheit“, erklärt Schlossbesitzer Johannes Trauttmansdorff.

Der Pavillon wurde 1717 über den Kellern errichtet und war einst durch eine Allee mit dem Schloss verbunden. Im Gebäude wurde aber nicht nur der Gerstensaft sicher verwahrt, sondern auch während des Ersten Weltkrieges russische Kriegsgefangene festgehalten und Champignons gezüchtet. Vor 1945 diente der Pavillon auch als Wohnhaus, bis er von der Artillerie schwer beschädigt und später abgerissen wurde.

Nach der Schließung der Brauerei wurde auch der Keller anderweitig verwendet und die Fässer 1908 ausgeräumt und genüsslich ausgetrunken.

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